Lokales

Alte Orgel spielt moderne Musik

Freitag, 3. Juli 2020 - 10:00 Uhr

von Marie-Therese Gewert

Foto: SYSTEM

Thomas Harnath hat seine Passion zum Zweitberuf gemacht, übt drei bis viermal die Woche. Hauptberuflich arbeitet der 41-Jährige als Radiologe. Foto: mtg

Erle (mtg). Die Königin der Kircheninstrumente in Erle, die Breilorgel, ist restauriert worden. Ein technischer Defekt. In der Vergangenheit hatte immer häufiger Fehlfunktionen der Spieltischelektronik gegeben. Wir sprachen über die Neuerungen mit Kirchenmusiker Thomas Harnath aus Erle.

Was wurde erneuert?

Thomas Harnath: „Der Brandschutz musste angepasst werden. Auch die Spielelektronik wurde ausgebaut.“

Was heißt das?

Harnath: „Anstelle von Handregistern und zwei freien Kombinationen mit eher eingeschränkten Möglichkeiten verfügt das neue System jetzt über 4096 Speicherkombinationen auf vier Ebenen. Diese kann ich mit einem Schlüssel personenbezogen codieren“.

Wie wird eine Orgel restauriert?

Harnath: „Nach längerer Vorbereitungszeit übernahm die Orgelbaufirma Fleiter aus Münster mit Firmenchef Eberhard Hilse und Orgelbauer Stefan Reider das Zepter. Das meiste musste in echter Handarbeit detailliert gebaut werden. Unter anderem wurden einzelne Teile für die vier Ebenen gelötet. Die Arbeiten dauerten rund vier Wochen.“

Welche Neuerungen gab es sonst?

Harnath: „Durch Umbauten im Orgelfuß ist künftig ein besserer Zugang zur Stromversorgung der Orgel bei Wartungsarbeiten möglich.“

Was ist die Besonderheit einer Orgelrestaurierung?

Harnath: „Die Neuintonation des Pfeifenwerks zum Abschluss der Arbeiten. Jede der knapp 1500 Pfeifen wurde überprüft und der Klang auf den Raum der Silvesterkirche ausgerichtet, wofür die Pfeifen extra nach Münster transportiert wurden.“

Was bedeutet das für die Zukunft?

Harnath: „Das bedeutet, dass in Zukunft störende Interferenzen zwischen den acht Registern im Schwellwerk vermieden werden können. Hierfür mussten einzelne Teile, die Schwebung des Registers, innerhalb des Schwellkastens umgebaut werden.“

Was bedeutet das für ihre Arbeit als Organist?

Harnath: „Für mich hat sich jetzt einiges vereinfacht. Ich erreiche einzelne Knöpfe beim Spielen schneller. Einen gewissen Part übernimmt die Orgel selbst, wodurch ich mich mehr aufs Spielen konzentrieren kann, und durch den Schlüssel kann ich mir eingespielte Stücke abspeichern und auch jederzeit wieder darauf zugreifen, was vorher nicht möglich war.“

Welche Vorteile bringt die neue Technik noch mit sich?

Harnath: „Das Repertoire der Orgel hat sich erweitert. Ich kann jetzt neben alten Werken auch moderne Stücke präsentieren. Wo ich vorher als Organist noch Unterstützung brauchte, kann ich das Ganze jetzt als „One-Man-Show“ einrichten. “

Die Orgel wurde aufgrund der Corona-Bestimmungen im Kleinen eingeweiht. Wer sich für den Klangcharakter der sanierten Beilorgel in der St. Silvesterkirche in Erle interessiert, kann sich dennoch einen persönlichen Eindruck verschaffen: In regelmäßigen Abständen werden innerhalb der Sonntagsgottesdienste Werke von Johann Sebastian Bach, Präludien, Fantasien, Toccaten und Fugen zu hören sein.