Lokales

Aufs Huhn gekommen

Freitag, 28. Mai 2021 - 09:00 Uhr

von Claudia Hieby

Foto: SYSTEM

Hier dreht sich alles ums Huhn: Familie Rickert.

Marbeck (hie). „Es ist heutzutage nicht so leicht Landwirt zu sein“, sagt Matthias Rickert aus Marbeck. Er ist Ferkelzüchter aus Leidenschaft und versorgt in seinem Familienbetrieb rund 350 Sauen. Schweinepest, neue Verordnungen und Gesetze, große Preisschwankungen und auch die Corona-Pandemie machen ihm das Leben aber immer schwerer. „Der Beruf muss die Familie auch ernähren können“ sagt er. Und: „Das wird immer weniger planbar.“

Also hat er sich mit seiner Frau Rieke überlegt, ein zweites Standbein aufzubauen und in die Direktvermarktung einzusteigen. Mit Tieren, die beide mögen – und einem überschaubaren Aufwand. Denn für die studierte Tierärztin Rieke Rickert stehen zurzeit die beiden Kinder im Mittelpunkt: der dreieinhalbjährige Valentin und Baby Jakob, fünf Monate alt.

Geeinigt haben sich die beiden auf Legehennen und den Vertrieb von frischen Landeiern – und zunächst kräftig investiert. Angeschafft wurde ein mobiler Hühnerstall für artgerechte Haltung, ein sogenanntes Farmermobil. Das hat gleich mehrere Vorteile: Das Fahrzeug wird vollautomatisch über einen internen Stallcomputer gesteuert und betrieben. Licht, Wasser- und Futterversorgung, Lüftung und auch die Nestöffnung und -Verriegelung können ganz leicht programmiert werden. „So kann ich mich morgens erst einmal in Ruhe um die Kinder kümmern“, sagt Rieke Rickert. Durch die Vollautomatisierung spart sie wertvolle Zeit.

Nächster Vorteil: Der Stall lässt sich ohne großen Zeitaufwand ganz komfortabel und einfach mit dem Trecker versetzen. So kann immer wieder ein neues Terrain abgesteckt und von den Hühnern erobert werden. Und auch die Inneneinrichtung des Farmermobils ist durchdacht und komfortabel: Den Hühnern stehen auf drei Ebenen Sitzstangen, Tränkenippel, Futterlinien und Legenester zur Verfügung. Im großzügigen und hellen Scharraum können sie picken und scharren, bis sich die Auslaufe öffnen.

„Wir sind immer noch in der Testphase,“ erzählt Rieke Rickert. Als die braunen Lohmannhühner im März auf dem Hof ankamen, durften sie wegen der Geflügelpest zunächst nicht an die frische Luft. Erst seit einer Woche sind sie draußen und lernen neugierig die Umgebung kennen. Das kann man von der Marbecker Straße, an der der Hof liegt, gut sehen – und nicht nur Familien mit Kindern macht es Spaß, den agilen Tieren zuzuschauen.

Der Verkauf der Eier funktioniert auf Vertrauensbasis: Neben dem Feld steht eine kleine Selbstbedienungshütte, in der die frischen Eier abgepackt in der richtigen Temperatur gelagert werden. Das Geld dafür kann man einfach passend in die Kasse legen. „Damit haben wir bisher sehr gute Erfahrungen gemacht“, erzählt das Ehepaar, obwohl es auch schon Kontakt zur Polizei haben musste: Die Kasse wurde bereits zweimal gestohlen.

Trotzdem: Rickerts erleben, dass die Kunden es wertschätzen zu wissen, wo die Eier herkommen und wie die Hühner leben. Wenn das Konzept weiterhin gut läuft wollen sie auch den Schweinen und Sauen auf ihrem Hof mehr Platz gönnen. „Das Tierwohl ist uns sehr wichtig“, sagt Matthias Rickert. „Nur der Verbraucher muss es auch honorieren!“

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Selbstbedienung ist angesagt.

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In der Hütte warten die Eier gut verpackt auf Kunden.

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Valentin mit seiner Lieblingshenne „Netti“. Fotos: hie