Lokales

Bin beim Hundefriseur

Freitag, 22. Januar 2021 - 09:00 Uhr

von Karin Printing

Foto: Karin Printing

Während die Menschen wegen des Lockdowns auf den Friseurbesuch verzichten müssen, dürfen sich Vierbeiner wie Havanese Eddi weiterhin stylen lassen.

Fotos: Karin Printing

Von Karin Printing

Borken. „Ach, wär‘ ich doch ein Hund! Und keine Frau mit Kurzhaarfrisur“, denke ich inzwischen beim morgendlichen Blick in den Spiegel. „Vermutlich sehe ich spätestens an Ostern so aus wie ein Afghanischer Windhund.“ „Waschen, schneiden, föhnen“ – daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern und durch den erst einmal bis zum 14. Februar verlängerten Lockdown bleiben diese Friseurdienstleistungen für mich nur Wunschtraum.

Kühlschrank alleine öffnen, nach Lust und Laune spazieren gehen oder es sich auf dem Sofa bequem machen, wann ich will, normalerweise habe ich Hunden viel voraus. Im Moment beneide ich sie. Dürfen sie doch laut einem Gerichtsbeschluss des Verwaltungsgerichts Münster vom 11. Januar in NRW trotz Corona-Shutdowns weiter in Hundesalons frisiert werden.

Grund genug, einmal in Borken beim Hundesalon „Fellfit“ von Tanja Paß vorbeizuschauen und Hund Eddi beim Frisieren neidische Blicke zuzuwerfen.

Also ab in die Brinkstraße und zum Friseur. Eddi, ein Havaneser, hat bereits Platz genommen. Er ist Stammkunde im Salon. Das sieht man ihm an. Mit stoischem Gleichmut steht der dreijährige Hund auf dem Frisiertisch und erträgt das Rattern und Summen der Schermaschine, selbst wenn die Geräusche und das Vibrieren dem Ohr und dem Gesicht nahekommen. „Alle acht bis zehn Wochen bringt Frauchen ihn hierher zum Waschen, Schneiden und Föhnen“, sagt Tanja Paß und kümmert sich dabei weiter ruhig und besonnen um den Vierbeiner. Ob Eddi weiß, dass er im Augenblick ein besonderes Privileg hat, frage ich mich und schaue dann weiter beim Rohschnitt, dem Baden und dem anschließenden Föhnen zu.

Corona-bedingt gelten im Hundesalon gerade besondere Hygiene-und Abstandsregeln: „Wir müssen die Tiere grundsätzlich vor dem Salon übernehmen und später auch wieder übergeben und während der Arbeit auf Mundschutz und Sicherheitsabstand achten“, sagt Paß. Deshalb muss Eddis Frauchen während der Behandlung draußen vor der Tür bleiben. Im Normalfall dürfen die Halter auch während der Behandlung in den Räumlichkeiten bleiben, wenn sie wollen.

„Hundefriseur – oder aus dem Englischen „Groomer“ – ist hierzulande kein Ausbildungsberuf und daher als Berufsbezeichnung auch nicht geschützt“, weiß die Borkenerin zu berichten. Sie selbst hat ihr Handwerk vor gut zehn Jahren in Offenburg und Frankfurt erlernt und betreibt seit fast zehn Jahren ihren Salon in der Brinkstraße. Der Betrieb sei immer gut ausgebucht, erzählt sie weiter.

Das Angebot ist ähnlich wie beim Friseur: Schneiden (Unterwolle), Trimmen, Zupfen, Baden und Föhnen sowie Augen-, Ohren- und Krallenpflege. Mit ihrem Rundum-Sorglos-Programm bringt Tanja Paß Fell und Pfoten der Vierbeiner in Form.

Ihre Dienstleistungen scheinen aber aktuell nicht nur bei vierbeinigen Vertretern gefragt zu sein, erzählt sie lachend. „Mich haben schon einige Frauchen und Herrchen gefragt, ob ich ihnen nicht auch noch schnell die Haare schneiden könnte. Natürlich im Scherz.“, fügt die Besitzerin eines Schäferhundes hinzu. „Menschen schneide ich keine Haare. Kann ich auch gar nicht“, erklärt sie. Bei ihrem Mann mache sie inzwischen allerdings eine Ausnahme. „Und das bekomme ich auch ganz gut ihn“, lacht sie und sagt weiter: „Ich muss hier gegen den Strich rasieren. Ist nicht so wie bei den meisten Hunden.“

„Alles klar“, denke ich leicht verzweifelt. „Hundefriseur - für mich also kein Ausweg aus der Frisurenmisere.“

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Ohne Fellwäsche geht gar nichts.