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„Es gab doch eine Leere“

Freitag, 20. März 2020 - 09:00 Uhr

von Dorothee Davin

Foto: SYSTEM

Schwester Andrea, die aus Reken stammt, lebt jetzt als „Franziskanerin Tochter von Pater Pio“ im Pfarrhaus Steinfurt. Foto: Bischöfliche Pressestelle/Niewöhner

Reken/Steinfurt (dd). Sie war im Management einer Augsburger Klinik, hatte ein eigenes Haus und andere Annehmlichkeiten, die mit einem gut bezahlten Job verbunden sind. Und doch fehlte Schwester Andrea etwas: „Bei allem, was gut war, gab es doch eine Leere.“

Durch Zufall lernte die 48-Jährige bei einem Auslandsaufenthalt die Gemeinschaft der „Franziskanerinnen Töchter von Pater Pio“ kennen. Sie wagte das Abenteuer, verkaufte in Deutschland alles – und ging nach Benin. Im vergangenen Jahr kam Andrea Höltervenhoff, wie sie mit bürgerlichen Namen heißt, zurück aus Westafrika nach Reken, wo ihre Eltern leben. Eigentlich nur zum Heimatbesuch. Doch Schwester Andrea blieb. Ihr Orden hat die Einladung von Bischof Dr. Felix Genn angenommen, im Bistum Münster, genauer gesagt, im Pfarrhaus von St. Nikomedes in Steinfurt, einen Konvent zu gründen.

Noch ist Schwester Andrea dabei, sich einzurichten: „Das meiste ist aber geschafft.“ Die Möbel hat sie übernommen. Außer zwei Koffern hat die Ordensfrau keine Habseligkeiten. Seit einigen Monaten schon arbeitet sie im Clemenshospital als Kinderkrankenschwester, hat dafür einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Mit ihrem Verdienst finanziert sie ihr Leben und unterstützt die Mitschwestern in Benin.

Schon während ihrer Schulzeit am Gymnasium der Mariannhiller in Maria Veen bekam Schwester Andrea Fernweh, wenn die Missionare aus ihrem Alltag berichteten. Nach dem Abi leistete sie ein Freiwilliges Soziales Jahr in Bolivien ab und machte eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester. Danach ging sie nach Westafrika und leitete eine Krankenstation der Cap-Anamur-Gründer Christel und Rupert Neudeck in Benin. Anschließend studierte sie in München BWL, Schwerpunkt Gesundheits- und Sozialmanagement.

Den Kontakt nach Westafrika ließ sie nie abreißen.

Bei einem Arbeitsbesuch in Benin lernte sie 2009 eine junge Ärztin kennen, die dem Orden der „Franziskanerinnen Töchter von Pater Pio“ angehört, einer jungen Gemeinschaft, die von einem Priester in Benin gegründet worden war und der heute 104 Schwestern angehören. Das soziale Engagement, die franziskanische Spiritualität – all das faszinierte Andrea Höltervenhoff.

Als erste und bislang einzige Europäerin trat sie vor sechs Jahren als Novizin in den Orden ein. Sie half in Benin, zwei Schulen aufzubauen und ein Krankenhaus zu reaktivieren. Durch eine afrikanische Mitschwester und den Wunsch des Bischofs von Münster im Bistum eine Niederlassung zu gründen, entschied sich die 48-Jährige im Pfarrhaus von St. Nikomedes einen Schwesternkonvent zu gründen und sich in das Gemeindeleben einzubinden.