Lokales

„Es geht immer um die Liebe“

Freitag, 7. Oktober 2022 - 10:00 Uhr

von Claudia Hieby

Die Schwestern Maria und Klara Venhoff aus Erle haben den Großteil ihres Lebens als Steyler Missionsschwestern im Ausland verbracht. Ihre Ordensnamen sind Schwester Vita und Schwester Raphaele. Foto: hie

Erle. Maria (Jahrgang 1934) und Klara Venhoff (Jahrgang 1936) sind Schwestern, stammen aus Erle und haben beide ihr Leben als Steyler Missionsschwestern der Missionsarbeit im Ausland gewidmet. Ihre Lebenswege führten sie in verschiedene Teile der Welt und waren – trotz der gemeinsamen Mission – sehr unterschiedlich. Bei einem Besuch in Deutschland haben sie sich jetzt wiedergesehen.

Klara, obwohl jünger als ihre Schwester Maria, war die erste, die nach Steyl ins Kloster ging, um dort Abitur zu machen und anschließend Lehrerin zu werden. Dann wurde sie 1965, kurz vor Weihnachten, nach Papua Neuguinea entsendet, wo sie zunächst an einer internationalen Schule unterrichtete. Später war sie dort viele Jahre in der Lehrerausbildung tätig. Als die Mitbegründerin der Steyler Missionsschwestern, Helena Maria Stollenwerk, im Jahr 1995 seliggesprochen wurde, wurde Klara nach Rom geschickt, um zu helfen. Im Anschluss ging es drei Jahre in die Slowakei, wo die dortige Gemeinschaft durch den Kommunismus 40 Jahre vom Mutterhaus getrennt war. „Anfang der 2000er Jahre war ich frei für die nächste Aufgabe“, erinnert sich Klara. Zu ihrem großen Glück ging es wieder nach Papua Neuguinea, wo sie bis zu ihrer Reise nach Deutschland in diesem Jahr tätig war. Schmerzlich für sie ist, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zurückkehren kann. Sie wird ihren Lebensabend nach 57 Jahren Missionsarbeit im Mutterhaus in Steyl verbringen.

Ihre ältere Schwester Maria war zuhause in Erle ganz anders eingebunden. Als älteste Tochter musste sie den Eltern helfen und nicht nur Verantwortung für die jüngeren Geschwister übernehmen. „Ich war schon um 4.30 Uhr mit dem Melkschemel am Fahrrad unterwegs,“ erinnert sie sich. Geprägt haben sie die letzten Kriegsjahre. Sie musste als Kind miterleben, wie jemandem die Hand abgeschossen wurde, und wie Kriegsgefangene fast verhungerten. „Wir haben ihnen Butterbrote durch den Zaun zugesteckt“, erinnert sie sich, „und dafür ein geschnitztes Holztier geschenkt bekommen.“

Schon damals war das Interesse für die Krankenpflege geweckt und die Idee, ebenfalls ins Kloster zu gehen. „Als mein Vater das hörte, hat er die ganze Nacht nicht geschlafen“, sagt Maria. Doch sie ging ihren Weg und wurde Krankenschwester, obwohl sie im Kloster zunächst als Küchenschwester arbeitete und, zur Prüfung, auch ein halbes Jahr an der Pforte. „Ich wusste aber, ich musste weiter“, sagt sie heute. 1968 wurde sie dann endlich nach Indonesien entsendet, in ein Land, in dem sie bis heute in der Krankenpflege tätig ist. Es folgten 54 Jahre Missionsarbeit mit vielen Abenteuern in teilweise sehr abgelegenen Gegenden. Ende Oktober geht es dorthin zurück. Ihre 88 Jahre sieht man Maria nicht an. „Ich kann 100 Jahre alt werden,“ sagt sie mit einem Lächeln und steckt immer noch voller Tatendrang. Was sie und ihre Schwester ein Leben lang angetrieben hat? Der Glaube und die Liebe zu den Menschen.