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Interview mit dem Zeitungsdesigner Norbert Küpper

Freitag, 10. Januar 2020 - 09:00 Uhr

von Claudia Hieby

Foto: SYSTEM

Norbert Küpper (rechts, links daneben Verleger Stephan Schmidt) stellt imMergelsberg Verlag seine Layoutentwürfe vor.

Borken (hie). Norbert Küpper ist Profi wenn es um das Design von Zeitungen geht. Er hat den neuen Stadtanzeiger entworfen.

Warum wird der Stadtanzeiger verändert?

Einerseits ist man als Leser an das vorhandene Erscheinungsbild gewöhnt, andererseits ist man doch auch immer für Neuerungen aufgeschlossen. Nicht nur Kleidung, Autos, Möbel, Tapeten unterliegen dem Zeitgeist, auch Anzeigenblätter wirken irgendwann etwas überholt. Beim Stadtanzeiger gab es einen weiteren Grund: durch eine Änderung bei der Druckerei wird ein größeres Format eingeführt. Das ist eine willkommene Gelegenheit, ein neues großzügiges Design zu entwerfen.

Welche Vorteile hat ein größeres Format?

In erster Linie haben wir mehr Platz. Dadurch können wir auch die Grundschrift vergrößern und so für noch mehr Lesekomfort sorgen. Wir können aber auch mehr unbedruckte Fläche lassen. Dadurch wirkt das ganze Produkt viel übersichtlicher und noch leserfreundlicher. Die Anzeigen kommen besser zur Geltung, weil der Abstand zu redaktionellen Bildern etwas vergrößert wurde.

Welche Veränderungen gibt es bei den Bildern?

Wir wollen auf jeder Seite oben ein großes Bild haben. Andere Bilder sollen kleiner sein. Dadurch wird man als Leser automatisch auf den Startpunkt der Seite geführt – nämlich nach oben. Die Bilder sollen aber auch nicht zu groß werden, weil sonst der Eindruck entsteht, dass Text fehlt. Diese Erkenntnisse habe ich bei Leseforschungs-Projekten gewonnen. Dabei wird mit einer Blickaufzeichnungs-Kamera dokumentiert, welcher Teil der Seite zuerst angeschaut wird und in welcher Reihenfolge man liest. Das große Bild ist automatisch der Startpunkt. Eine Seite ohne Bild wird oft nur kurz wahrgenommen. Darum haben ja auch die meisten Anzeigen visuelle Elemente wie Bilder oder starke Farben, wie zum Beispiel Rot. Kleinere Artikel sollen in einer Spalte links gebündelt werden. Dadurch wird Ordnung auf der Seite geschaffen.

Insgesamt nehmen wir uns gestalterisch etwas zurück. Im Vordergrund sollen bei uns die Anzeigen stehen. Jede Anzeige hat andere Farben und Schriften. Darum hat der Stadtanzeiger auch keine Farbflächen. Wir setzen also ganz auf ein ruhiges und übersichtliches Gesamtbild.

Der Kopf wurde stark verändert. Warum?

Vor Jahren fand man es sehr modern, den Kopf des Stadtanzeigers negativ rot zu gestalten. Wir haben in der Arbeitsgruppe verschiedene Entwürfe angeschaut und es wurde der einzige Kopf gewählt, der die Schrift positiv zeigt – rote Schrift auf weißem Grund. Das wirkt deutlich freundlicher und ist besser lesbar als Negativ-Schrift. Die Anrisse unter dem Kopf werden größer und damit auch besser lesbar.

Die Titelseite ist so etwas wie die Visitenkarte des Stadtanzeigers. Welche Veränderungen haben Sie vorgenommen?

Rechts sind zwei Spalten für Anzeigen. Die können seitenhoch sein. Anzeigen enthalten Informationen und Anregungen für Leser. Im Anzeigenblatt werden sie sehr gerne gelesen. Auch die Beilagen von den verschiedensten Firmen sind für die Leserinnen und Leser sehr wichtig. Man kann sich in Ruhe zu Hause alles ansehen und dann gut informiert das Geschäft besuchen und einkaufen. Das ist ganz anders als im Fernsehen, wo die Unterbrechungen durch Werbung viele Sendungen stark beeinträchtigen und Zuschauer verärgern.

 

Welche Trends gibt es im Zeitungsdesign und wie wurden sie beim Stadtanzeiger Borken umgesetzt?

Schon seit vielen Jahren gibt es bei den Zeitungen den Trend zu einem aufgelockerten, gut gegliederten und übersichtlichen Erscheinungsbild. Im Trend liegt nicht Boulevard sondern Seriosität. Beim Stadtanzeiger wollen wir modern und zeitgemäß aussehen. Darum haben wir eine neue klare und moderne Überschriftentype gewählt.

Manche Zeitungen sehen aus wie Magazine, insbesondere in den Niederlanden, Belgien und Skandinavien. Diesem Trend wollen wir nicht ganz folgen, weil die Magazin-Produktion für unsere lokalen Inhalte nicht passen würde.

Es gibt in ganz Europa den Trend, redaktionell wenig Farbe einzusetzen. Es gibt also keine farbig unterlegten redaktionellen Texte. Dem Trend folgen wir voll und ganz, weil wie schon erwähnt die Anzeigen beim Stadtanzeiger im Vordergrund stehen sollen.


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