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„Jojo Rabbit“: Satire auf den Zweiten Weltkrieg

Freitag, 17. Januar 2020 - 09:00 Uhr

von Claudia Hieby

Foto: SYSTEM

Der Einzige, den Jojo (Roman Griffin Davis) um Rat fragen kann, ist sein idiotischer imaginärer Freund Adolf Hitler (Taika Waititi). Foto: Fox

Borken (hie). Das Leben des einsamen deutschen Jungen Jojo (Roman Griffin Davis) wird auf den Kopf gestellt, als er herausfindet, dass seine alleinerziehende Mutter (Scarlett Johansson) in einer Dachkammer ein jüdisches Mädchen (Thomasin McKenzie) versteckt. Jojo muss seine Ansichten revidieren - und der Einzige, den er um Rat fragen kann, ist sein idiotischer imaginärer Freund Adolf Hitler (Taika Waititi).

  „Jojo Rabbit“ wurde von der Filmbewertungsstelle mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet und urteilt wie folgt: .Für seine Anti-Kriegs-Satire nahm sich Regisseur Taika Waititi den Roman „Caging Skies“ von Christine Leunens als Grundlage.

Schon mit dem Titelsong – die deutsche Version des Beatles-Klassikers „I wanna hold your hand“ („Komm gib mir deine Hand“) – wird klar, welche Form von Humor der Film ansteuert. Sämtliche Stereotype der nationalsozialistischen Herrschaft werden aufs Korn genommen, das Ensemble, allen voran Sam Rockwell als abgehalfteter SS-Soldat, Rebel Wilson als überfruchtbare Erzieherin und Stephen Merchant als eifriger Gestapo-Offizier, wissen mit ihren Rollenklischees lustvoll umzugehen. Doch neben den vielen gut gesetzten Spitzen gegen die Unsinnigkeit des NS-Regimes und dem herrlich albernen und überzeichneten Spiel

von Waititi selbst als Hitler besitzt der Film ein großes Herz, welches er spätestens mit der Einführung der Beziehung zwischen Mutter und Sohn öffnet. Scarlett Johannson spielt Jojos Mutter mit entwaffnender Fröhlichkeit und unerschütterliche Liebe zu ihrem Sohn. Sie weiß, dass er von den Nazis und ihrem Glauben verblendet ist, aber glaubt immer auch an das Gute in ihm. So vertraut sie darauf, dass er seinen Weg zurück schon finden wird. Und genau das geschieht. Roman Griffin Davis ist als Jojo eine absolute Entdeckung und als Zuschauer kann man nicht anders, als ihn in all seinen Gefühlslagen und –verwirrungen ins Herz zu schließen. Und wenn dann am Ende des Films David Bowie die deutsche Version von „Heroes“ zum Besten gibt, ein Rilke-Zitat die Essenz des Films zusammenfasst, dann spürt man, dass der Film mehr ist als eine brillant geschriebene Satire oder eine spannende Geschichte. Es ist ein grundehrlicher Aufruf, das Leben zu lieben. Und alle Menschen dazu.

Der Film ist ab Donnerstag, 23. Januar, im Kino zu sehen.