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Organspende: Das waren Ihre Fragen

Freitag, 22. Oktober 2021 - 08:30 Uhr

von Claudia Hieby

Foto: HARDY WELSCH

Der Organspendeausweis ist immer kostenlos

Borken. Das Expertenteam der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, BzgA, beantwortete am Telefon Fragen unserer Leser zum Thema Organspende. Eine Zusammenfassung:

Ich würde schon Organe spenden, aber nicht jedem. Kann ich das beeinflussen?

Nein, Sie haben keinen Einfluss darauf, wer Ihre Organe bekommt. Dies ist eine rein medizinische Entscheidung. Sie können mit Ihrer Spendenbereitschaft weder bestimmte Personengruppen ausschließen noch bevorzugen.

Erhalten Organspender auch jegliche medizinische Hilfe, sollten sie lebensbedrohlich erkranken oder einen Unfall haben?

Ja, natürlich. Es wird alles dafür getan, um das Leben des Patienten zu retten. Kommt aber ärztliche Hilfe zu spät oder sind die Unfallfolgen zu weit fortgeschritten, kann der Patient mitunter nicht mehr gerettet werden. Wurde im Krankenhaus der Tod durch vollständiges irreversibles Hirnversagen, den so genannten Hirntod festgestellt, können Kreislauf und Atmung aber künstlich durch Beatmung und Medikamente aufrecht erhalten werden, dann erst stellt sich die Frage einer Organspende. Die Intensivmediziner, die den Hirntod feststellen, haben mit Organentnahme und Transplantation nichts zu tun.

Welche Organe kommen eigentlich für eine Spende infrage?

Nach dem Hirntod besteht bei folgenden Organen und Geweben die Möglichkeit, entnommen und übertragen zu werden: Niere, Herz, Lunge, Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm und Teile der Haut sowie die Hornhaut der Augen, Herzklappen, Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes, des Knorpelgewebes und der Sehnen.

Auf ein Organ muss man ja sehr lange warten. Wie ist das bei Geweben?

Gewebe können durch die Kooperation verschiedener Gewebebanken und durch Importe meist ohne größere zeitliche Verzögerung übertragen werden. Zudem können sie auch gelagert werden. Wartezeiten können auftreten bei Augenhornhaut, Herzklappen und Blutgefäßen.

Hat man das mit den Manipulationen jetzt besser im Griff?

Gibt es Strafen?

Wer manipuliert, um einer Transplantation eine erhöhte Dringlichkeit zu verschaffen, macht sich nach dem Transplantationsgesetz strafbar.

Besonders streng geachtet wird auf die Ermittlung verschiedener Laborwerte – denn sie entscheidet über die Aufnahme auf die Warteliste und die dortige Platzierung. Um die Transparenz bei der Übermittlung der Laborwerte sicherzustellen, werden diese Untersuchungen im Sechs-Augen-Prinzip – also durch drei voneinander unabhängige Mediziner – durchgeführt und erfasst.

Warum soll man die Entscheidung über Organspende zu Lebzeiten treffen?

Sie haben die Möglichkeit, selbstbestimmt festzulegen, was mit Ihrem Körper im Fall des unumkehrbaren Ausfalls Ihrer gesamten Hirnfunktionen geschieht. Sie können jetzt, im Vollbesitz Ihrer geistigen und körperlichen Kräfte, rechtlich-verbindlich Ihre Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende dokumentieren. Wenn nach Ihrem Tod Ihre Angehörigen diese Entscheidung fällen müssen, wäre das für sie eine große zusätzliche Belastung.

Kann ich meinen Körper einem anatomischen Institut zur Verfügung stellen und trotzdem Organspender sein?

Das kommt auf den Vertrag mit dem anatomischen Institut an. Es gibt Einrichtungen, die eine Körperspende auch nach einer Organentnahme entgegennehmen. Ansonsten gilt, dass bei einem potenziellen Körperspender, der zusätzlich Organspender ist, die Organspende Vorrang vor der Körperspende hat.

Weitere Informationen gibt es beim gebührenfreien Infotelefon Organspende unter 0800-9040400, Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Dort können auch kostenlos Organspendeausweise und Informationsmaterial angefordert werden: unter organspende@bzga.de per E-Mail sowie unter www.organspende-info.de im Internet.