Perücken für die Kinder von Mogilew

Perücken für die Kinder von Mogilew

Für die Kinder der Katastrophe von Tschernobyl: Werner Linde, Yvonne Honerbom und Thomas Linde wollen helfen. Foto: mtg

Kreis Borken/Bocholt (mtg). „Wir benötigen dringend Perücken für Kinder“, betont Yvonne Honerbom, Obermeisterin der Friseur-Innung Westmünsterland. Jede Perückenspende zählt. Die gebrauchten Perücken werden dann an den Verein Hilfe für tschernobylgeschädigte Kinder in Bocholt weitergegeben.

Hier werden Perücken für Kinder benötigt, die sich durch den Reaktorunfall in Tschernobyl in einer Chemotherapie befinden und ihr eigenes Haar verloren haben.

„Wir haben wahnsinnig viele weiße und graue gesammelt“, meint Yvonne Honerbom. Gebraucht werden aber vor allem Perücken für Kinder und Jugendliche.

Von blond bis braun werde alles für junge Köpfe angenommen. Sowohl Echthaar- als auch Kunsthaar-Perücken. „Wenn die Leute zuhause nachschauen könnten, ob sie noch eine Perücke haben, wäre das sehr hilfreich. Wir nehmen alles“, erklärt Yvonne. Wer eine Perücke daheim hat, kann sie in den Salons der Friseur-Innung Westmünsterland oder der Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft in Bocholt abgeben. Rund 75 Perücken sind schon zusammengekommen.

Es ist Hilfe, die ankommt, wo sie gebraucht wird. In der Stadt Mogilew in Weiß-Russland. Werner Linde, erster Vorsitzender des Vereins Hilfe für tschernobylgeschädigte Kinder, fährt seit 2002 regelmäßig dorthin.

LKW gebraucht

Anfang Mai macht er sich mit seinem Sohn Thomas im LKW auf den Weg. „Noch suchen wir einen zweiten LKW, am besten einen 40-Tonner“, erklärt sein Sohn Thomas. So nimmt der Verein über die Perücken hinaus viele weitere Spenden mit, hat aber nicht genug Platz. Eine Fahrt dauert etwa 35 Stunden. Rund eine Woche verbringen sie in Mogilew. Ein Dolmetscher wird übersetzen. Werner hat gesehen, wie die junge Generation, über 30 Jahre nach der nuklearen Katastrophe von Tschernobyl, noch immer unter den Folgen leidet.

„Durch die Katastrophe bringen die Kinder von einst ein geschädigtes Erbgut mit – und das geben sie an ihre Kinder weiter“, sagt er und weiter: „Aus den Krankenhäusern kommst du nicht ohne Tränen heraus. Aber du bringst ihnen Hilfe mit“, sind sich Vater und Sohn einig.

Anfangs war Werner nur neugierig, doch er spürte schnell, dass ihn das Schicksal der Menschen ins Herz geht. So wollte er helfen. Sein Sohn Thomas wuchs mit hinein. „Mit uns geht es ihnen ein bisschen besser“, meint auch er. Durch einen Zufall kam heraus, dass die Kinder auch Perücken brauchen. „Meine Schwägerin kam gerade aus der Chemo“, erinnert sich Werner. Er nahm die Perücke mit nach Russland, sah ein Kind ohne Haare. Er gab sie dem Kind, das sich sehr freute. Ein wenig später erfolgte eine Anfrage im Salon Judith Vennekamp.

So wurde die Friseur-Innung Westmünsterland, zu der etwa 100 Betriebe in Bocholt, Borken und Umgebung zählen, auf den Notstand der besonderen Art in Tschernobyl aufmerksam. Jetzt möchten sowohl der Verein als auch die Friseur-Innung den Kindern der Katastrophe von Tschernobyl mit einer Perücke ein Lächeln schenken. Weitere Infos gibt’s unter www.tschernobyl-hilfe-bocholt.com und der Friseur-Innung www.kh-borken.de/innung/friseur/borken.