Lokales

Popcorn ist kein Getreide

Freitag, 24. Juli 2020 - 09:00 Uhr

von Claudia Hieby

Foto: SYSTEM

So sah es an der Rekener Mühle im vergangenen Jahr bei der Extraschicht, einer Aktion der Musikschule Borken, aus.

Reken (hie). „Kinder kennen heutzutage nicht einmal mehr die heimischen Getreidearten“, sagt Georg Holthausen, der für die Betreuung der Mühle zuständige Ortsheimatpfleger. Wenn er jungen Besuchern die Mühle zeigt, kommen auf die Frage danach die abenteuerlichsten Antworten: von „Popcorn“ bis „Kartoffeln“.

Holthausen ist es eine Herzensangelegenheit, den Kindern zu erklären, wie ihre Vorfahren gelebt haben. Er kennt viele Gerätschaften, die heute an den Wänden der Mühle und auf dem Gelände präsentiert werden, noch aus seiner Kindheit vom Bauernhof seines Großvaters. Oder aus den Erzählungen der Eltern. „Wir haben keine Plastiktüten gehabt und auch keine Rucksäcke“, erklärt er. Dafür eine Kiepe - und die ist als Ausstellungsstück an der Wand zu sehen. Viele ältere Besucher erinnern sich auch selber noch an diese Zeit.

Hauptthema des 1972 eingerichteten Museums ist „vom Säen zum Ernten“. Die zum Thema passenden Gerätschaften und Werkzeuge sind in den letzten 50 Jahren in der Region zusammengetragen worden. Das Backhaus stammt zum Beispiel aus dem 18. Jahrhundert und wurde viele Jahre in einer Rekener Bauernschaft genutzt. Der „Museshoppen“, in dem früher Getreide gelagert wurde und in dem sich heute eine Bauernstube befindet, stand bis 1973 in der Bauernschaft Weskerhok.

„Wir bekommen immer noch schöne, interessante Sachen angeboten“, erzählt Georg Holthausen. Doch leider ist in dem Heimatmuseum dafür kein Platz mehr. Und Expansionspläne gibt es zurzeit nicht. Denn die unter Denkmalschutz befindliche Mühle befindet sich nicht im Besitz der Gemeinde, sondern wird seit dem Jahr 1969 von Familie Wiesweg („Hillenmöller“) gepachtet, der die Mühle seit 1879 gehört.

Der Heimatverein in Reken hat über 540 Mitglieder und kümmert sich neben der Mühle auch um das Haus Uphave, das Sakralmuseum und das Heimatarchiv. „Verbindung zur Heimat schaffen“, das ist den vielen Ehrenamtlern wichtig. „Damit wir uns hier wohlfühlen, unsere Wurzeln kennenlernen und uns ein Stück weit mit den Dingen identifizieren können.“

Das Heimatmuseum Alte Mühle ist bis Oktober sonntags von 14.30 bis 18 Uhr geöffnet. Auf Anfrage sind Führungen auch an anderen Tagen und zu anderen Uhrzeiten möglich. Seit einigen Jahren dient die Windmühle auch als Trauzimmer. Ansprechpartner dafür ist die Gemeinde.

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Maisingen und Maifest gehören zum Jahresprogramm an der Mühle.

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Ende der 60er: Die Mühle wird restauriert.

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Im Backhaus aus dem 18. Jahrhundert wird heute noch bei besonderen Gelegenheiten Brot gebacken.