Münsterland

Publikumsliebling ist zurück

Freitag, 17. Dezember 2021 - 09:00 Uhr

von Claudia Hieby

Foto: Achim Pohl

Nach mehrjährigen Restaurierungsarbeiten: Die Uhr im Chorumgang des St.-Paulus-Doms Münster funktioniert wieder.

Münster. Sie ist ein Publikumsliebling, rund 480 Jahre alt und präsentiert sich pünktlich vor Weihnachten in Bestform: Nach mehrjährigen Restaurierungsarbeiten ist die Astronomische Uhr vollständig zurück an ihrem Platz im Chorumgang des St.-Paulus-Doms Münster.

Die Sanierung lief seit 2017. Insgesamt hat sie rund 200.000 Euro gekostet. Es war die erste wissenschaftlich begleitete Maßnahme seit der Wiedereröffnung des Doms nach dem Zweiten Weltkrieg. Kunsthistoriker, Restauratoren und Spezialisten verschiedenster Disziplinen untersuchten zunächst die Malerei und das Uhrwerk und setzten dann die nötigen Schritte um.

Von 2017 bis 2018 setzten sie den oberen Teil der Uhr mit Astrolabium – einem astronomischen Messgerät – und dem Umgang der Figuren der Heiligen Drei Könige in Stand. Von 2019 bis 2021 war der untere Teil der Uhr dran, also das Kalenderblatt samt den Skulpturen des Paulus (Mitte) und des Herolds (an der Seite). Die im Durchmesser 1,5 Meter messende Scheibe wurde in mehreren Arbeitsschritten untersucht und bearbeitet. Jetzt setzte Diplom-Restauratorin Marita Schlüter das Kalenderblatt wieder ein. Damit endet ein komplexer und langjähriger Restaurierungsprozess, der jederzeit eng mit der städtischen Denkmalbehörde und dem LWL-Denkmalamt abgestimmt ablief.

Die Restaurierung bestätigte eine lang gehegte Vermutung der Fachleute: Die Monatsscheiben lassen sich in der Tat auch dem Künstler des Obergeschosses, Ludger tom Ring, zuweisen. Ein Wappen des Künstlers und die Jahreszahl 1540 konnte Schlüter in Detailarbeit freilegen.

„Die große Scheibe ist aus zweierlei Gründen so faszinierend“, führt Viktoria Weinebeck von der Domkammer aus: „Zum einen ist sie ein wahrer Datenschatz“. So ließen sich für die Zeit von 1540 bis 2071 unter anderem die Jahre, Tagesdaten und -heiligen ablesen. Aber auch die Wochentage und Osterfestdaten ließen sich bestimmen. Auch längst ungebräuchliche historische Bezeichnungen und Einteilungen könnten findige Beobachtende hier entdecken.

„Allerdings“, räumt Weinebeck ein, „die Osterdaten bis 2071 lassen sich anhand des Kalendariums nicht mehr korrekt bestimmen. Eine Kalenderreform ließ die Uhr in dieser Hinsicht nur wenige Jahrzehnte nach ihrer Entstehung schon wieder ungenau werden.“

Zum anderen habe die Restaurierung noch stärker hervorgebracht, von welch hoher Qualität die Monatsbilder seien, die ebenfalls Anteil haben an der Wirkung des Gesamtkunstwerkes. Dabei handelt es sich um zwölf kleine Scheiben mit einem Durchmesser von je 15 Zentimetern im inneren Kreis der Kalenderscheibe. Sie zeigen die für den jeweiligen Monat typischen Aktivitäten und Arbeiten in der Stadt und auf dem Land.

Foto: Achim Pohl

Die Uhr ist ein einzigartiges Gesamtkunstwerk.

Fotos: Bischöfliche Pressestelle / Achim Pohl