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Rose - Symbol für den Jakobsweg

Freitag, 20. November 2020 - 09:00 Uhr

von Ruth Meyer

Foto: SYSTEM

Die spanische Pilgerrose Castell d’Alaquàs am Jakobsweg. Foto: privat

Münsterland/Borken (rm). Der Mediziner und Biologe Dr. Norman Sinclair La Rosa, gebürtig aus Venezuela und seit vielen Jahrzehnten im Münsterland heimisch, ist leidenschaftlicher Jakobswegpilger. Fast 5.000 Kilometer hat er zwischen 2010 und 2014 auf der wohl bekanntesten Pilgerroute der Welt zurückgelegt. Auch wenn Dr. Sinclair nicht gerade pilgernd unterwegs ist, beschäftigt ihn das Thema in vielfältiger Weise.

So hatte er die Idee, entlang des Jakobsweges zwischen Osnabrück und Münster an möglichst vielen Stationen eine besondere Rose zu pflanzen. Es ist eine rot blühende Sorte, die Rosa Castell d’Alaquàs von der Züchterin Matilde Ferrer im spanischen Valencia. Die gebürtig aus Alaquàs stammende Züchterin gab der Edelrose den Namen Castell d’Alaquàs und widmete sie 2018 dem Palacio Castell de Alaquàs zum Jubiläum. Der Palacio war 100 Jahre zuvor zum „Monumento Histórico y Artístico Nacional“ (Nationales kunsthistorisches Denkmal) deklariert worden und konnte so vor dem Verfall gerettet werden.

Als Rosenexperte war Norman Sinclair auf diese Sorte aufmerksam geworden und besuchte die Rosenzüchterin in Valencia, wo sie einen traditionsreichen und international anerkannten Rosenzuchtbetrieb führt. Die Farbe und Form der Castell d’Alaquàs Rose faszinierte ihn. Sie sei einfach und schön, mit einem zarten Duft. „Die Rose hat einen besonderen Charakter“, erklärt Norman Sinclair. Sie ist eine Hybridzüchtung – die Mutter stammt aus Sevilla, der Vater aus Kalifornien. Das Ergebnis ist eine starke Rose – sie ist robust, wächst alleine und benötigt keine Pflege. Sie blüht fast das ganze Jahr. Außerdem ist sie ökologisch interessant, denn ihre großen, auffallend gelben Staubgefäße ziehen Bienen an. Vier Exemplare hatte der Rosenliebhaber und Jakobs-pilger damals erworben. Noch unterwegs mit dem Auto kam die Idee, sie gleich an verschiedenen Stationen entlang des spanischen Jakobsweges einzupflanzen. Die erste Rose setzte er an eine Kirche in der Nähe von Segovia. „Die Menschen vor Ort waren berührt und dankbar“, sagte Norman Sinclair. Das veranlasste ihn, die Idee mit nach Hause zu nehmen und es reifte der Gedanke, den Jakobsweg von Osnabrück nach Münster mit dieser Rosensorte auszustatten. „Die Rose könnte ein Symbol für den Jakobsweg werden“, wünscht sich der Jakobspilger. Die Blume der Liebe entlang des Jakobsweges.

Im Sommer 2019 nahm Dr. Sinclair Kontakt mit der Altertumskommission beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Münster auf und berichtete von seiner Idee, eine spanische Rose entlang des Jakobsweges im Münsterland zu pflanzen . Er wurde zum Workshop der Kommission „Wege der Jakobspilger in Westfalen“ eingeladen und referierte dort über die Rose und seinen Wunsch, sie an Pilgerstationen zu pflanzen. Der LWL war sehr interessiert und unterstützt nun sein Vorhaben.

Die Durchführung der Aktionen sei nicht immer ganz einfach. Die Corona-Krise, erzählt Norman Sinclair, mache den Transport der Rosenstöcke aus Spanien nach Deutschland momentan zu einer etwas langwierigen Angelegenheit. „Es kann vier bis fünf Wochen dauern.“ Auch holt sich Norman Sinclair, als Organisator und Durchführer der Pflanzaktionen, vorab das Einverständnis von Stadt, Kirche oder Pilgerstationen.

Die erste Rose in Deutschland pflanzte Norman Sinclair im Sommer 2020 an der Stadtkirche in Lengerich. Hier führt nicht nur der Jakobsweg entlang, sondern auch die Friedensroute, ein historischer Weg auf dem die Friedensreiter während des Dreißigjährigen Krieges Nachrichten austauschten zwischen den Städten Münster und Osnabrück , die um das Ende des Krieges rangen. In Lengerich fanden die Vorverhandlungen für den Friedensabschluss 1645 statt, das „Lengericher Conclusum“, das auch einer der Grundpfeiler für den Zusammenschluss der Vereinten Nationen ist. Passend zum 375-jährigen Jubiläum dieser Verhandlung erhielt die Rose ihren Platz an der Kirche. Mittlerweile hat Norman Sinclair Castell d’Alaquàs Rosen bereits an mehreren Pilgerstationen entlang des Jakobsweges von Osnabrück bis Münster gepflanzt sowie in Meschede-Remblinghausen. „Es wird eine echte Pilgerrose. Und dieser Name setzt sich allmählich durch“, sagt Norman Sinclair stolz.

Im September 2020 nahm der Rosenexperte erneut am Workshop der LWL-Altertumskommission teil, wo Vertretungen aus Wandervereinen, Herbergen, gemeinnützigen Initiativen und Pilger anwesend waren. Dr. Norman Sinclair referierte über die spanische Rose und seine ersten Pflanzungen entlang des Jakobsweges. Schwester M. Hanna Lucia Hechinger vom Provinzhaus der Schönstätter Marienschwestern in Borken präsentierte dort das deutschlandweite Pilgerwegenetz der Schönstatt-Bewegung und das Herbergsangebot des Hauses auch für die Jakobspilger. So entstanden Kontakt und Idee, an der Kapelle am Schönstatthaus die Pilgerrose zu pflanzen.

Die Altertumskommission und Dr. Sinclair hoffen, dass sich noch viele Interessierte finden, die diese Rose entlang der insgesamt rund 1.000 Kilometer Jakobspilgerwege in Westfalen pflanzen möchten und so die Wege um eine Besonderheit bereichern.