Jürgen Grunden und Ute Böing bildeten im Jahr des WM-Sommermärchens 2006 das Königspaar.
Gemen. Wenn in Gemen das Schützenfest gefeiert wird, geht es längst nicht nur um Musik, Umzüge und gesellige Stunden. Für den Bürgerschützenverein ist das Fest auch Ausdruck eines Selbstverständnisses, das in der heutigen Zeit wieder stärker in den Fokus rückt: Gemeinschaft, Verlässlichkeit und gelebte Tradition.
Die gesellschaftliche Stimmung gilt vielerorts als angespannt. Öffentliche Debatten verlaufen oft polarisiert, Positionen stehen sich unversöhnlich gegenüber. In diesem Umfeld gewinnen Orte an Bedeutung, die Austausch und Zusammenhalt ermöglichen. Schützenvereine sehen sich dabei als Teil dieser gesellschaftlichen Mitte.
Gleichzeitig stehen sie immer wieder im Spannungsfeld unterschiedlicher Erwartungen. Kritiker reduzieren das Schützenwesen mitunter auf das Feiern, während andere tiefgreifende strukturelle Veränderungen einfordern. Der Bürgerschützenverein Gemen verweist dagegen auf die gewachsene Struktur des Vereinslebens, das sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte entwickelt hat.
Dabei wird Tradition nicht als starres Konstrukt verstanden, sondern als Prozess, der Veränderungen zulässt – jedoch nicht beliebig, sondern im Einklang mit den eigenen Werten. Vielfalt zwischen den Vereinen, so die Auffassung, sei dabei wichtiger als eine einheitliche Ausrichtung aller.
Auch die Symbolik des Schützenwesens wird immer wieder diskutiert. Aus Sicht der Vereine steht sie vor allem für Zusammenhalt und gemeinschaftliches Handeln.
Historisch gewachsene Formen und Zeichen seien Ausdruck von Identität und Erinnerung, nicht von Abgrenzung.
Wie sich diese Gemeinschaft konkret zeigt, wird insbesondere an den Festtagen sichtbar: Menschen unterschiedlicher Generationen, Berufe und Lebenswege kommen zusammen. Das Schützenfest wird so zu einem Ort der Begegnung, der weit über das eigentliche Festgeschehen hinausreicht.
Die Throngemeinschaft 2016 von Ralf Häling und Alisha Geers war geprägt von Offizieren des Bürgerschützenvereins Gemen.
Vor 100 Jahren saßen Bernhard Vaalbrock und Minna Brandt auf dem Thron in Gemen. Kirmes auf dem Kalverkamp Wenn der Duft gebrannter Mandeln über den Kalverkamp zieht, Karussells ihre Runden drehen und sich die Wege mit Besuchern füllen, zeigt sich Gemen von seiner lebendigsten Seite. Die Kirmes ist seit vielen Jahren ein fester und beliebter Bestandteil des Schützenfestes und prägt die besondere Atmosphäre der Festtage. Viele Besucher kommen gezielt wegen der Mischung aus Tradition und Volksfest, die in Gemen eng miteinander verbunden ist. Der Kalverkamp bietet dafür den passenden Rahmen: groß genug für mehrere Fahrgeschäfte, zugleich überschaubar und mit familiärem Charakter. Eine Besonderheit liegt hinter den Kulissen. Anders als in vielen Städten wird die Kirmes nicht von der Kommune organisiert, sondern vom Bürgerschützenverein Gemen selbst. Dahinter steckt ein erheblicher ehrenamtlicher Einsatz. Über Monate hinweg kümmern sich die Verantwortlichen um Verträge mit Schaustellern, Planung der Standflächen, Versorgung mit Strom und Wasser sowie um Sicherheits- und Verkehrsfragen. Trotz der Konkurrenz großer Veranstaltungen wie der Cranger Kirmes gelingt es immer wieder, attraktive Fahrgeschäfte und neue Angebote nach Gemen zu holen. Dabei profitieren die Organisatoren von gewachsenen Kontakten – und von einem Publikum, das die besondere Atmosphäre zu schätzen weiß.