Lokales

So geht Unfallprävention

Freitag, 27. Mai 2022 - 10:00 Uhr

von Claudia Hieby

Foto: SYSTEM

Stopp am Ludgeriturm: Die 125er Gruppe aus Borken lernt nach der Begrüßung, wie man einem gestürzten Motorradfahrer den Helm abnimmt.

Borken. „Heute dürft Ihr die Polizei Duzen!“ Mit diesem Satz wurde die Biker-Gruppe aus Borken am Longinusturm begrüßt, einer der spannenden Stationen auf der „PoliTour“ am 22. Mai. Mit einem gemeinsamen Aktionstag haben die Polizeibehörden Recklinghausen, Coesfeld und Borken dabei an das Verantwortungsbewusstsein von Motorradfahrerinnen und Motorradfahrern appelliert – nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern auf Augenhöhe und mit dem Ziel, die Bikerinnen und Biker in Kurzvorträgen für die Gefahren ihres Hobbys zu sensibilisieren und die Zahl der Unfälle in Zukunft weiter zu minimieren. Begleitet wurden die sechs Gruppen von Motorradpolizisten sowie erfahrenen Motorradfahrerinnen und -fahrern des Vereins Vereinigte Motorradstaffeln sowie der Blue Knights Münsterland - Motorradclubs, die der Polizei nahestehen.

Erstmals dabei war eine Gruppe von Fahranfängern mit 125ccm-Motorrädern und ihren Fahrlehrern aus Borken. Zum Beispiel der 17-jährige Tjark aus Ramsdorf und der 46-jährige Marco aus Borken, der erst seit sechs Wochen den Motorrad-Führerschein hat. Oder Lucas und Svenja, die an diesem Tag gemeinsam auf einem Motorrad sitzen. Alle fühlten sich in der Anfängergruppe gut aufgehoben. „Eine tolle Aktion der Polizei“, finden sie, die ganz sicher Auswirkungen auf ihren Fahrstil als Biker und die Einstellung zum Motorradfahren hat. Auch Fahrlehrer Rainer Jansen in de Wal, der die 125-Gruppe initiiert hatte, lobte: „Das war eine sehr durchdachte Tour, mit den vielen informativen Stationen sehr wertvoll für Fahranfänger, aber auch für alte Hasen.“

Ein Notarzt informierte die Biker zum Beispiel in der Polizeiunterkunft in Recklinghausen über typische und folgenschwere Verletzungen bei Motorradunfällen, warb für eine vorsichtige und vorausschauende Fahrweise und die richtige Schutzkleidung. Am Longinusturm in Nottuln zeigte das Deutsche Rote Kreuz die wichtigsten Handgriffe der Ersten Hilfe nach Motorradunfällen. Die Teilnehmenden konnten unter anderem üben, wie man einem gestürzten Biker richtig den Helm abnimmt. An weiteren Stationen ging es um das Thema Drogen und die Medizinisch-Psychologische-Untersuchung - kurz MPU - sowie um Geschwindigkeitsmessung.

Zum Schluss trafen sich alle 125 teilnehmenden Bikerinnen und Biker plus Motorradpolizisten und Begleitfahrer auf dem ADAC-Gelände in Recklinghausen. ADAC-Mitarbeiter demonstrierten auf Krädern bei Bremstests, wie sich der Anhalteweg bei höheren Geschwindigkeiten verlängert. Wie wichtig sichere Motorradkleidung ist, wurde bei einem sogenannten Schleiftest demonstriert. Ein Biker, der eine Jeansjacke über Motorradkleidung trug, ließ sich an einem Seil hängend von einem Motorrad über den Asphalt schleifen. Die Jeansjacke hing ihm nach wenigen Metern in Fetzen von der Schulter, die Motorradjacke darunter blieb heil.

Am 19. Juni gibt es eine zweite – restlos ausgebuchte – PoliTour, und dann erst wieder im kommenden Jahr.

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Ein Unfallchirurg erklärt die speziellen Verletzungsmuster bei Zweiradfahrern und plädiert eindringlich für eine vorausschauende Fahrweise.

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Abschlussfoto und eine spannende Vorführung zum Thema Bremsweg und richtiger Schutzbekleidung auf dem ADAC-Gelände in Recklinghausen.