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Vom Barock bis zu Illusionen aus fernen Ländern

Freitag, 27. Dezember 2019 - 09:00 Uhr

von Claudia Hieby

Foto: The Samuel Courtauld Trust

Van Goghs „Selbstporträt mit verbundenem Ohr“ ist in der Ausstellung „Das Porträt und die Frage nach der Realität“ in Amsterdam zu sehen. Foto: The Courtauld Gallery, London

Niederlande (hie). Die niederländischen Museen begeistern in den kommenden Monaten wieder mit außergewöhnlichen Ausstellungen. Eine Übersicht:

Mauritshuis Den Haag:

Die Anatomie der Pferde

George Stubbs (1724-1806) war nicht nur Maler und Kupferstecher, sondern auch studierter Anatom. Schon früh war der Brite beruflich mit der Untersuchung und Abbildung von Pferdekörpern beschäftigt. Weil er seine multiplen Talente miteinander zu verknüpfen wusste, ist Stubbs zu einem der bedeutendsten Tiermaler seiner Zeit aufgestiegen. Sogar die britischen Premierminister des 18. Jh. gaben Bilder bei ihm in Auftrag. Anlass genug für das Mauritshuis, sich einmal intensiv mit dem Phänomen zu beschäftigen: Ab dem 20. Februar 2020 zeigt die Königliche Gemäldegalerie der Niederlande unter dem Titel „Ein Mann, ein Pferd, eine Obsession“ eine Stubbs gewidmete Ausstellung. Zu sehen sind neben 13 Gemälden auch zehn anatomische Zeichnungen sowie das Skelett des berühmten Rennpferdes Eclipse.

Kröller-Müller-Museum:

Tiger unter Beschuss

Der Nationalpark Hoge Veluwe ist unterdessen zu einer Bühne für die vom Aussterben bedrohten Tiger geworden. Noch bis zum 20. April 2020 ist im Kröller-Müller-Museum die raumfüllende Installation „Inopportune: stage two“ von Cai Guo-Qiang zu sehen. Diese besteht aus neun lebensgroßen Raubkatzen, die sich dem Beschuss durch eine kaum zu erfassende Vielzahl von Pfeilen ausgesetzt sehen, um in verschiedenen Körperhaltungen in Todesangst zu verharren. Mit seiner Installation ruft der 1957 geborene Chinese beim Betrachter ein fast schon physisches Unbehagen hervor, das unwillkürlich zu einer Auseinandersetzung mit dominierenden Themen unserer Zeit animiert: Gewalt und Umweltzerstörung.

Mondriaanhuis Amersfoort:

Kunst im Quadrat

Das Mondrianhaus in Amersfoort feiert in diesem Jahr den 25. Jahrestag seines Bestehens. Dies hat das Geburtshaus von Piet Mondrian (1872-1944) zum Anlass für einen besonderen Auftrag genommen: 25 zeitgenössische Künstler wurden gebeten, auf ihre Weise in den Dialog mit dem Oeuvre des stilprägenden Malers zu treten. Thematisch waren die Teilnehmer nicht festgelegt, allerdings galt für alle die Erfüllung der Vorgabe, dass das Werk exakt 25 mal 25 Zentimeter groß sein musste.

Van Gogh Museum Amsterdam: Das Porträt und die Frage nach der Realität

Die Vermischung von Realität und Fiktion ist eines der großen Themen unserer Zeit. Doch bereits die tonangebenden Maler der fortschreitenden Moderne haben sich mit der Frage befasst, wie sie die Welt um sich herum abbilden. Das beweist das Van Gogh Museum ab dem 21. Februar mit der Ausstellung „In the Picture“, in deren Mittelpunkt Porträts und Selbstporträts unter anderem von Vincent van Gogh, Edvard Munch, Francis Bacon oder Helene Schjerfbeck stehen.

Museum Escher in het Paleis: Illusionen aus fernen Ländern und Gedankenwelten

Maurits Cornelis Escher (1898-1972) hat das Spiel mit Formen und Illusionen auf einmalige Weise perfektioniert. In Den Haaag ist dem Grafiker ein Museum gewidmet, das immer noch zu den am besten gehüteten Geheimnissen der niederländischen Kunstlandschaft gehört. Bis zum 9. Februar werden dort Arbeiten des kanadischen Bildhauers und Architekten David Umemoto gezeigt. Die Miniaturen des 1975 geborenen Künstlers wirken wie temporäre Gebäude, die in einem weit entfernten Land stehen. Somit erzeugen sie ganz ähnliche Assoziationen, wie das Oeuvre Eschers. Stoff für eine spannende Reise der Gedanken.

Rijksmuseum Amsterdam:

Von der Eleganz zur Emotion

Das beginnende 17. Jh. gerät in der italienischen Kunstszene zu einer Zeitenwende: Zunächst ist es dem Maler Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571-1610) vorbehalten, die Motive seiner Bilder auf bislang ungekannt realistische Weise darzustellen. Dabei bedient er sich kräftiger Licht- und Schatteneffekte. Wenig später gelingt es Gian Lorenzo Bernini (1598-1680), dem Genre der Bildhauerei ähnlich neue Impulse zu verleihen. Beide Künstler waren in Rom beheimatet, als sie die Kunstszene mit einem ebenso dramatischen wie effektvollen und emotionalen Stil aufmischten. Erst sehr viel später fand diese Ausdrucksform auch in vielen anderen Teilen Europas Anklang. Sie sollte als Barock in die Kunstgeschichte eingehen.

In einer groß angelegten Ausstellung widmet sich das Rijksmuseum ab dem 14. Februar unter dem Titel „Caravaggio. Bernini. Barock in Rom“ diesem Phänomen. Zu den Highlights gehört die „Dornenkrönung“ Caravaggios, die sonst im Kunsthistorischen Museum in Wien zu sehen ist.

Weitere Informationen zu Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und Terminen gibt es unter www.holland.com/highlights

Foto: SYSTEM

Als Leihgabe der Kapitolinischen Museen, Rom, ist die „Medusa“ von Giovanni Lorenzo Bernini in einer großen Barock-Ausstellung im Rijksmuseum ausgestellt.

Foto: SYSTEM

Um „Gewalt und Umwelt“ geht es in der Installation „Inopportune Stage two“ von Cai Guo-Qiang im Kröller-Müller-Museum.Foto: Marjon Gemmeke.


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