Lokales

„Wir sind da, um zu helfen“

Freitag, 19. Februar 2021 - 09:51 Uhr

von Claudia Hieby

Foto: SYSTEM

Hilfesuchende können sich bei allen Problemen an Johanna Stroick (l.) von der Caritas oder Birgit Menslage-Blum von der Diakonie/Tafel wenden. Foto: hie

Borken. Die Schließung von Geschäften und Restaurants trifft viele Menschen hart. Mitarbeiter stehen vor existenziellen Fragen. Wer eine Festanstellung hat, bekommt immerhin Kurzarbeitergeld, andere nicht mal das. „Viele dieser Menschen, die jetzt in finanzielle Not geraten, wissen gar nicht, wo sie Hilfe bekommen können“, sagt Johanna Stroick. Sie leitet die Allgemeine Sozialberatung bei der Caritas. Eine der ersten Stellen, an die sich Hilfesuchende wenden können. „Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Hilfesuchenden steigt, denn viele Menschen haben in den vergangenen Monaten ihr Erspartes aufgebraucht“, sagt die Sozialpädagogin.

Die Folgen des Lockdowns treffen nun auch Menschen, die nie Kontakt zu Hilfsdiensten hatten. Familien, bei denen auf einmal ein Einkommen fehlt, Alleinerziehende mit mehreren Jobs, die praktisch weggefallen sind. „Das sind häufig Menschen, die ohne weiteres gar nicht zu uns finden“, hat auch Gudrun Weber von der Gemeindecaritas beobachtet. Scham spielt dabei eine Rolle, auch der Antrieb, es irgendwie selbst zu schaffen. „Genau für solche Fälle gibt es unser Angebot“, sagt Johanna Stroick. „Ich bin häufig Vermittlungsstelle, um zu zeigen, welche Möglichkeiten der Hilfe es gibt.“ Das reiche dann vom Wohngeldantrag über die Schuldnerberatung bis zur Tafel. Die Bandbreite der Hilfen für alle möglichen Lebenslagen sei groß, erklärt Stroick.

„Die Anfragen sind zuletzt gestiegen“, sagt Birgit Menslage-Blum, bei der Diakonie für die Tafel zuständig. „Wir haben vermehrt Kunden, bei denen in der Familie jetzt ein Einkommen wegfällt“, berichtet sie. Tafel, das klingt für viele Menschen abschreckend. Tatsächlich sei die Tafel aber eine hervorragende Gelegenheit, um bei knapper Kasse weiterhin eine ausgewogene Ernährung für sich und die Familie zu gewährleisten.

Mit den finanziellen Problemen gehen nicht selten psychische einher. „Ich habe viele Anfragen, bei denen Eltern einfach nicht mehr können“, sagt Johanna Stroick. „Und da tut es manchmal gut, mal mit einer Person zu reden, die einen neutralen Blick auf die Situation wirft“, weiß auch Gudrun Weber. Es falle mitunter leichter, mit einer Expertin zu sprechen, als sich einer Freundin oder in der Familie zu offenbaren. Die Scheu ablegen, das sei der erste Schritt, sagt Birgit Menslage-Blum. „Wir sind ja schließlich da, um zu helfen“, sagt sie.

Die Sozialberatung der Caritas ist per E-Mail unter sozialberatung@caritas-borken.de oder telefonisch unter 02861/945-712 zu erreichen, die Diakonie/Tafel per E-Mail an menslage-blum@dw-st.de oder unter 02861/903554.