Lokales

200 Sauen fühlen sich auf dem Hof Nienhaus in Raesfeld sauwohl

09.07.2026

Alexander Nienhaus (30) aus Raesfeld mit Mutter Annette, die immer kräftig mit anpackt, vor dem Sauenstall: Wird der Jungbauer „Landwirt des Jahres“?

Alexander Nienhaus (30) aus Raesfeld mit Mutter Annette, die immer kräftig mit anpackt, vor dem Sauenstall: Wird der Jungbauer „Landwirt des Jahres“?

© Horst Andresen

Von Horst Andresen

Raesfeld. Landwirt Alexander Nienhaus (30) aus Raesfeld mit seinem Hof an der Löchter Kämpe hat durchaus Chancen, „Landwirt des Jahres“ zu werden – mit neuen Ideen, die auch eine Jury des veranstaltendes Deutschen Landwirtschaftsverlages, Hannover, für gut befand.

Die Auszeichnung für den jährlich bundesweit vergebenen, hochanerkannten und mit 20.000 Euro Preisgeld dekorierten Titel („Ceres Award“) erfolgt im Oktober in Berlin. Bis dahin bleibt es spannend. Bundesweit gibt es jährlich etwa 250 Bewerber. In sieben Kategorien werden zudem Einzelpreise von jeweils 1000 Euro vergeben.

Nach der Übernahme des Hofes vor einigen Jahren von seinem Vater, der zuletzt im Nebenerwerb tätig war, hat der 30-Jährige quasi alles auf den Kopf gestellt. Heute fühlen sich 200 Sauen im Auslauf auf Stroh buchstäblich sauwohl, und jährlich werden rund 6000 Ferkel zu einem „annehmbaren Preis“ verkauft, wie Nienhaus feststellt.

Nach dem Abschluss 2018 an der Borkener Landwirtschaftsschule als staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt pachtete der Sohn von seinem Vater den Schweinezuchtbetrieb. Und machte sich fortan Gedanken, wie der ehemals kleinere, 1936 gegründete Hof auf Dauer gewinnbringend ausgebaut werden könne – nach neuer, nachhaltiger und marktgerechter Haltungsform.

Nienhaus stellte 2020 nach Neuland-Richtlinien um (siehe Info-Kasten rechts).

Der Ferkelstall wurde mit Strohausläufen erweitert. Und „nach reiflicher, jahrelanger Überlegung“ (Nienhaus) erfolgte 2025 der Bau eines neuen Sauenstalls mit allen Raffinessen. „Mein Ziel war es, für einen neuen Stall keine weitere Schubkarre kaufen zu müssen“, sagt der Landwirt. Das gelang. Die IBO-Stalltechnik GmbH, ebenfalls aus Raesfeld (Motto: „Wer Schwein hat, kennt IBO“), erstellte die Stalleinrichtung. Das neue Gebäude m isst 30 mal 70 Meter, ein Drittel eines Fußballplatzes.

Nienhaus investierte mit Fördergeldern zwei Millionen Euro. Und baut heute wie damals auf Verlässlichkeit der politischen Rahmenbedingungen, die es der Landwirtschaft generell in den vergangenen Jahren schwer gemacht habe.

Heutzutage kommen viele Besucher und Schulklassen, um zu gucken und sich über die neuen Aufzuchtformen zu informieren.

Und eine Jury inspizierte den Hof von Alexander Nienhaus. Er hatte sich für den Wettbewerb beworben und wurde für gut befunden, in die engere Auswahl der Kategorie „Schwein“ genommen zu werden – unter etwa 30 Konkurrenten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und Belgien.

„Wir haben ausgefiltert, und es werden drei Betriebe geprüft aus der Creme de la Creme, die sich beworben hat“, sagte bei der Ortsbesichtigung Uwe Bräunig, Mitglied der dreiköpfigen Jury. Die durfte nicht zu viel verraten. Dennoch: „Der Eindruck ist sehr gut“, betonte Jurymitglied Melanie Windmann: „Herr Nienhaus ist ein motivierter, junger Landwirt.“ Wer sein Stück Fleisch an der Ladentheke vom Hof Nienhaus kaufe, könne guten Gewissens sagen: „Hier ist mein Schnitzel groß geworden.“

Alles Gute kommt von oben – und das Stroh aus der Decke.

Alles Gute kommt von oben – und das Stroh aus der Decke.

© Paul Popanda

Wohlfühlcharakter: 6000 Ferkel verlassen jährlich den Hof Nienhaus.

Wohlfühlcharakter: 6000 Ferkel verlassen jährlich den Hof Nienhaus.

© Paul Popanda