Lokales

Begegnung mit Kunst übt Offenheit

08.08.2026

Mit Fotokunst und Malerei stellt Markus Schönherr die Verletzlichkeit von Mensch und Natur in unterschiedlichen Situationen dar. Foto: pd

Mit Fotokunst und Malerei stellt Markus Schönherr die Verletzlichkeit von Mensch und Natur in unterschiedlichen Situationen dar. Foto: pd

Borken. Fotografie ist seine Leidenschaft. Natur und Menschen sind seine Motive, Kreativität und künstlerische Experimentierfreude sein Antrieb. Dabei verbindet der Borkener Künstler Markus Schönherr zwei scheinbar gegensätzliche Bildwelten: die digitale Fotografie und die klassisch-analoge Malerei auf Papier. Nach seiner Ausstellung „Pixel und Pigmente“ in den Räumen des Kunstvereins Borken im Frühjahr 2026 präsentiert er seine Werke nun vom 9. bis 30. August in der Kulturwerkstatt in Dülmen.

Schönherr stieg noch im analogen Zeitalter in die Fotografie ein. Als Redakteur bei der Borkener Zeitung machte er im Laufe von 16 Jahren tausende journalistische Fotos und verarbeitete sie in seinen Texten. „Es sind dokumentarische Fotos, die genau das abbilden, was man sieht. Was mich jedoch reizte war, fotografisch zu experimentieren, das Motiv anders darzustellen“, erzählt Schönherr. So begann er 2008 mit der künstlerischen Fotografie und entwickelte sich in diesem Bereich weiter. Zunächst war es jahrelang sein Hobby, nun hat er es zu seinem Beruf gemacht. Seine erste Ausstellung eröffnete der Künstler im Landgericht Münster im Jahr 2025.

Schönherr verwendet für seine Fotokunst verschiedene Techniken. „Sie helfen mir dabei, tiefer in das Motiv vorzudringen.“ Unter anderem nutzt er die ICM-Technik (Intentional Camera Movement), ein kreatives Spiel mit langer Belichtungszeit und bewusster Kamerabewegung. Mit Absicht entstehen dadurch unscharfe Fotos, die zart und mystisch wirken. Farben und Konturen vermischen sich dabei zu abstrakten Bildern. Einige Fotos hat der Künstler mit fließenden Aquarellfarben ergänzt, sodass die dargestellten Menschen fast transparent wirken. „Das künstlerische Fotografieren ermöglicht es mir, das Fotomotiv mal anders zu zeigen oder es in einen anderen Zusammenhang zu bringen, um den Betrachtern neue Sichtweisen und Raum für eigene Interpretation zu bieten“, erklärt Schönherr. Dabei nimmt er auch aktuelle gesellschaftliche Themen in seinen Kunstwerken auf, drückt eigene Erlebnisse und Gedanken aus, erzählt Geschichten mit seinen Bildern.

Die Natur würdigt der Künstler in besonderer Weise. Fotos von Bäumen verwandelt er in Kunstwerke, indem er die Bäume fotografiert, freistellt und ihnen mit Aquarellfarben ein Wurzelwerk malt, das im Alltag nicht sichtbar ist. Die Bäume sind nicht einfach nur da, sondern mit ihrem Standort verwurzelt, wie die 1000-jährige Femeiche in Erle, die Schönherr als Kunstwerk dargestellt hat.

Mit vertikalen Panoramabildern, aufgenommen durch vertikale Bewegung der Kamera über den Kopf, verbindet der Künstler zwei Motive – die pure Natur auf der einen Seite und der Eingriff des Menschen in die Natur auf der anderen Seite. Der Fliegerberg einerseits und der Hendrik-de-Wynen Gewerbepark andererseits ist ein solches in Borken aufgenommenes Motiv.

Bei seiner Serie „Falter“ hat Schönherr Bäume mit ihren Spiegelungen im Wasser fotografiert, unter anderem einen Angelteich in Marbeck, und die Fotos vertikal aufgehängt. So rufen die Bilder bei den Betrachtern ganz unterschiedliche Deutungen hervor. Damit möchte er einen neuen Blick auf die Natur ermöglichen.

Menschen, fotografiert mit der ICM-Technik, stellt der Künstler in verschiedenen Situationen dar. Ein Bild zeigt zum Beispiel eine Menschenmenge, an beiden Seiten des Bildes ist ein schmaler, brauner Vorhang gemalt - ein subtiler Hinweis auf die aktuelle politische Situation. Auf anderen Bildern sind mehrere Menschen dargestellt, überzogen mit einem transparenten Schleier aus Aquarellfarbe der einem Trichter ähnelt. „Es soll die Blasen präsentieren, in denen sich gleichgesinnte Menschen bewegen. Die Blasen sind nach oben hin offen“, erklärt Schönherr.

Kunst fordert den Betrachter heraus. „Er kann sie mögen oder ablehnen, aber sie löst immer eine Reaktion aus“, so Schönherrr. „Meine Bilder sollen dazu anregen, offen für neue Sichtweisen zu sein.“

Wer die Ausstellung in Borken verpasst hat, weitere Bilder des Künstlers sehen oder mit ihm ins Gespräch kommen möchte, ist in der Ausstellung in Dülmen herzlich willkommen. Der Künstler ist mittwochs bis samstags von 15 bis 18.30 Uhr vor Ort in der Kulturwerkstatt in der Overbergpassage. Sonntag, 9. August., 11 Uhr, ist Eröffnung mit Erläuterungen des Künstlers. von Ruth Meyer