Lokales

Erste Hilfe für die Seele

14.05.2021

Notfallseelsorgerin Maria Ketteler-Droste aus Reken und Diakon Robert Wobbe, der für die Notfallseelsorge im Kreis Borken zuständig ist. Foto: hie

Notfallseelsorgerin Maria Ketteler-Droste aus Reken und Diakon Robert Wobbe, der für die Notfallseelsorge im Kreis Borken zuständig ist. Foto: hie

© SYSTEM

Kreis Borken (hie). Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen, wenn man ehrenamtlich als Notfallseelsorger oder Notfallseelsorgerin arbeiten möchte? „In erster Linie empathisch sein und gut zuhören können“, sagt Maria Ketteler-Droste aus Reken. Die gelernte Gärtnermeisterin hat vor zwei Jahren an der Ausbildung teilgenommen und inzwischen erste Erfahrungen bei eigenen ehrenamtlichen Einsätzen als Notfallseelsorgerin gesammelt.

„Wenn das Telefon klingelt, ist das im ersten Moment immer eine Stress-
situation für mich“, sagt sie. Denn sie weiß nie in welcher Situation sie gleich im Einsatz sein wird.

Doch zum Glück wurde sie gut ausgebildet und hat jederzeit die Möglichkeit, mit Kollegen und den Notfallkoordinatoren über ihre Erlebnisse zu sprechen.

Im Oktober startet die nächste Ausbildungsgruppe zum Notfallseelsorger oder zur Notfallseelsorgerin.

Borken (hie). Stellen Sie sich vor: Ein naher Angehöriger ist plötzliche bei einem Unfall gestorben, die Polizei hat Ihnen die schreckliche Nachricht gebracht, und Ihre Welt wird von einer Sekunde zur nächsten aus den Angeln gehoben. Dann ist es gut, wenn es einen Notfallseelsorger gibt, der Ihnen in der ersten Phase des Schreckens zur Seite steht.

Wie zum Beispiel Maria Ketteler-Droste aus Reken. Sie wird im Notfall von den Einsatzkräften der Polizei, der Feuerwehr oder dem Rettungsdienst alarmiert und ist in einer Akutsituation für die Menschen da.

„Manchmal ist es wichtig, in all dem Chaos einen ruhigen Ort zu finden, um die Situation zu entschleunigen und überhaupt erst einmal zu erfassen“, erzählt sie. Oder dabei zu helfen, weitere Angehörige, Freunde oder Nachbarn zu informieren und einen kühlen Kopf zu bewahren.

Hauptaufgabe sei es, gut zuzuhören, eine Beziehung zu dem Menschen in Not aufzubauen und ihm die nötige Zeit zu schenken. Denn Rettungsdienste und Polizei sind nach einem Einsatz schnell wieder weg, Notfallseelsorger bleiben solange es nötig ist. „Unsere Aufgabe ist die Akutsituation“, erklärt Diakon Robert Wobbe, der die Notfallseelsorge im Kreis Borken koordiniert und zusammen mit Pfarrerin Alexandra Hippchen und weiteren Kollegen auch für die Ausbildung der Notfallseelsorger zuständig ist. „Für alles andere sind dann später die Familie, Nachbarn, Freunde, Netzwerke oder andere Hilfsorganisationen zuständig.“

Für Maria Kettler-Droste ist die Arbeit als Notfallseelsorgerin ein sehr erfüllendes Ehrenamt. „Ich habe eine Aufgabe gesucht und gefunden, bei der ich den Menschen wirklich helfen kann, “ sagt sie. Ihr erster Kontakt zur Notfallseelsorge war ein Zeitungsartikel, der sie sofort fasziniert und angesprochen hat. Trotzdem dauerte es noch zwei Jahre bis sie sich zur Ausbildung gemeldet hat und auch wirklich angenommen wurde.

„Persönliche Voraussetzungen für die Arbeit als Notfallseelsorger sind Empathie, Kommunikationsstärke, Verlässlichkeit, Verantwortungsgefühl und eine gewisse Rationalität“, sagt Pfarrerin Alexandra Hippchen, Koordinatorin der Notfallseelsorge im Münsterland. „Es geht darum, Strukturen zu schaffen und den Betroffenen Orientierung zu bieten – ohne sich von den Emotionen anstecken zu lassen.“

Der Grundlagenkurs, der im Herbst startet, richtet sich an interessierte Menschen, die sich eine Mitarbeit im Team der Notfallseelsorge im Münsterland vorstellen können. Bestandteil des Kurses sind unter anderem eine Einführung in die Technik der Gesprächsführung, Grundlagen der Psychotraumatologie, Frustrane Reanimation, der Umgang mit Kindern, Worte und Rituale in der Notfallseelsorge.

Neben der Teilnahme an allen sechs Fortbildungswochenenden, die zwischen Oktober 2021 und Februar 2022 in Münster stattfinden, ist ein Mindestalter von 25 Jahren, psychische Gesundheit, Fahrtüchtigkeit sowie die Bereitschaft, nach der Ausbildung mindestens ein Jahr lang als Notfallseelsorger tätig zu sein, Voraussetzung für den späteren Einsatz. Die Ausbildung ist für die Teilnehmenden kostenlos.

Die Anmeldung erfolgt nach einem Gespräch mit den Koordinatoren der Notfallseelsorge, E-Mail: alexandra.hippchen@notfallseelsorge-ekvw.de Weitere Infos unter www.notfallseelsorge-muensterland.de