Lokales

Geschichte unter Gras

07.10.2026

Archäologie trifft Heimatforschung: Neues Buch über Gemenwirthe. Foto: Niermann

Archäologie trifft Heimatforschung: Neues Buch über Gemenwirthe. Foto: Niermann

© Niermann

Gemenwirthe. Sie ist verschwunden – und doch längst nicht vergessen: Die mittelalterliche Turmhügelburg „Pausborg“ in Gemenwirthe. Was heute wie eine normale Wiese wirkt, war einst eine zweiteilige Burganlage mit Haupt- und Vorburg, Turmhügel, Erdwällen und wasserführenden Gräften. Bemerkenswert: Selbst die Eigentümer der direkt angrenzenden Höfe wussten kaum etwas von der historischen Anlage – obwohl sie regionalgeschichtlich bedeutend war. Erst intensive Recherche hat die Pausborg zurück ins öffentliche Bewusstsein geholt. Im Mittelpunkt steht nun das neue Buch „Die Pausborg in Gemenwirthe und ihre Lehen- und Junkers-Höfe – Geschichte(n), Mythen und Tatsachen“ von Gudrun Emmerich, herausgegeben unter Mitarbeit von Klara Könning. Über drei Jahre lang wurden Archivakten, Veröffentlichungen und heimatkundliche Beiträge gesichtet und in einen verständlichen Zusammenhang gebracht – eine fundierte Publikation, zu der auch Familien aus Gemenwirthe wichtige Beiträge leisteten.

Ein „Lost Place“ unter Gras und Erde

Die Pausborg ist ein Lost Place besonderer Art: kein spektakuläres Gemäuer, sondern ein verlorener Ort, dessen Geschichte fast vollständig im Boden verschwunden ist. Ihre Spuren liegen unter Gras, Erde und Wasser. Weil zeitgenössische Urkunden oder Berichte über Erbauer und Bewohner nicht erhalten sind, stützt sich die historische Einordnung auf die Gestalt der Anlage, archäologische Spuren und vergleichbare Burgen.

Wissenschaft trifft Heimatforschung

Da das Areal ein geschütztes Bodendenkmal ist, sind eigenmächtige Grabungen oder die Suche mit Metalldetektoren nicht erlaubt. Umso wertvoller war die wissenschaftliche Unterstützung durch Dr. Andreas Wunschel vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) sowie Alois Nienhaus von der Interessengemeinschaft Geometerpfad e. V.

„Die Entstehung des Buches selbst war eine kleine Forschungsreise“, berichten Gudrun Emmerich und Dr. Volker Tschuschke vom kreiseigenen kult Westmünsterland. Für sie zeigt das Projekt: Wissenschaft und Heimatforschung befruchten sich gegenseitig – lokale Kenner bringen Neugier und Ortskenntnis ein, Fachleute sorgen für Einordnung und Nachprüfbarkeit.

Geschichte, die man lesen kann – ohne Gummistiefel

Das Ergebnis ist keine trockene Fachabhandlung, sondern eine anschauliche Dokumentation mit Bildern, Grafiken und Zeichnungen – erzählt in einem locker-leichten Stil mit einer Prise Humor. Die beste Schatzsuche führt durch die Seiten des Buches: Geschichte(n), Mythen und Tatsachen ganz legal und ohne Gummistiefelpflicht.

Es ist der dritte Band einer neuen Reihe, die wenig bekannte historische Orte im Borkener Raum erschließt. Nach der „Prattenborg“ zeigt nun die Pausborg, dass die spannendsten Geschichten manchmal dort beginnen, wo auf den ersten Blick scheinbar gar nichts mehr zu sehen ist.

Erhältlich ist das Buch ab sofort bei der Tourist-Information im FARB am Marktplatz in Borken.