Lokales

Im Ruhestand neu gefragt

14.08.2026

Manfred Beckmann ist gewählter ehrenamtlicher Versichertenberater der deutschen Rentenversicherung Bund.

Manfred Beckmann ist gewählter ehrenamtlicher Versichertenberater der deutschen Rentenversicherung Bund.

© Claudia Hieby

Gemen. Manfred Beckmann sitzt in seinem Büro und erzählt von Menschen, von Renten, von Lücken in Lebensläufen, die später zu Lücken im Geldbeutel werden. Seit dreieinhalb Jahren ist er im Ruhestand, doch wirklich still geworden ist er nicht. Der Agraringenieur, der früher im Außendienst durch ganz Deutschland fuhr, hat sich ein Ehrenamt nach dem anderen gesucht. Schiedsmann in Gemen, wo ihn viele kennen und wo er 2010 Schützenkönig war. Schöffe am Landgericht Bocholt und beim Finanzgericht in Münster. Und seit diesem Frühjahr auch ehrenamtlicher Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Der Weg dorthin begann mit einem Klick. Vor rund drei Jahren sah Beckmann auf Facebook eine Werbung, dass Leute gesucht werden. Er meldete sich, hörte lange nichts. Anfang des Jahres dann die Mail: Er sei gewählt. Im Mai folgte eine einwöchige, intensive Schulung, kompakt, viel Stoff. Seitdem berät er Menschen in Rentenfragen, nimmt Anträge auf, hilft bei der Kontenklärung. Rund 40 Beratungen hat er schon gemacht, viele im Bekanntenkreis, aber längst nicht alle.

Wenn Dokumente verbrannt sind

Beckmann kann gut mit Menschen. Das hat er in seinem Berufsleben gelernt. „Der Kontakt mit Menschen macht mir Spaß“, sagt er. Es gehe ihm darum, Leute dort abzuholen, wo sie stehen, und ihnen verständlich zu erklären, was sie wissen müssen. Besonders wichtig ist ihm die Kontenklärung. Er erzählt von einem Klienten, der seinen Rentenantrag stellen wollte und feststellte, dass seine Ausbildungszeiten fehlten. Vor 50 Jahren, der Betrieb existierte nicht mehr, Dokumente waren verbrannt. Solche Lücken im Versicherungsverlauf führen am Ende zu einer kleineren Rente.

Bei seiner Beratung ist der Datenschutz für Beckmann selbstverständlich. Er bekommt keine Akteneinsicht, der Versicherte entscheidet selbst, wie viele Informationen er weitergibt. Beckmann unterliegt der Schweigepflicht.

„Dreimal im Leben sollte man einen Berater sehen“

Eine Zahl hat ihn erschreckt: Von den Fällen, die er bisher bearbeitet hat, hatte nur ein Klient mehr als 1.800 Euro Rente im Monat. Viele bekommen noch deutlich weniger. Beckmann sagt, eigentlich müssten Menschen einen Versichertenberater dreimal in ihrem Leben sehen. Einmal zwischen 35 und 40 Jahren, wenn die Ausbildung abgeschlossen ist und die ersten Berufsjahre hinter einem liegen. Dann ein zweiter Termin zwei bis fünf Jahre vor dem Renteneintritt, um zu prüfen, ob wirklich alles da ist. Und ein dritter Termin ein halbes Jahr vorher, wenn alle Anträge gestellt werden können.

Man könne das natürlich auch selbst machen. Die Homepage der Deutschen Rentenversicherung sei seit 1. Juli überarbeitet, viel übersichtlicher. Trotzdem gebe es viele Leute, die mit dem Computer wenig anfangen können und deshalb eine Beratung in Anspruch nehmen. In Deutschland werden jedes Jahr 1,4 Millionen Rentenanträge gestellt, rund 2.700 ehrenamtliche Versichertenberater sind bundesweit im Einsatz.

Private Vorsorge als dritter Baustein

Drei Punkte sind Beckmann besonders wichtig: Datenschutz, Kontenklärung mit Mitte 30 – und private Altersvorsorge. Er empfiehlt jungen Leuten, regelmäßig Geld in einen ETF einzuzahlen. Auch kleine Summen, die heute gesammelt werden, können später in der Rente den Unterschied machen.

Über den Suchbegriff: „drv versichertenberater finden“ findet man weitere Informationen. .