Wenn es das Wetter es erlaubt färbt Birgit Bruckhaus die Rohwolle an einem alten Tisch im Garten.
© SYSTEM
Burlo (hie). „Bei mir zuhause haben alle genäht, gestrickt oder gehäkelt“, erzählt Birgit Bruckhaus aus ihrer Kindheit. Kein Wunder also, dass sie selber schon immer gerne mit Wolle gearbeitet hat. „Das lief so mit und war fast wie zweisprachig aufwachsen“, sagt sie. Ein Beruf ist daraus zunächst jedoch nicht geworden– die Leidenschaft für das Material und das Handwerk blieb jedoch.
So hat sich Birgit Bruckhaus neben ihrer eigentlichen Aufgabe als Ernährungsberaterin zunächst in der Kita ihrer Kinder engagiert und mit den Kleinen gefilzt, später dann bei der Familienbildungsstätte Kurse in textilem Gestalten und Filzen angeboten. Im Mittelpunkt aller Aktivitäten: die Wolle. Und die Frage: Wie funktioniert eigentlich der Weg vom Schaf zum Wollknäuel? Es folgten erste Spinnversuche mit Handspindel und Spinnrad und dann auch der Wunsch die Wolle selber zu färben. „Ich war einfach neugierig und wollte wissen wie man das macht,“ sagt Birgit Bruckhaus. Und ist ganz tief eingetaucht in die Welt des Beizens und Färbens.
Dabei arbeitet sie besonders gern mit Farbstoffen aus Pflanzen und Kräutern – gesammelt im eigenen Garten oder bei Spaziergängen rund um ihren Heimatort Burlo. Ihr Credo: Selber kreativ werden und immer wieder Neues ausprobieren. „Jeder muss seine eigene Art zu färben entwickeln“, sagt sie. Denn das Ergebnis eines Färbevorganges sei niemals gleich, da die Färbekraft der Pflanzen von vielen Komponenten abhängig sei. Standort, Erntezeit und Bodenbeschaffenheit spielten eine ebenso große Rolle wie die Menge der Zutaten, die Wollart und Einwirkzeit. Dazu kommt die Erfahrung. „Das ist wie beim Kochen“, sagt Birgit Bruckhaus. Auch da werde ein Gericht erst durch Erfahrung wirklich gut.
Inzwischen ist Birgit Bruckhaus Spezialistin für handgefärbte Garne. Sie besitzt vier eigene Schafe, deren Wolle sie für private Projekte verarbeitet und färbt. Und sie betreibt einen kleinen Online-Shop unter dem Namen Olann-Wolle, in dem sie handgefärbte, zum Teil pflanzengefärbte, Tuch- und Sockenwolle aus Merino, Ramie und Schurwollgarne anbietet. Dazu kommen handgefärbte Kammzüge, die sich zum Spinnen und Filzen eignen.
Ganz besonders sind die Farbverläufe der Garne – von strahlend bunt bis Ton-in-Ton. Sie haben Namen wie Auenland, Sonnenaufgang oder Crazy, und beim Färben beschäftigen Birgit Bruckhaus immer wieder neue Fragen: Welche Farben harmonieren miteinander, an welcher Stelle soll welche Farbe auf den Strang übertragen werden, wie soll der Gesamteindruck sein, wenn die Wolle verarbeitet ist? „Das ist ein kreativer Prozess, den ich mir mit Leidenschaft immer wieder neu erarbeite“, sagt sie. Neugierig, wie sie ist, widmet sie sich bereits einem neuen Projekt: dem Weben.
Unterschiedlich bearbeitete Wolle.
© SYSTEM
Insgesamt gehören vier Schafe zur „Familie“.
© SYSTEM
Pflanzenfärbung: Krapp ist neben Indigo einer der ältesten Pflanzenfarbstoffe.
© SYSTEM