Das Grauen vom Einsatz besser verarbeiten

Ein Kuscheltier für die Kinder: Wenn sie ein tragisches Ereignis durchleben, dem Vater oder der Mutter etwas im Einsatz passiert ist, wird ihnen vom PSU-Team geholfen. Fotos: mtg
Borken (mtg). Feuerwehrleute setzen sich Gefahren aus, um Menschen in Not zu helfen. Sie retten Schwerverletzte, müssen Tote bergen, geraten mitunter in Situationen, die ihre Seele stark belasten.

An dieser Stelle setzt die psychosoziale Unterstützung ein: „Wenn Einsatzkräfte das Gefühl haben, dass sie uns brauchen, können sie jederzeit auf uns zukommen“, sagt Michael Köjer.

Er leitet mit Marc Vering aus Bocholt das Team zur Psychosozialen Unterstützung vom Kreis Borken, das sich im Mai gegründet hat. Kreisbrandmeister Johannes Thesing hatte alle zusammengeführt. Organisatorisch unterteilt in drei Teams: Nord, Mitte und Süd; für die einzelnen Einzugsgebiete. „Wir von der PSU sind für alle Einsatzkräfte zuständig: Von den Feuerwehrleuten über Rettungsassistenten bis hin zu Notfallsanitätern“, erklärt Köjer. „Aber auch für die Angehörigen der Einsatzkräfte“. Bei allem, was hier gesagt wird, gilt die Verschwiegenheitspflicht.

Wird das PSU-Team vor Ort gebraucht, alarmiert sie die Leitstelle oder der Einsatzleiter. Sie helfen bei dienstlichen als auch bei privaten Angelegenheiten und haben mittlerweile ein dichtes Netzwerk geknüpft. So finden sie für betroffene Frauen und Männer die geeignete Hilfe.

Von der Schuldenberatung bis hin zu Ärzten, Psychologen und Seelsorgern, falls tiefergehende Hilfe gewünscht ist. So ist die PSU für jeden freiwillig und versteht sich auch nicht als Therapie, sondern präventiv. Meist sind die Einsatzkräfte dank des freiwillig und ehrenamtlich organisierten PSU-Teams schnell wieder einsatzbereit. Die psychosoziale Unterstützung ist vor, während und nach den belastenden Einsätzen relevant. In Form von Gruppen- und Einzelgesprächen kommen Feuerwehrleute miteinander ins Gespräch. Die PSU ist jedoch nicht zu verwechseln mit der Notfallseelsorge, die sich um die Opfer von Unfällen kümmert. Michael Köjer ist zugleich auch hauptamtlich bei der Feuerwehr Borken – und hatte in einem Einsatz selbst ein Erlebnis, was ihn nicht mehr losgelassen hat: „Das Grauen bleibt im Kopf“, sagt er. „Aber man kann lernen, damit zu leben. Wenn die Gesichter verschwimmen, dann habe ich es langsam verarbeitet“, meint Köjer weiter. Damals war das Thema der Verarbeitung noch nicht so gefragt.

Heute hat sich das geändert: Auch Stefan Döking, Leiter der Feuerwehr Borken, und Kai Sobbe, stellvertretender Leiter, sind von dem Konzept überzeugt und stehen hinter dem ganzen Team, das Feuerwehrmänner- und Frauen sowie deren Angehörige unterstützt.
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