Ein junger Drucker kommt nach Borken

 
Frontansicht des Verlagshauses in der Kapuzinerstraße.Fotos (3):privat
Die erste Ausgabe des „Borkener Kreisblatt“ wurde am Samstag, 6. April 1867, als „Allgemeiner Anzeiger für die Kreise Borken und Ahaus“ von Joseph Hubert Mergelsberg herausgegeben. Das war die Geburtsstunde des „Borkske Blättken“, das nun sein 150-jähriges Bestehen feiert.

Großen Mut und Unternehmungsgeist hatte Joseph Hubert Mergelsberg bewiesen, als er nach Borken zog, um eine Zeitung zu gründen; denn hier waren frühere Anläufe bereits gescheitert: Sein Schwiegervater Joseph Wilhelm Fasbender hatte im Jahre 1847 die Zeitung „Gemeinnütziger Anzeiger“ übernommen, um sie nach fünf Jahren wieder auf zugeben.

Im Jahr 1861 lernte Joseph Mergelsberg seine Frau Julia kennen, deren Urgroßvater Johann Nepomuk Bauer in Dortmund Baedekers Stadtdrucker war und in Recklinghausen eine Zeitung gründete, die er an seine Kinder weitergab. Joseph Mergelsberg war auf Anraten seines Vaters Drucker geworden. Mit seiner Frau Julia ließ er sich zunächst in seiner Vaterstadt Heinsberg als selbständiger Buchdrucker nieder. Doch die Konkurrenz war hart, so daß sich Joseph Mergelsberg nach einem anderen Betätigungsfeld umschaute.

Vermutlich war es seine Frau Julia, die ihn auf die Idee brachte, in Borken nachzufragen. Sie kannte die westmünsterländische Kleinstadt aus ihrer Kindheit. Mergelsberg fragte also in einem Schreiben vom 28. Oktober 1866 offiziell bei der Stadt Borken an, „ob ein sparsamer fleißiger Mann wohl Aussicht hätte, mit Erfolg in Borken eine Buchdruckerei zu errichten, und ob ein dort herauszugebendes Blatt für den Kreis Borken auf eine genügende Abonnentenzahl rechnen könnte“.

Die Antwort war nicht ermutigend. Auch sein Schwiegervater riet ihm ab. Doch die junge Familie, die ihr erstes Kind erwartete, ließ sich nicht von ihrem Plan abbringen und kaufte im Jahr 1866 das Haus Nr. 4 in der Kapuzinergasse, gegenüber dem Pausenhof der damaligen Mädchenschule.

Ihr erster Sohn Joseph Heinrich Wilhelm wird in Borken geboren: am Dienstag, 26. März 1867. Knapp zwei Wochen später wird die erste Ausgabe der Borkener Zeitung ausgetragen, die sich „Borkener Kreisblatt“ nannte. Die Zeitung erschien in allen Ortschaften des Kreises Borken und in vielen des Kreises Ahaus, und zwar einmal pro Woche jeweils am Samstag.

Kritische Berichte durften damals jedoch nicht gedruckt werden. Es gab keine demokratische Presse, der Staat hatte die Zensur längst wieder eingeführt. Es war eine politisch bewegte Zeit und die Zeit der tiefgreifenden Revolutionierung von Wissenschaft und Technik, der Industrie und Verkehrswege. Im Gründungsjahr der Borkener Zeitung gab sich der Norddeutsche Bund seine Verfassung, die am 17. April verkündet wurde. Sie trägt die Handschrift des Eisernen Kanzlers und bildet die Grundlage für die deutsche Reichsverfassung von 1871. Bismarck wird 1867 mit 52 Jahren Kanzler dieses Norddeutschen Bundes.1867 stellt Christopher Lathan Sholes die erste Schreibmaschine her, die in den nächsten Jahren vervollkommnet wird, um ihren endgültigen Siegeszug anzutreten. Die Schnellpresse, die den Druck höherer Auflagen ermöglichte, war bereits 1814 von einem Sachsen mit Namen König gemeinsam mit seinem Landsmann Bauer erfunden worden. Die Rotationsmaschine mit endlosem Papierband kam – in Amerika konstruiert – 1860 auf den Markt.

Die erste Setzmaschine, die nach dem System der Schreibmaschine arbeitete, wurde von dem Schwaben Ottmar Mergenthaler 1884 in Amerika entwickelt. Auf einer solchen „Linotype“ wurde die Borkener Zeitung bis 1979 gesetzt. Sie dient heute noch im Souterrain des BZ-Hauses an der Bahnhofstraße zur Herstellung von Familiendrucksachen. Bis zur Erfindung dieser Maschine mußte die Setzarbeit mit der Hand erledigt werden - Buchstabe für Buchstabe. BZ-Archiv/azi
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