Mit Parkinson Alltag meistern

Wolfgang und Angelika Kalischewski helfen anderen Betroffenen und Angehörigen in der Selbsthilfegruppe. Fotos: mtg
 
Zittern ist ein erstes Anzeichen für Parkinson und kann den Alltag erschweren.
Erle (mtg). Im Alter von 36 Jahren bekommt Wolfgang Kalischewski die Diagnose „Morbus Parkinson“. Unheilbar. Eine Krankheit, die noch immer nicht ganz erforscht ist. Solange der Auslöser unbekannt ist, müssen Ärzte ausprobieren, was beim Patienten anschlägt.

Tatsache ist, dass Hirnzellen in bestimmten Arealen absterben, die Bildung von dem lebenswichtigen Botenstoff Dopamin wird gedrosselt. Fakt ist auch, dass es eine chronische Erkrankung ist, die bleibt.

„Viele ziehen sich mit der Krankheit in ihr Schneckenhaus zurück“, erzählt der heute 70-Jährige. Er wollte das nicht – und gründete eine Selbsthilfegruppe für Betroffene und Angehörige. Bei ihm selbst kam die Krankheit schleichend. Bei anderen schlägt sie schnell zu.


Versteinerte Mimik


Symptome wie Zittern oder Störungen im Bewegungsapparat folgen mit der Zeit. Bei vielen Betroffenen wirke die Mimik versteinert. Auch wenn das Gesicht es nicht zeige: „Lachen können wir trotzdem, obwohl wir alle ein bisschen leblos wirken“, meint Wolfgang weiter.

Seit 2004 hat er einen Hirnschrittmacher. „Dadurch hat sich sein Zustand verbessert“, sagt seine Frau Angelika. Mittlerweile hat sie die Leitung der Selbsthilfegruppen in Borken und Wesel übernommen. Zudem ist sie stellvertretende Landesbeauftragte vom Deutschen Parkinsonverband NRW und warnt davor, die Krankheit zu verallgemeinern: „Bei jedem äußert sich Parkinson anders“, betont sie.

Die beiden sind seit 50 Jahren verheiratet, durch die Erkrankung hat sich für die beiden vieles verändert. „Früher war mein Mann aufgeweckter und aufgeschlossener“, erinnert sich die 69-Jährige. „Mit der Krankheit wurde er ruhiger“. Doch: „Wenn man weiß, wie man damit umgehen muss, geht das“.

So setzen sich die beiden für Aufklärung über die Krankheit in der Gesellschaft ein. Manch ein Betroffener habe zunächst auch Angst davor, in die Gruppe zu kommen. Das sei unnötig: „Jeder ist bei uns willkommen. Wir freuen uns auch über Nachwuchs“, sagt Angelika Kalischewski weiter.

Hier kommen Menschen her, die zum Teil viele Jahre mit der Krankheit gut leben. Keiner solle Angst davor haben, so zu sein, wie der andere. Bei einer rechtzeitigen Diagnose lässt sich Parkinson heute in vielen Fällen mit Hilfe von wirkungsvollen Medikamenten über Jahre beherrschen. Parkinson trifft jeden anders – doch Medizin und Bewegung können viel bewirken und zu einem besseren Leben beitragen.


Kontakt und Ansprechpartner zur Selbsthilfegruppe: Angelika Kalischewski, Telefonnummer 02865 7302.


Welt-Parkinson-Tag: Der Tag ist am Donnerstag, 11. April. Er soll an die unheilbare und langsam fortschreitende neurologische Krankheit Parkinson, an Betroffene und Angehörige gedenken und wurde von der European Parkinsons Disease Association 1997 erstmals ins Leben gerufen. Das Datum wurde auf den Geburtstag von James Parkinson gelegt, der die Krankheit im Jahr 1817 erstmals beschrieb.



Die Selbsthilfegruppe Borken hat 50 Mitglieder. Rund 25 Betroffene und Angehörige treffen sich regelmäßig jeden vierten Donnerstag in Borken-Gemen, Coesfelder Straße 2, im Evangelischen Gemeindehaus, zwischen 15 bis 17 Uhr. Nächstes Treffen ist am Donnerstag, 25. April. Die Betroffenen sind zwischen 55 und 88 Jahre alt. Jeder kann in die Gruppe kommen. Hier helfen sich alle gegenseitig, lachen viel miteinander. Praktische Anleitungen spielen eine wichtige Rolle: Von Feldenkrais über Lachyoga bis hin zur Logopädie. Einmal jährlich fahren sie zu einem mehrtägigen Seminar. Über neue Mitglieder freut sich die Selbsthilfegruppe.

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