Schnell fahren, hart bremsen

Hanno Brandenburger auf seiner 1000er Suzuki.
Velen (hie). 42 Jahre alt, dreifacher Familienvater und motorradverrückt: Das ist kurz gesagt Hanno Brandenburger. Seit er mit 16 Jahren den ersten Führerschein gemacht hat ist er auf zwei Rädern unterwegs. Beruflich als Zweiradmechanikermeister mit eigener Werkstatt in Coesfeld und privat als Motorrad-Rennfahrer.

Über viele Jahre ist der Velener erfolgreich bei Hobby-Meisterschaften gestartet und hat 2014 seine Leidenschaft für Straßenrennen entdeckt, konkret für die International Road Racing Championship IRRC, bei der jedes Jahr insgesamt sechs Rennen in fünf Ländern gefahren werden. Dafür muss man nicht nur sehr gut fahren können sondern ohne viele Trainingsmöglichkeiten auch die Strecken im Kopf haben: Es geht durch abgesperrte Ortschaften, durch Wohngebiete, über kleinere und größere Landstraßen. Am Straßenrand stehen bis zu 25.000 Zuschauer, oft herrscht eine Stimmung wie bei einem Volksfest.

Während in den Niederlanden oder in Deutschland die Strecken vorher gereinigt werden, ist das in Tschechien zum Beispiel nicht der Fall. Ist Dreck auf der Straße muss man als Fahrer eben aufpassen. Das klappt nicht immer, und im vergangenen Jahr ist Hanno Brandenburger beim Qualifying im niederländischen Hengelo schwer gestürzt. Bei Tempo 100 in der Linkskurve, die Reifen hatten wohl nicht die richtige Temperatur. Lenker kaputt, Verkleidung an der Maschine abgerissen, Auspuff verbogen, Helm nicht mehr zu gebrauchen. Brandenburger selber kam mit Prellungen und Schürfwunden davon und setzte sich schon zweieinhalb Stunden später wieder auf seine Maschine. Die war von seinem Mechaniker mit Hilfe von zusammengeliehenen Ersatzteilen notdürftig repariert worden, Brandenburger schaffte das Qualifying und die Rennen am nächsten Tag – und fuhr dabei sogar seine persönliche Bestzeit. „Ich habe vor Schmerz in den Helm geschrien“, gesteht der 42-Jährige, grinst und gibt zu: „Einige Wochen nach dem Sturz, nachdem ich auch noch bei den Rennen in Tschechien und Finnland angetreten war, ging allerdings gar nichts mehr.“ Es folgten Untersuchungen und aufwendige Reha-Maßnahmen, zum Glück aber keine größeren Probleme.

Heute ist Brandenburger wieder fit und freut sich auf die kommende Rennsaison. Sein Ziel: Weitermachen. Das Motorrad (noch) besser kennenlernen und ein besseres Gesamtergebnis erzielen. Sein Rezept dafür: Schnell fahren und hart bremsen, dabei aber kein Risiko eingehen und die Sicherheit im Auge behalten. Um die Folgen eines möglichen weiteren Unfalls abzumildern träumt Brandenburger von einem Motorradanzug mit eingebautem Airbag. „Da möchte ich keine Kompromisse mehr machen“, sagt er. Allerdings: Für das 3000 Euro teure Outfit sucht er noch Sponsoren.
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