Alternative Wahrheit vor 2000 Jahren

Teil einer Pferdestatue. Fotos (3): LWL/Arendt
Haltern (lwl/hie). Rosenblätter wirbeln durch die Luft. Die Menge jubelt. Am 26. Mai 17 n.Chr. zieht Germanicus mit einem prächtigen Triumphzug durch Rom. Er feiert seinen Sieg über die Germanen. Ein Sieg, der faktisch keiner ist: Mehrere Jahre führte Germanicus Krieg, um die in der Varusschlacht verlorenen Gebiete zurück zu erobern. Dann bricht Kaiser Tiberius die Unternehmungen seines Adoptivsohnes ab: zu teuer, zu verlustreich. Aber die Außendarstellung ist eine völlig andere: Roms Ende in Germanien wird als Triumph gefeiert – ein Triumph ohne Sieg.

Der Rhein ist nun wieder die Grenze Roms zum freien Germanien. Die Truppenstandorte auf der rechten Seite des Rheines geraten in Vergessenheit – so auch Aliso im heutigen Haltern am See. Aber was hätte aus dem wichtigsten Standort der Römer an der Lippe werden können, hätte Germanicus tatsächlich gesiegt? Das beleuchtet die neue Sonderausstellung im LWL Römermuseum in Haltern „Triumph ohne Sieg“. Bis zum 5. November werden dort rund 250 Exponate führender europäischer Museen gezeigt.

„Unsere Ausstellung dreht sich um Fake news, um Niederlagen, die zu Siegen umgedeutet werden, um symbolische Politik durch Massenveranstaltungen und um alternative Wahrheit – nur eben vor 2.000 Jahren“, so LWL-Direktor Matthias Löb.

Direkt hinter dem Museum können die Besucher auch den Original-Schauplatz Aliso, das Westtor des einstigen Hauptlagers als 1:1 Rekonstruktion, begehen und erleben.

Ob spannende Führungen im Museum oder auf dem Außengelände, Rundgänge in „römischer Begleitung“ oder Ausstellungsgespräche unter fachkundiger Anleitung: Zur Ausstellung wird ein vielseitiges Programme angeboten. Der Begleitband widmet sich dem Thema „Triumph ohne Sieg“ und den zentralen Fragen wer, wann und aus welchem Anlass im antiken Rom einen Triumphzug abhalten durfte. Er ist im Museumsshop erhältlich. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag 9 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 19 Uhr; Samstag, Sonntag, Feiertage 10 bis 18 Uhr. Weitere Informationen unter www.lwl-roemermuseum-haltern.de
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