„Das Gehirn – Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl“: Neue Ausstellung im LWL-Museum für Naturkunde Münster

Die Ausstellungsmacherinnen hier im Bild mit Museumsdirektor Dr. Jan Ole Kriegs.
 
Die neue Sonderausstellung informiert über die anatomische Vielfalt von Gehirnen.
Münster (pd/dd). Einmal seinem Gegenüber in den Kopf schauen. Erfahren, was darin vorgeht, wie sich eine Persönlichkeit formt, Gefühle entstehen oder Pläne geschmiedet werden. Verstehen, wie man versucht, Intelligenz zu messen. Das ist möglich in der neuen Sonderausstellung „Das Gehirn – Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl“, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Museum für Naturkunde in Münster zeigt. In der deutschlandweit größten Sonderausstellung zum Thema „Das Gehirn“ können Besucher bis zum 27. Oktober dieses besondere Organ erkunden. Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr. Die Schau ist dank Brailleschrift, einem mehrsprachigen Audioguide, Tastmodellen und untertitelten Filmen für Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen geeignet. Alle Ausstellungsbereiche sind für Gehbehinderte und Familien mit Kinderwagen zugänglich.

Auf 1.200 Quadratmetern erfahren die Museumsgäste Fakten zu Themen wie Sinneswahrnehmung, Ich-Bewusstsein oder Verhaltenssteuerung. Anatomie und Evolution des menschlichen Gehirns werden facettenreich und für alle Altersgruppen geeignet erklärt, Fragen zur Künstlichen Intelligenz und zur Tierwelt beantwortet.

„Das Gehirn des Besuchers schaut sich in der Ausstellung sozusagen selbst bei der Arbeit zu“, so LWL-Direktor Matthias Löb. Für ihn sei besonders interessant, wie Maschinen das Leben der Menschen schon heute veränderten. „Wir sprechen inzwischen mit Künstlichen Intelligenzen, als hätten sie ein Bewusstsein – am Telefon beim Pizza bestellen, beim Navigieren im Auto oder Zuhause, wo wir ihnen teils blind vertrauen.“ Die Ausstellung wolle zeigen, welche Fähigkeiten lernfähige Maschinen bereits besitzen und an welchen Stellen man sie hinterfragen solle. Die Frage, was den Menschen ausmache, sei durch die Wissenschaft nicht mehr so eindeutig zu beantworten. Löb: „Emotionen waren lange den Menschen vorbehalten. Aber auch Tiere sind ängstlich oder aggressiv – vielleicht haben sie Gefühle, nur etwas anders als wir.“

Die 13 Themenbereiche der Ausstellung zeigen die Leistungsfähigkeit und Vielfalt des Gehirns. Durch 770 Ausstellungsstücke wird Wissenswertes etwa zu den Leistungen und der Entwicklung dieses komplexen Organs oder über die Hirnforschung vermittelt. Allein 71 echte Gehirne, sowie 65 Tastmodelle und 63 Medienstationen haben die Ausstellungsmacherinnen Nicola Holm und Dr. Julia Massier gemeinsam mit Kuratorin Lisa Klepfer unter der Leitung von Museumsdirektor Dr. Jan Ole Kriegs zusammengetragen und inszeniert.

Unter anderem befasst sich ein ganzer Ausstellungsbereich mit Schlaf und Traum, aber auch psychische Erkrankungen, Drogen und Verhaltenssteuerung werden thematisiert. „Es geht in der Ausstellung auch um intelligente Menschen und Tiere. Zudem wird die Frage beleuchtet, ob Künstliche Intelligenzen, in Form von Computeralgorithmen, eher Segen oder Fluch sind, wenn sie mehr und mehr in unseren Alltag eingreifen“, erläutert Kriegs.

Zu sehen sind beispielsweise auch die seltene Erstausgabe von 1520 des mathematischen Regelwerks von Adam Riese sowie Schnittpräparate von Albert Einsteins Gehirn, die für die Ausstellung aus den (USA eingeflogen wurden. Ein weiteres herausragendes Objekt ist ein jungsteinzeitlicher Menschenschädel aus Warburg. Er zeigt erste Spuren von Schädeloperationen vor 5.400 Jahren in Westfalen und wird vom LWL-Museum für Archäologie zur Verfügung gestellt.

Ein weiteres besonderes Ausstellungsstück ist einer der Prototypen eines Roboters auf dem Weg zur Künstlichen Intelligenz, die kybernetische Maschine „MM7 Selektor“, eine Leihgabe des Technischen Museums Wien. Der Visionär Claus Christian Scholz-Nauendorff entwickelte 1962 diesen sogenannten Maschinenmenschen Nummer 7. Er bewegte sich auf Rollen und konnte mechanisch Arme, Augen und Mund bewegen. Scholz-Nauendorff warb damit, dass MM7 auf Sprachbefehle hin als Haushaltshilfe dienen könnte. „Eine damals noch weit entfernte, aber aus heutiger Sicht nicht unmögliche Zukunftsvision“, sagt Ausstellungsmacherin Dr. Julia Massier. „MM7 konnte noch keine Berechnungen durchführen, doch er war ein Meilenstein der Robotik.“

Ganz andere Fähigkeiten hat der neue, mechanische „Museumsmitarbeiter“, der Roboter „KIM“: Eine 3D-Kamera im Kopf und eine ausgefeilte Sensorik für ein sicheres Navigieren durch das Museum gehören zu seiner Grundausstattung. Als Bereicherung für die Museumspädagogik ist KIM einerseits selbstständig im Museum unterwegs, führt Museumsgäste durch bestimmte Ausstellungsteile und erzählt Wissenswertes zu ausgewählten Objekten. Andererseits arbeitet er Seite an Seite mit einem Museumspädagogen, mit dem er gemeinsam im Rahmen von Gruppenführungen für Erwachsene die Höhepunkte der neuen Ausstellung vorstellt. „Er kann für bestimmte Räume und Objekte programmiert werden und fährt dann selbständig dort hin“, sagt Ausstellungsmacherin Nicola Holm. Führungen mit KIM und einem Museumspädagogen sind im Servicebüro des LWL-Museums für Naturkunde buchbar.

Die Sonderausstellung lebt außerdem von einer Mischung an medialen und analogen Mitmach-Stationen. Besucherinnen und Besucher können zum Beispiel ihre Geschicklichkeit beim Lösen von Schlösserboxen testen, ein Kooperationsspiel ausprobieren, erfahren wie Tiere die Welt wahrnehmen oder ihr Kurzzeitgedächtnis überprüfen.

Weitere Infos auch unter /www.das-gehirn.lwl.org.
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