Jüdische Friedhöfe in Borken und Gemen

Blick auf den jüdischen Friedhof in Gemen.
Borken/Gemen (pd/dd). Zu den wenigen Spuren, die von den in der NS-Zeit vernichteten jüdischen Gemeinden in Borken und Gemen geblieben sind, gehören die Friedhöfe. Sie liegen etwas abseits und könnten doch viel erzählen. Leider erschließen sich die Besonderheiten eines jüdischen Friedhofs den meisten Besuchern nicht unmittelbar.

Das Jüdische Museum Westfalen in Dorsten hat nun einen „kleinen Leitfaden“ herausgegeben, mit dem Interessierte die Möglichkeit haben, sich mit der Geschichte der jüdischen Friedhöfe in Borken und Gemen und ihren Besonderheiten vertraut zu machen und einige der hebräischen Inschriften in deutscher Übersetzung kennenzulernen.

Vorgestellt werden in Kurzbiografien auch einige der dort Bestatteten, so Sally Landau und Erich Haas. Beide ließen sich noch nach 1945 in Borken bestatten. Sally Landau wohnte nach seiner Flucht bis zu seinem Tod zwar in den benachbarten Niederlanden. Er hatte sich aber eine Beisetzung auf dem Friedhof seiner Geburtsstadt gewünscht. Erich Haas war als einziger wieder zurückgekehrt und hatte sich seit Ende der 1940er Jahre intensiv für die Wiederherstellung der während der NS-Zeit verwüsteten Friedhöfe eingesetzt. Seine Beerdigung im Jahre 1968 war die bisher letzte jüdische Bestattung in Borken.

Der Leser erfährt darüber hinaus, dass es sich keineswegs um „ehemalige“ Friedhöfe handelt. Ein Grab darf nie aufgelöst werden. Die Toten müssen bis zum Tag ihrer Auferstehung in Ruhe in ihren Gräbern verbleiben können. Der Friedhof wird daher auch als „ewiges Haus“ bezeichnet. In Borken und Gemen existieren heute noch zwei Friedhöfe. An einen älteren Friedhof erinnern nur noch Fotos aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts und ein 1962 aufgestellter Gedenkstein.

In Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Jüdisches Leben in Borken und Gemen konnte das Jüdische Museum Westfalen im April diesen Leitfaden zu den Friedhöfen fertigstellen, der auf die jahrzehntelangen Recherchen der Arbeitskreismitglieder aufbaut. Wer im Leitfaden blättert, der findet allgemeine Informationen zum jüdischen Friedhof, Hinweise zu den hebräischen Inschriften auf Grabsteinen sowie Kurzbiografien zu den Menschen, die dort bestattet sind. Hinzu kommen aktuelle Fotos, ein Lageplan der Gräber und ein Verzeichnis weiterführender Literatur. Der Borkener Leitfaden ist der dritte in dieser Schriftenreihe. Die Broschüre zum Preis von fünf Euro gibt es in Borken in der Tourist-Info am Neutor, im BZ-TicketCenter in der Goldstraße sowie in der Buchhandlung Eggers, Johanniterstraße.
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