Kunst in der Stadt: „Skulptur Projekte“ bis 1. Oktober in Münster zu erleben

Aram Bartholl hat eine archaisch anmutende Handyauflademöglichkeit erfunden.
 
Inmitten der Promenade steht die Brunnenanlage von Nicole Eisenman. Fotos: hie
Münster (hie). Haben Sie schon einmal Ihr Handy am Lagerfeuer aufgeladen? Und zwar nicht an einer Powerbank oder einem Verlängerungskabel? Installations- und Performancekünstler Aram Bartholl hat eine ganz eigene Lösung gefunden. Im Rahmen der „Skulptur Projekte“ können Besucher auf der Wiese neben dem Theater am Pumpenhaus mit Thermogeneratoren ausgestattete Stöcke in ein Lagerfeuer halten und mit der so gewonnenen Energie ihren Handyakku aufladen. Ist das Kunst? Ja. Wenn man sich damit auseinandersetzt. Bartholl beschäftigt sich in seinen Werken mit den Möglichkeiten und Folgen zunehmender Digitalisierung und verbindet hier die früheste Form der Kommunikation – das gemeinsame Sitzen am Lagerfeuer – mit der modernen Kommunikation.

Wer beim Besuch der „Skulptur Projekte“ klassische Werke erwartet muss umdenken. Die Münsteraner Open-Air-Ausstellung ist eine vielschichtige Auseinandersetzung mit künstlerischen und gesellschaftsrelevanten Fragen und lädt zum genauen Hinschauen ein. Themen der globalen Gegenwart und Reflexionen über den Begriff Skulptur fließen ebenso ein wie Fragen zum Verhältnis von öffentlichem und privatem Raum in Zeiten zunehmender Digitalisierung und Ökonomisierung.

Quer durch die Stadt sind bis zum 1. Oktober 35 Arbeiten zu sehen - etwa in Parks, einer nicht mehr genutzten Eislaufhalle oder einer Kleingartenanlage. Dort hat sich zum Beispiel der britische Künstler Jeremy Deller in einem kleinen Gartenhaus eingerichtet. Seine Arbeit für die „Skulptur Projekte“ ist eine naturwissenschaftliche und anthropologische Langzeitstudie, die der Künstler bereits 2007 initiiert hat. Damals bat er über 50 Münsteraner Vereine, für die nächsten zehn Jahre ein Tagebuch zu führen, das botanische und klimatische Daten protokolliert aber auch die lokalen Vereinsaktivitäten sowie gesellschaftliche und politische Ereignisse beinhaltet. Das Ergebnis sind etwa dreißig umfassende Bände, die in dem vom Künstler inszenierten Schrebergartenhaus eingesehen werden können.

Auf den ersten Blick eine klassische Skulptur findet man auf der Wiese neben der Promenade. Dort hat die amerikanische Künstlerin Nicole Eisenman fünf überlebensgroße Figuren um ein Wasserbecken gruppiert. Die nackten Gestalten in den lockeren Posen einer Freizeitgesellschaft sind keinem Geschlecht zuzuordnen und wirken klobig-träge. Drei der Figuren sind aus Gips und werden sich – je nach Wetterlage – in den nächsten Wochen anfangen aufzulösen. Der Brunnen ist also nicht für die Ewigkeit angelegt sondern eine temporäre Installation - genau wie alle anderen Objekte der „Skulptur Projekte.“

Wer sich in Münster die Kunstwerke ansehen möchte kann dies am besten mit dem Fahrrad tun. Am Domplatz gibt es einen eigens eingerichteten Verleih. Auch empfiehlt es sich, an einer der zweistündigen kostenlosen Führungen teilzunehmen, die in vielen verschiedenen Sprachen angeboten werden. Dafür muss man sich im Internet unter www.skulptur-projekte.de anmelden. Zur Ausstellung erscheint ein 480-seitiger Katalog.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.