Leben im Bett: Neue Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes Münster.

Instrumente für einen Hausarzt aus dem 20. Jahrhundert.
 
„Alle in einem Bett“ von Erwin Grosche und Dagmar Henze (2014) sowie das Wiegenlied „Die Blümelein sie schlafen“ von Anton Wilhelm v. Zuccalmaglio (1803-1869) im „Liederbuch für die westfälischen Volksschulen“ (1914).
Münster (pd/dd). Ein Drittel seines Lebens verbringt der Mensch im Bett. Deshalb beschäftigt sich die neue Wanderausstellung „Leben im Bett“ des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) mit den unterschiedlichen Möglichkeiten, ein Bett zu nutzen. „Alles außer Schlafen“ lautet dabei das Motto der Ausstellung, die durch acht westfälische Museen wandert. Anhand ausgewählter Beispiele erfahren Besucher mehr über die Aktivitäten des Menschen im Bett. Den Rahmen bilden das heimische Bett und die Zeit vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

„Man kann sogar noch weiter gehen als nur von einem Lebensdrittel im Bett zu sprechen: Sein ganzes Leben kann ein Mensch im Bett verbringen“, erklärt Ausstellungsmacherin Marion Kaiser. „Menschen werden oft in einem Bett geboren, Kinder spielen und lernen dort, Erwachsene lieben und arbeiten im Bett. Einsam braucht man dabei auch nicht zu sein, denn Bettgenossen, ob Teddybären oder Bettwanzen, finden sich schnell. Das Bett ist viel mehr als ein Ort zum Schlafen. Menschen nutzen es auf unterschiedliche Art, manchmal freiwillig und manchmal nicht.“

Museen und Privatpersonen aus Westfalen-Lippe haben Exponate für diese LWL-Wanderausstellung zur Verfügung gestellt. So vielfältig wie das Thema sind dabei auch die Stücke. Mal humorvoll, mal ernst ermöglichen sie eine Annäherung an die Praktiken rund ums Bett. Ein Kapitel der Ausstellung widmet sich beispielsweise dem Essen und Trinken. Dafür steht eine sogenannte Trembleuse aus dem 18. Jahrhundert. Das ist eine spezielle Tasse für Trinkschokolade, die gerne am Morgen getrunken wurde. Ein Betttablett und ein praktischer Handstaubsauger sind als Hilfsmittel für ein modernes Frühstück im Bett in der Ausstellung zu sehen.

„Im Bett erleben Menschen Höhen und Tiefe des Lebens. Von der Geburt bis zum Tod, immer wieder finden wichtige Ereignisse im Lebenslauf im Bett statt“, so Kaiser. Es ist dabei nicht nur ein Ort von Ruhe und Erholung, sondern auch ein Ort von Krankheit und Leiden. Ein längerer Aufenthalt im Bett geschieht meist nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil eine Krankheit einen Menschen ans Bett fesselt.

Der Schriftsteller Heinrich Heine (1797-1856) verbrachte die letzten acht Jahre seines Lebens gelähmt und unter Schmerzen leidend in seiner „Matratzengruft“ in Paris. Trotzdem arbeitete er weiter und schrieb beeindruckende Gedichte.

Jedes der acht westfälischen Museen, die die Ausstellung präsentieren, zeigt vor Ort jeweils ein Bett aus seinem Bestand und ergänzt die Ausstellung so um ein Objekt aus seinem Gebiet. Weitere Exponate stellen Bezüge zur Region her. So gab es in der Vergangenheit diverse Hochzeitsbräuche und Streiche, die das Bett einbezogen. „Wobei sich die Brautpaare vermutlich nicht unbedingt über Steine im Bettstroh oder klingelnde Wecker im Schlafzimmer gefreut haben“, vermutet Kaiser.

Die westfälischen Nachbarn und Verwandten konnten aber auch sehr fürsorglich sein. Im Münsterland war es zum Beispiel üblich, einer Wöchnerin einen besonderen Korintenstuten, einen „Kroamstuten“, ans Bett zu bringen.

Weitere Themen sind der Medienkonsum und das Arbeiten im Bett, Tiere im Bett sowie Glaube und Politik rund ums Bett. Mit Hilfe von Texten, Objekten, Bild- und Tonquellen sowie Taststationen präsentiert die Ausstellung diese Themen sinnlich wahrnehmbar für die Besucher.

Im Rahmen von museumspädagogischen Programmen bieten die Museen Führungen für Erwachsene und in Leichter Sprache an. Texte in Leichter Sprache ermöglichen einen einfachen Zugang zu den Inhalten. Außerdem erscheint ein Begleitband zur Ausstellung mit wissenschaftlichen Beiträgen über einzelne Aspekte zum Thema „Leben im Bett“.

Zu sehen ist die Schau bis zum 20. August im Mühlenhof-Freilichtmuseum, Theo-Breider-Weg 1, in Münster. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr.

Im Medizin- und Apothekenmuseum Rhede wird die Ausstellung vom 7. Januar bis zu 4. März 2018 gezeigt und das Museum der Stadt Gladbeck präsentiert die Schau vom 11. März bis 29. April 2018.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.