Mode aus Zeitungen, Plastik und Co.

Kleid aus Tetra Pack und Samt. Foto: LWL/Betz
Bocholt (pd/hie). Plastiktüten, Telefonbuchseiten oder Videobänder – der Berliner Künstler Stephan Hann schneidert seine Couture aus Materialien, denen wir keine Beachtung schenken. Kombiniert mit edler Seide, Spitze oder Kristallen entstehen Kleider, bei denen die Grenze zwischen Mode und Kunst verschwimmt. Zu sehen sind sie in der Ausstellung „Fashion Material“ im Textilwerk Bocholt. Bis 6. Oktober lädt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Industriemuseum zu einer Reise in die phantastischen Modewelten von Stephan Hann mit rund 60 Objekten des Künstlers ein.

„Wenn wir ehrlich sind: Unsere Kleiderschränke sind voll. Aber die Modeindustrie möchte gerne, dass wir sie immer wieder neu füllen. In Modezeitschriften und auf Social Media-Plattformen sehen wir immer neue Trends und werden zum Kaufen aufgefordert. Stephan Hann setzt sich in seinen Kreationen mit genau dieser Kurzlebigkeit und dem Konsum auseinander. Seine außergewöhnlichen Kreationen lassen uns nachdenken über das Diktat des immer Neuen in der Mode“, so Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger.

Die Ausstellung „Fashion Material“ ist Teil des Verbundprojektes „Alles nur geklaut? Die abenteuerlichen Wege des Wissens“ mit insgesamt sechs Ausstellungen an verschiedenen Standorten des LWL-Industriemuseums. „In Bocholt greifen wir mit der Mode einen Aspekt des Themas auf, der jeden von uns betrifft. Wir fragen: Kann Mode überhaupt neu sein, oder ist das, was uns als letzter Schrei verkauft wird, schon einmal dagewesen und folglich doch irgendwie geklaut?“, so Martin Schmidt, wissenschaftlicher Referent im Textilwerk Bocholt und Kurator der Ausstellung.

Hann ist gelernter Herrenmaßschneider und Modedesigner. Für seine Roben verwendet er alltägliche Materialien: Telefonbuchseiten, Zeitungen, Malervlies, Architekturpläne, Videoband oder Plastiktüten und andere Verpackungen. Dazu spielt der Berliner mit ikonischen Schnitten und Formen und veredelt seine Entwürfe durch den Einsatz von Seide, Spitze oder glitzernden Steinen. „Dadurch entsteht eine völlig neue ästhetische Wertigkeit. Allen Werken ist eine unglaubliche Eleganz zu eigen. Sie spielen mit Erinnerung, entlarven den Luxus und kommentieren den unstillbaren Hunger unserer Gesellschaft nach Konsum“, sagt Schmidt. Die Ausstellung ist Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
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