„Reif für die Insel“ und „Lust auf Leben“

Farbenfroh geht es am „Strand“ von Mallorca zu.
 
Rüschen zierten die Strandmode aus den 1950er Jahren.
Bocholt (pd/hie). Urlaub ist die kleine Flucht aus dem Alltag. Und nirgendwo kann man die arbeitsfreien Wochen schöner verbringen als auf einer Insel. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) stellt in der Ausstellung „Reif für die Insel“ in seinem Industriemuseum Textilwerk in Bocholt die drei Ferienparadiese Sylt, Hiddensee und Mallorca vor. Gleichzeitig präsentiert das LWL-Industriemuseum in einem weiteren Saal der ehemaligen Spinnerei unter dem Titel „Lust auf Leben!“ Fotografien von Johannes Weber aus Nottuln, die er zwischen 1946 und 1955 gemacht hat und die das Leben in der Nachkriegszeit dokumentieren. Beide Ausstellungen laufen dort bis zum 31. Dezember 2017.


Reif für die Insel


Sylt, Hiddensee und Mallorca– jede dieser Inseln verkörpert ein bestimmtes Klischee: die Insel der Schönen und Reichen in der Nordsee, die Insel der Einzelgänger und Naturliebhaber in der Ostsee, die Insel der Massen und der Stars im Mittelmeer. Die Wirklichkeit ist allerdings vielschichtiger. Mit rund 500 Exponaten – Bademoden, Plakaten, Postkarten, Souvenirs, Gemälden und Fotografien – zeigt die Ausstellung, wie sich der Tourismus an den verschiedenen Orten entwickelt und wie sich die Urlaubskleidung verändert hat. Das Spektrum der Objekte reicht vom 100 Jahre alten, mit Rüschen besetzten Badeanzug für Damen bis zur Jukebox mit Strandhits, vom Westerland-Bass eines Mitglieds der Rockband „Die Ärzte“ bis zum Original-Inventar eines kompletten Gästezimmers aus Hiddensee. Video-Interviews mit Insulanern, die ganz persönliche Geschichten erzählen, bereichern die Präsentation.

„Die Ausstellung zeigt auf erfrischende und kompakte Weise, wie die Deutschen Urlaub machten und machen: vom Kaiserreich bis heute, in West und Ost, im Inland und im Ausland. Ein tolles Thema, das Spaß macht“, so LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger.

Tatsächlich steckt in der Geschichte des Tourismus mehr als Sonne, Sand und Meer. „Urlaub ist die Kehrseite der Arbeitswelt und immer auch ein Spiegel der Gesellschaft. Veränderungen machen sich immer auf beiden Seiten bemerkbar. Das zeigt unsere Ausstellung ganz deutlich“, so Dirk Zache, Direktor des LWL-Industriemuseums. Drei Leitfragen haben die Konzeption der im LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg entwickelten Schau bestimmt: Wie wurden die Inseln entdeckt? Wer fuhr und fährt aus welchen Gründen dorthin? Welche Folgen hat der Tourismus für die Zielorte? In Bocholt wurde die Frage nach den modischen Veränderungen auf den Inseln vertieft.


Rahmenprogramm


An zwei Sonntagen im Monat findet um 15 Uhr eine öffentliche Führung durch die Sonderausstellung statt. Die Teilnahme ist jeweils kostenlos; Besucher zahlen nur den normalen Eintritt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Gruppen können Führungen an frei zu vereinbarenden Terminen buchen.

Auch Kleinkunstabende, Lesungen und Vorträge gehören zum Begleitprogramm. Die nächsten Termine:

Donnerstag, 13. Juli, 19 Uhr

„Fantasie! Herr Staatsanwalt!“. Badeanzug & Bikini im Wandel von Mode und Moral. Vortrag von Martin Schmidt.

Sonntag, 10. September, 15 Uhr: Mascha meets Ringelnatz. Literarisch-musikalische Performance zu Texten von Mascha Kaléko und Joachim Ringelnatz mit der Schauspielerin Tanja Hellwig und dem Gitarristen Michael Grünwald

Donnerstag, 19. Oktober, 19 Uhr: Mallorca und die Popmusik. Vortrag von Dr. Ingo Grabowsky mit musikalischer Begleitung durch Carlo Robok

Donnerstag, 23. November, 19 Uhr: Mallorca und die Deutschen. Zur Geschichte des Tourismus, Vortrag von Dr. Arnulf Siebeneicker.

Kosten: Museumseintritt


Lust auf Leben!


In über 6.000 Fotografien hielt der Amateurfotograf Johannes Weber zwischen 1946 und 1955 mit seiner Leica-Kleinbildkamera das Leben im münsterländischen Nottuln fest. Für die Ausstellung wählte das LWL-Medienzentrum 80 aussagekräftige Fotografien der Sammlung Weber aus. Sie erzählen von einer vergessenen Welt, die bis vor einem halben Jahrhundert in vielen Dörfern und Kleinstädten Westfalens Alltag war, und zeugen von der „Lust auf Leben!“ in der entbehrungsreichen Nachkriegszeit.

Ursprünglich bei der Hamburger Nordwolle beschäftigt, war Weber im Winter 1945/46 an den Sitz seines neuen Arbeitgebers, der Strickerei Gebr. Rhode, nach Nottuln gezogen. Als versierter Amateurfotograf aus der Großstadt fotografierte er die Menschen im Dorf bei besonderen Anlässen. Schützenfeste, Prozessionen, Hochzeiten, Kommunion, Glockenweihe und Grundsteinlegung bilden meist den Rahmen seiner Aufnahmeserien. Seine Fotografien zeigen aber auch die Entwicklung des Strumpfherstellers Rhode, des damals einzigen Industriebetriebes vor Ort, sowie die herausgehobene Position der Fabrikantenfamilie. „Der Spannungsbogen zwischen dem Alltag der Unternehmer und dem münsterländischen Dorfleben macht einen großen Reiz der Weberschen Fotografien aus“, findet Museumsleiter Dr. Hermann Josef Stenkamp. Eine fototechnische Besonderheit der Sammlung sind stereoskopische 3D-Fotografien vom Dorfbild Nottulns, die Weber ebenfalls mit seiner Leica aufnahm. Eine Rarität sind auch seine frühen Schützenfestfotografien.
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