„Schiefer Turm“ von Vreden

Aus Backstein gemauerter Kanal mit gewölbter Decke.
Vreden (pd/hie). Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) graben derzeit im Vredener Stadtzentrum an der Burgstraße. Dabei haben sie die Fundamente eines mächtigen Turmes der bischöflichen Burg freigelegt. Risse im Mauerwerk deuten darauf hin, dass der Turm im sandigen Untergrund abgesackt ist. Die Ausgrabung zeigt, dass es Baumängel auch schon im Mittelalter gab.

„Wie für das Mittelalter typisch, ist die Mauer in der sogenannten Zweischalentechnik gebaut“, erläutert Grabungsleiterein Birgit Grundmann von der LWL-Archäologie für Westfalen. „Diese Technik hatte den Vorteil, dass im Zwischenraum der beiden Mauerschalen auch minderwertige Bruchsteine verwendet werden konnten.“

Auffällig ist, dass die Fundamente an der Nordseite mehrere Setzungsrisse aufweisen, die über 10 Zentimeter breit sind. „Offensichtlich ist der Turm im sandigen Untergrund einseitig abgesackt und neigte sich in der Folge zum Wassergraben“, so Grundmann. Möglicherweise konnte die Grabungstechnikerin damit die Erklärung finden, warum die Wehranlage in zeitgenössischen Karten als „schiefer Turm“ bezeichnet wird. „Die Ausgrabung zeigt, dass die Archäologie auch in Epochen, für die schriftliche und bildhafte Quellen vorliegen, wichtige Aussagen liefern kann.“

Die Expertin erkennt in dem Mauerwerk verschiedene Bauphasen. Der Turm wurde offenbar nachträglich in die 1398 errichtete Burgmauer integriert und wiederholt umgebaut. Wahrscheinlich waren mehrfach Reparaturen notwendig. Die genaue Bauzeit des Turms ist bislang noch unklar. Unter den Fundamenten könnte sich noch ein hölzerner Pfahlrost befinden. Die Wissenschaftler hoffen, anhand von Holzproben eine genaue Datierung ermitteln zu können.
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