Deutsche Wildtier Stiftung: Reh ist das Tier des Jahres 2019

Obwohl Rehe Einzelgänger sind, schließen sie sich im Winter gerne zu sicheren Gruppen zusammen.
 
Reh in der Abendsonne. Foto: Deutsche Wildtier Stiftung
Kreis Borken (pd/dd). Die Deutsche Wildtier Stiftung hat das Reh zum Tier des Jahres 2019 ernannt, um dieses vermeintlich bekannte Wildtier vorzustellen, aber auch um auf die Probleme rund um den Lebensraum der Rehe aufmerksam zu machen.

Gerade im Winter sieht man an Waldrändern häufig mehrere Rehe in einer Gruppe zusammenstehen. Sind Rehe nicht Einzelgänger? Schon, doch in der dunklen Jahreszeit bedeutet Gemeinschaft auch Sicherheit. Auf der Suche nach Futter zupfen Rehe jetzt die letzten grünen Blätter von den Büschen oder scharren am Boden nach verbliebenen Früchten. Das Reh ist ein Kräuterprofi, der weiß, welche Pflanzen genießbar sind und welche nicht. Acht bis zwölfmal am Tag muss ein Reh fressen, um satt zu werden. Nicht Gräser, sondern Kräuter, Blüten, Knospen und Triebe stehen auf der Speisekarte. Rehe sind scheu und folgen trotzdem den Menschen bis hinein in Gärten, Parkanlagen und Friedhöfe – immer auf der Suche nach Nahrung.

„Den meisten Menschen ist nur wenig über Rehe bekannt“, so Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. Kinder halten es häufig für die „Frau des Rothirschen“ und leider sind auch immer weniger Erwachsene mit diesem Wildtier vertraut.

Lebensraum des Rehs sind Wälder und Feldflur. Im Wald wird das Reh oft von den Jägern verfolgt, da es vorzugsweise an den jungen Bäumen knabbert. Im offenen Land droht vor allem auf den Wiesen Gefahr, wenn dort die Kitze von ihren Müttern versteckt werden und der Landwirt beginnt, das Gras zu mähen. Dabei werden Kitze oft getötet oder verstümmelt. „Wiesen dürfen nicht länger zur Todesfalle für die Rehkitze werden“, so der Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung und fordert: „Landwirte und Jäger müssen noch mehr tun, um Kitze vor der Mahd zu retten und die Agrarpolitik sollte Landwirte besser honorieren, wenn sie statt im Mai erst Anfang Juli ihre Wiesen mähen.“ Dies rettet nicht nur Rehkitze, sondern auch die Gelege und Küken von am Boden brütenden, oft hoch bedrohten Vogelarten.

Die Deutsche Wildtier Stiftung hat den Naturfilmer Jan Haft gebeten, mit den Mitteln eines modernen Dokumentarfilms auf die Bedeutung der Wiese als Lebensraum unserer Wildtiere aufmerksam zu machen. Der Film „Die Wiese – ein Paradies nebenan“ kommt im Frühjahr 2019 in die Kinos. In der Hauptrolle: Das Reh! Für das Tier des Jahres 2019 eine einmalige Chance, die Fangemeinde zu vergrößern und bekannter zu werden.




Große Population


Das Reh ist die in Europa häufigste und kleinste Art der Hirsche. Als sogenannter „Trughirsch“ ist es näher mit dem Elch verwandt als mit dem bei uns heimischen Rot- oder Damhirsch. Ursprünglich besiedelten Rehe die Randzonen von Wäldern und Gebüschen, heute kommt es aber in allen Wäldern und sogar in der offenen, fast deckungslosen Feldflur vor.

Rehe werden bis zu 12 Jahre alt, sind sehr standorttreu und halten die Grenzen ihres Aktionsraums, zum Beispiel Feldränder, Wege, Straßen oder Hecken genau ein. Rehböcke besetzen ihre Territorien häufig über mehrere, aufeinanderfolgende Jahre. Die Ricken leben vor allem während der ersten Wochen nach der Geburt des Kitzes einzelgängerisch in einem kleinen Aktionsraum, den sie gegen andere Ricken verteidigen. Zu Beginn des Herbstes schließt sich Rehwild zu kleinen Verbänden zusammen.

Rehe sind in Deutschland nicht bedroht, weil es große Populationen gibt. Ein großes Problem sind allerdings die Verstümmelung von Rehkitzen durch landwirtschaftlichen Mähmaschinen. Außerdem fallen jährlich etwa 200.000 Rehe dem Straßenverkehr zum Opfer und verenden oft qualvoll. Kommt es zu einem Wildunfall, muss zunächst die Unfallstelle gesichert und dann die Polizei gerufen werden.

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