„Ein Trauerspiel der Wälder“

Holger Eggert sieht den Zustand der Fichten kritisch.Fotos: mtg
 
Werner Vogt und seine Kollegen setzen auf Mischbestände, um Wälder stabil zu halten.
Kreis Borken (mtg). Sturm. Dürre. Schädlinge. „Es ist ein Trauerspiel. In einem so schlechten Zustand habe ich den Wald noch nicht gesehen“, sagt Werner Vogt, Mitarbeiter vom Regionalforstamt Münsterland Wald und Holz NRW, zuständig für die Wälder in Reken und Heiden. Er und seine Kollegen sorgen sich um die Bäume der Region. Auch Holger Eggert vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW sagt: „Dieses Jahr war eine Katastrophe“. Im Münsterland sind 87 Prozent des Waldes in privater Hand. Gemeinsam mit den Besitzern schaut Förster Werner Vogt sich die Bestände an, begutachtet den Boden und blickt auf die Kriterien der Zeit, auf extreme Wetterverhältnisse. „Die Kiefer ist den Anforderungen gewachsen“, sagt er. Sie kommt mit einem sandigen, nährstoffarmen und trockenen Boden gut klar. Und sie ist stabil gegen Schädlinge wie Borkenkäfer. In Folge des Sturmtiefs Friederike waren ganze Baumbestände und Nadelholzwälder komplett zerstört. Das belastete nicht nur die Wälder selbst, sondern auch die Waldwirtschaft. Die größte Sorge der Waldbauern ist, dass das Holz zu minderwertigen Preisen weggegeben werden muss. Von den 8 Prozent Fichten an der Gesamtbestockung sind durch den Sturm Frederike ca. 3 Prozent weggefegt worden. Fünf Prozent blieben übrig und werden nun durch die anhaltende Hitze und Dürre geschädigt. Zahlreiche Bäume hatten gelitten. Machte sie anfälliger für Schädlinge wie Borkenkäfer, die sich bewusst geschwächte Bäume heraussuchen. „Nach 40/50 Jahren bricht alles zusammen“, sagt Werner Vogt. „Einziger Trost ist, dass die Fichte durch stabilere Baumbestände ersetzt wird“. Aber durch die immer wärmeren Sommer sei auch nicht kalkulierbar, welche Schädlinge künftig noch auftreten würden, sorgt er sich. „Das ist leider sehr frustrierend“. Damit aber dennoch möglichst viele Bäume eine Chance haben, setzen Förster auf Mischbestände und Artenvielfalt statt auf Monokulturen. Douglasien aus Amerika sind robust und halten auch extremen Wetterbedingungen stand. Hier geht der Schaden im Revier gegen null. Eine Reihe hat Vogt gegenüber der Teufelssteine in Heiden in die Erde gepflanzt. Robust sind auch die Eiche und Rotbuche. Bäume, die in tieferen Schichten wurzeln, wo der Lehmboden kompakter und feuchter ist. Besonders sichtbar sind die Schäden von Sturm und Dürre auch am Galgenberg in Marbeck.

Dort steht Förster Holger Eggert vom Regionalforstamt Münsterland des Landesbetriebes Wald und Holz NRW. Er kümmert sich um die Wälder in Borken und Raesfeld. Sein Blick schweift über eine leere Fläche.

Hier hatte der Sturm rund einen Hektar kahlrasiert. Noch arbeitet er an den Folgeschäden des Orkantiefs Friederike und sieht schon die nächsten Probleme mit der Dürre herannahen: „Einige im Frühjahr gepflanzte Laubbäume haben ihre Blätter noch nicht verloren“, sagt er. Sie warten auf Regen. 800 Millimeter Niederschlag über das Jahr verteilt sind normal. 350 Millimeter sind bisher gefallen. Eggert sieht in der Trockenheit eine Katastrophe. Auch er hat schon Douglasien und Buchen in Gruppen eingepflanzt. Durch Mischbestände können die Bäume sich gegenseitig schützen. Auch eine kleine, heimische Fichte, bahnt sich schon ihren Weg von Natur aus wieder nach oben. Vor allem die Fichte als Flachwurzler brauche viel Wasser und sei sehr geschwächt. Holger Eggert deutet auf Bäume, die vertrocknet sind. Tote Bäume und Käferbäume, die gefällt werden müssen, damit der Wald überlebt.
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