Wolf kehrt in alte Lebensräume zurück

Schon seit 2009 tauchen in NRW immer wieder Wölfe auf.
 
Wölfe leben für gewöhnlich in Rudeln.
Kreis Borken (pd/dd). Ein erster genetischer Hinweis auf einen Wolf im Kreis Wesel konnte schon im April nach einem Schafriss erbracht werden. Weitere Indizien lieferte eine Wolfslosung (Kot), die im Juni entdeckt wurde. Ganz offensichtlich hat sich ein weibliches Tier aus einer niedersächsischen Wolfsfamilie bei Schneverdingen in der Region Wesel ein neues Domizil gesucht.

Das Landesumweltamt (LANUV NRW) geht inzwischen davon aus, dass es sich um ein und dasselbe Tier handelt. Die genaue Individualisierung der Probe ist beim Senckenberg Institut noch in Bearbeitung. Das Senckenberg Forschungsinstitut untersucht im Auftrag von Bundes- und Landesbehörden als „Nationales Referenzzentrum für genetische Untersuchungen bei Luchs und Wolf“ genetische Proben aus ganz Deutschland.

Um Klarheit in Bezug auf einen möglichen sesshaften Wolf in der Region Wesel zu erhalten, hat das LANUV das Monitoring verstärkt und unter anderem auch Fotofallen in dem Bereich aufgestellt.

Vor diesem Hintergrund hat das Umweltministerium NRW in dem betreffenden Landschaftsraum zum 1. Oktober erstmals ein „Wolfsgebiet“ in Nordrhein-Westfalen ausgewiesen. Das „Wolfsgebiet Schermbeck“ umfasst einen bedeutenden Anteil des Naturparks Hohe Mark mit seinen ausgedehnten Wäldern und angrenzenden Kulturlandschaften. Nach Westen hin erstreckt sich das Wolfsgebiet bis zum Rhein, im Süden bis zur A2. Die aktuellen Wolfsnachweise liegen überwiegend inmitten dieses Gebietes mit einem Schwerpunkt in Schermbeck. Die Abgrenzung des „Wolfsgebietes Schermbeck“ umfasst folgende Städte beziehungsweise Gemeinden vollständig oder teilweise: Kreis Wesel: Schermbeck, Hünxe, Dinslaken, Voerde, Wesel (nur der rechtsrheinische Teil), Hamminkeln.

Kreis Kleve: Rees (im Nordwesten bis zur B 67)

Kreis Borken: Raesfeld

Kreis Recklinghausen: Dorsten

Kreisfreie Stadt Bottrop (nur der Teil nördlich der A2)

Kreisfreie Stadt Oberhausen (nur der Teil nördlich der A2/A3).

Ein Wolfsgebiet wird bei einer festen Ansiedlung von Wölfen ausgewiesen, das heißt, wenn ein Wolf über die Dauer von einem halben Jahr mehrfach in einem Gebiet nachgewiesen werden kann. Die Ausweisung eines Wolfsgebietes ist insbesondere für die Nutztierhaltung von großer Bedeutung, da das Land Nordrhein-Westfalen in diesen Bereichen auf der Grundlage der „Förderrichtlinie Wolf“ vorbeugende Maßnahmen zum Herdenschutz fördert. Anträge auf Entschädigung der durch einen Wolf verursachten Schäden sowie Anträge auf Förderung von Herdenschutzmaßnahmen können im Fall des „Wolfsgebietes Schermbeck“ – aufgrund der regierungsbezirks-übergreifenden Abgrenzung – an das Dezernat 51 bei der Bezirksregierung Münster gerichtet werden.

In Europa kehrt der Wolf in alte Lebensräume zurück, in denen er seit fast 180 Jahren ausgestorben war. Auch in Nordrhein-Westfalen gab es in den vergangenen Jahren immer wieder vereinzelte Hinweise auf durchziehende Wölfe. Aufgrund der aktuellen genetischen Nachweise geht das Landesumweltamt (LANUV NRW) jetzt allerdings davon aus, dass im Bereich Schermbeck ein weibliches Tier tatsächlich standorttreu geworden ist. „Das ist ein großer Unterschied zu den vergangenen Jahren. Seit 2009 besuchen uns in Nordrhein-Westfalen immer wieder einzelne Wölfe, die nie länger an einem Ort geblieben sind und dann wieder verschwanden“, sagte Ministerin Heinen-Esser.

Das LANUV empfiehlt Schaf- und Ziegenhaltern im Umfeld ihre Zäune auf Durchschlupfmöglichkeiten zu kontrollieren und gegebenenfalls Elektronetze- oder litzen zu installieren bzw. die Tiere nachts aufzustallen, um Übergriffe zu verhindern. Die betroffenen Schafhalter in dem Gebiet wurden über die aktuellen Ergebnisse informiert. Sie können über die Förderrichtlinie Wolf des Umweltministeriums eine Entschädigung für die gerissenen Tiere sowie angefallene Tierarztkosten erhalten. Die aktuelle „Förderrichtlinie Wolf“ ist Teil des nordrhein-westfälischen Wolfmanagements und sieht Entschädigungsleistungen für gerissene Nutztiere vor, sofern ein Wolfsnachweis erfolgt ist. Da der Nachweis im Wolfsgebiet am Niederrhein erfolgte, haben die Schaf- und Ziegenhalter hier die Möglichkeit, sich Herdenschutzmaßnahmen fördern zu lassen.

Der hier vorkommende Eurasische Wolf (Canis lupus lupus) wird etwa so groß wie ein Schäferhund und wiegt im Mittel um die 40 Kilogramm, die Spanne ist jedoch sehr groß und unterscheidet sich auch nach Geschlecht und Alter.

Die Fellfarbe ist sehr variabel, der Grundton ist grau, kann aber auch ins gelbliche oder braune gehen. Die kleinen, dreieckigen Ohren stehen nach oben. Zusammen mit der spitzen, recht hellen Schnauze und den gelblichen Augen formen sie das markante Wolfsgesicht. Im Gegensatz zum etwa gleichschweren deutschen Schäferhund ist der Wolf deutlich hochbeiniger. Der buschige Schwanz hängt meist gerade herab. Der Körperbau des Wolfes weist ihn als ausdauernden Läufer aus, der im gleichmäßigen Trab mühelos viele Kilometer zurücklegen kann. Der Wolf frisst je nach Vorkommen verschiedene Wildtiere wie Hirsche, Rehe oder Wildschweine sowie Nutztiere wie Schafe und Ziegen. Obwohl man auch einzelne Wölfe antrifft, leben die Tiere meistens im Rudel. Dazu gehören gewöhnlich ein Elternpaar und dessen Nachkommen. Wölfe werden mit zwei Jahren geschlechtsreif und verbleiben bis dahin bei den Eltern. Die vorjährigen Jungwölfe unterstützen das Elternpaar bei der Aufzucht der neuen Welpen. Spätestens mit Erreichen der Geschlechtsreife (10 bis 22 Monate) wandern die Jungwölfe in der Regel aus dem elterlichen Territorium ab und suchen sich ein freies Revier, um eine eigene Familie zu gründen.
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