500.000 Fehltage wegen Rücken

Kreis Borken (pd/hie). Der Krankenstand im Münsterland ist 2017 gestiegen. Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen lagen um 0,4 Prozentpunkte über dem Vorjahresniveau. Mit 4,3 Prozent gab es in der Region einen höheren Krankenstand als im Landesdurchschnitt (4,1 Prozent). Laut DAK-Gesundheitsreport waren damit an jedem Tag des Jahres von 1.000 Arbeitnehmern 43 krankgeschrieben. Der höchste Krankenstand in Nordrhein-Westfalen wurde mit 5,2 Prozent im Kreis Recklinghausen verzeichnet, der niedrigste mit 3,4 Prozent in der Landeshauptstadt Düsseldorf. Eine Sonderanalyse zeigt: Im Münsterland gab es hochgerechnet 512.000 Ausfalltage wegen Rückenschmerzen.

Die aktuelle Analyse der DAK-Gesundheit für das Münsterland zeigt die wichtigsten Veränderungen bei der Zahl und Dauer der Krankschreibungen: Die Fehltage bei den Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems wie Rückenerkrankungen stiegen um sechs Prozent und belegen den ersten Rang: Fast ein Viertel des Krankenstands wurde hierdurch verursacht. Bei den psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände nahmen die Ausfalltage gleichstark zu. Sie belegten den 2. Platz. Einen deutlichen Anstieg um 19 Prozent gab es bei den Ausfalltagen wegen Verletzungen und Vergiftungen. Diese landeten auf dem dritten Platz.

Die DAK-Gesundheit untersucht in ihrem aktuellen Gesundheitsreport mit dem Schwerpunkt „Rätsel Rücken – warum leiden so viele Menschen in Nordrhein-Westfalen unter Schmerzen?“ auch, wie verbreitet Rückenleiden bei den Arbeitnehmern im Westen sind. Die Kasse wirft dabei einen Blick auf Ursachen und Risikofaktoren. Das Fazit: Trotz Prävention und zahlreicher Gesundheitskurse gibt es in Nordrhein-Westfalen rund 7,3 Millionen und in der Region 512.000 Ausfalltage wegen Rückenerkrankungen unter den Erwerbstätigen. Nach Ergebnissen der Umfrage hatten 78 Prozent aller Beschäftigten im vergangenen Jahr „Rücken“. Jeder Vierte hat aktuell Beschwerden. Auf 100 Erwerbstätige in Nordrhein-Westfalen entfielen mehr als 84 Fehltage wegen Rückenschmerzen. Im Münsterland war die Zahl der Ausfalltage mit 97 allerdings etwas höher. Auch die durchschnittliche Dauer je Krankschreibung lag mit fast 13 Tagen über dem Landesdurchschnitt (zwölf Tage).


Risikofaktoren für Rückenschmerzen Die große Mehrheit in Nordrhein-Westfalen meldet sich mit Rückenschmerzen allerdings nicht krank. 82 Prozent gehen mit Schmerzen zur Arbeit. Die Wahrscheinlichkeit, sich wegen der Rückenschmerzen krankzumelden, steigt jedoch mit der Stärke der empfundenen Schmerzen und dem Chronifizierungsgrad. Entscheidend ist auch, ob Beschäftigte häufig in unbequemer Körperhaltung arbeiten müssen, einem hohen Termin- und Leistungsdruck ausgesetzt sind oder ihren Job mit wenig Freude erledigen. All diese Faktoren eine Krankmeldung wahrscheinlicher.


Knackpunkte Lendenwirbelsäule und Nacken Der DAK-Report zeigt, unter welchen Beschwerden Betroffene in Nordrhein-Westfalen konkret leiden: So schmerzt bei 79 Prozent die Lendenwirbelsäule. 41 Prozent haben Probleme mit dem Nacken. Fast jeder Dritte (29 Prozent) gibt Schmerzen an mehreren Bereichen der Wirbelsäule an. Etwa jeder zehnte Rückenschmerz-Geplagte hat dabei starke bis sehr starke Schmerzen.


Mehrheit geht nicht zum Arzt


Die große Mehrheit der Menschen in Nordrhein-Westfalen versucht zunächst allein mit den Schmerzen zurechtzukommen. Nur etwa jeder dritte Betroffene war laut eigenen Angaben im vergangenen Jahr wegen seiner Rückenbeschwerden beim Arzt. Von diesen suchten rund 76 Prozent bei einem einzigen Mediziner Hilfe. 19 Prozent konsultierten zwei, vier Prozent drei Ärzte wegen ihrer Beschwerden. Gefragt nach der konkreten Rückenschmerz-Behandlung gaben 51 Prozent der Betroffenen an, eine Physiotherapie bekommen zu haben. Je 46 Prozent erhielten Schmerzmittel oder bekamen eine Spritze. Bei 29 Prozent wurde ein CT oder ein MRT des Rückens gemacht. Der Zusammenhang von Stress und Rückenschmerzen wurde in den Praxen kaum thematisiert. „Da sich Stress und psychische Belastungen stark auf die Rückengesundheit auswirken können, sollte dieser Aspekt stärker bei Diagnose und Behandlung berücksichtigt werden“, fordert Wonning.

Foto: colourbox.de
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