„Immer auf dem neuesten Stand sein“

Unterricht am PC: Für die angehenden Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten eines der wichtigsten Arbeitsmittel.
Kreis Borken (pd/hie). Die Klischees halten sich hartnäckig: Kaffee kochen, Akten sortieren und zum Chef bringen, das Telefon bedienen – so stellen sich viele die wichtigsten Aufgaben der Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten vor. Der tatsächliche Berufsalltag ist davon aber meilenweit entfernt: „Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte müssen anspruchsvolle und vielseitige Aufgaben übernehmen“, betont Bildungsgangleiterin Sabine Bußmann vom Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung in Ahaus. Und fragt man die Schülerinnen – meist sind es reine Frauenklassen – nach den Inhalten, dann ist die Aufzählung lang: Gesetze, Wirtschaftslehre, Rechnungswesen, Fremdsprachenkenntnisse… „Wir müssen wirklich viel wissen“, sagt Jessica Valenzuela Barrere. „Es wird wirklich unterschätzt, was wir machen.“ Die theoretischen Grundlagen vermittelt das Berufskolleg den angehenden Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten. Ob sie übrigens Rechtsanwalts- UND Notarfachangestellte oder Rechtsanwaltsfachangestellte werden, das richtet sich nach ihrem jeweiligen Chef und ob die Kanzlei auch ein Notariat hat. Inhaltlich ist der schulische Teil der Ausbildung aber gleich: „Vor allem rechtlich müssen sich die Auszubildenden gut auskennen – das BGB haben wir in den drei Jahren komplett durch“, sagt Sabine Bußmann. Ob Handelsrecht, Familienrecht, Arbeitsrecht – so vielfältig die Rechtsanwälte spezialisiert sind, so breit gefächert müssen sich die Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten auskennen. Englischkenntnisse – hier in der Region auch gerne Niederländisch – werden ebenso gebraucht wie gutes Ausdrucksvermögen.

„Der Beruf ist sehr abwechslungsreich“, betont Alexandra Wagner, die im zweiten Ausbildungsjahr ist. „Ich habe von Anfang an alle Bereiche kennengelernt.“ Im ersten Ausbildungsjahr sind die Inhalte ganz ähnlich wie im kaufmännischen Bereich, gutes Büromanagement gehört ebenfalls zum Tätigkeitsfeld. Jessica Valenzuela Barrere ist über ein Praktikum zu ihrer Berufswahl gekommen. Alexandra Wagner hat beim Probearbeiten die Entscheidung getroffen. „Wir arbeiten sehr eng an den Fällen – das ist nicht nur ein bisschen am Empfang sitzen und telefonieren“, sagt sie. „Wir müssen inhaltlich schon genau Bescheid wissen.“ Ausbildungsplätze gibt es in der Regel ausreichend. Früher waren es meist Realschüler, die die Ausbildung begannen, heute haben die meisten die (Fach-)Hochschulreife, berichtet Schulleiter Reinhard Wehmschulte. Derzeit sind pro Stufe ca. 15 Schülerinnen und Schüler am Berufskolleg. Neben den fachlichen Anforderungen sollten sie Freude an der Betreuung von Mandanten haben, Offenheit, Zuverlässigkeit und Lernbereitschaft mitbringen: „Sie müssen immer auf dem neuesten Stand sein“, erläutert Bußmann. Dass nicht mehr junge Menschen den Beruf ergreifen, habe auch einen entscheidenden Grund, weiß Bildungsgangleiterin Bußmann: „Er wird leider viel zu schlecht bezahlt.“ Auch die „fertigen“ Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten werden gesucht. Gute Aufstiegsmöglichkeiten gibt es zudem auch: Dazu bieten sich etwa Weiterbildungen zu Fachwirten oder Betriebswirten an. Und später gebe es reichlich Perspektiven, betont Wehmschulte: „Vielen ist nicht bekannt, wie vielseitige Einsatzmöglichkeiten sie mit ihren fundierten Kenntnissen haben: in größeren Handwerksbetrieben, Rechtsabteilungen von Unternehmen oder Versicherungen zum Beispiel.“ Auch darüber informiert die Schule bei der BOMAH im September.

Die Berufsorientierungsmesse BOMAH findet am 13. und 14. September in Ahaus statt. Der Eintritt ist frei.
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