Rücken macht große Probleme

Borken (pd/hie). Laut DAK-Gesundheitsreport 2018 ist Rückenschmerz in Nordrhein-Westfalen die zweithäufigste Diagnose für den Krankenstand. Hochgerechnet auf alle Erwerbstätigen im Land kamen 2017 mehr als 7,3 Millionen Ausfalltage wegen Rückenschmerzen zusammen. Je 100 Versicherte fallen in Nordrhein-Westfalen rund 85 Fehltage an, im Bundesdurchschnitt sind es mit 86,7 etwas mehr. Laut Umfrage im Rahmen des Reports leiden rund 775.000 erwerbstätige Patienten in NRW sogar chronisch (neun Prozent) unter Schmerzen, die drei Monate oder länger andauern. Die Problematik spiegelt sich auch in der stationären Behandlung wider: Nordrhein-Westfalen hatte 2016 fast 55.000 Krankenhausfälle wegen Rückenschmerzen, ein Anstieg um fast 80 Prozent in den vergangenen neun Jahren.

Für Krankschreibungen sind Rückenprobleme seit Jahren besonders relevant. Ihr Anteil an den Fehlzeiten in den Betrieben in Nordrhein-Westfalen verharrt mit zehn Prozent auf hohem Niveau. Jeder 20ste Beschäftigte war 2017 mindestens einmal wegen Rückenschmerzen krankgeschrieben. Die große Mehrheit meldet sich mit Rückenschmerzen aber nicht krank. 82 Prozent gehen mit Schmerzen zur

Arbeit. Die Wahrscheinlichkeit, sich krankzumelden, steigt jedoch mit

der Stärke der empfundenen Schmerzen und dem Chronifizierungsgrad. Entscheidend ist auch, ob Beschäftigte häufig in unbequemer Körperhaltung arbeiten müssen oder an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit kommen. Diese Faktoren machen eine Krankmeldung wahrscheinlicher. Freude bei der Arbeit schützt hingegen vor einer Krankmeldung: Spaß im Job ist ein protektiver Faktor.

Die große Mehrheit der Menschen zwischen Rhein und Weser versucht zunächst allein mit den Schmerzen zurechtzukommen. Jeder dritte Betroffene (30 Prozent) war laut eigenen Angaben im vergangenen Jahr wegen der Rückenbeschwerden beim Arzt. Von diesen suchten rund 76 Prozent bei einem einzigen Mediziner Hilfe. 19 Prozent konsultierten zwei, vier Prozent drei Ärzte wegen ihrer Beschwerden. Gefragt nach der konkreten Rückenschmerz-Behandlung gaben 51 Prozent der Betroffenen an, eine Physiotherapie bekommen zu haben. 46 Prozent erhielten Schmerzmittel, gleich viele Patienten bekamen eine Spritze. Bei 29 Prozent wurde ein CT oder ein MRT des Rückens gemacht. Der Zusammenhang von Stress und Rückenschmerzen wurde in den Praxen kaum thematisiert. „Da sich Stress und psychische Belastungen stark auf die Rückengesundheit auswirken können, sollte dieser Aspekt stärker bei Diagnose und Behandlung berücksichtigt werden“, fordert Klaus Overdiek, Leiter der DAK-Landesvertretung NRW. Insgesamt gehen die Menschen in Nordrhein-Westfalen relativ gelassen mit Rückenschmerzen um: 70 Prozent setzen auf Wärme in Form von Heizkissen, Bädern oder Sauna. 42 Prozent bewegen sich, beispielsweise bei einem Spaziergang. 26 Prozent leben erst einmal normal weiter und rechnen damit, dass die Rückenschmerzen von selbst verschwinden. Das sogenannte Schonen – von Experten ausdrücklich nicht empfohlen, weil es die Schmerzen eher noch verstärkt – praktizieren aktuell neun Prozent.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.