Schnelle Hilfe aus der Luft

Einsatzursache Nummer eins waren bei den Rettungseinsätzen mit fast 50 Prozent erneut internistische Notfälle wie akute Herz- und Kreislauferkrankungen.
 
Der Rettungshubschrauber ist meist das wichtigste und schnellste Rettungsmittel. Die durchschnittliche Flugzeit bei einem Einsatz betrug 2017 rund 30 Minuten.
Borken (pd/hie). Je schneller ein Patient versorgt und in eine geeignete Klinik transportiert wird, desto besser sind seine Überlebenschancen bzw. seine Genesung. Hier ist der Rettungshubschrauber meist das wichtigste und schnellste Rettungsmittel.

In Nordrhein-Westfalen sind sechs Rettungs- und Intensivtransporthubschrauber der ADAC Luftrettung stationiert. Sie flogen im vergangenen Jahr insgesamt 7.505 Einsätze, auch über die NRWGrenzen hinaus (2016: 7.531). Innerhalb des Bundeslandes waren es knapp 6.500 Einsätze. Von den NRW-Hubschraubern war der in Würselen bei Aachen stationierte „Christoph Europa 1“ mit 1.971 Einsätzen am häufigsten unterwegs (2016: 2.044). Es folgten „Christoph Europa 2“ in Rheine mit 1.345 Einsätzen (2016: 1.301), „Christoph 8“ in Lünen mit 1.238 Einsätzen (2016: 1.162) und „Christoph 25“ in Siegen mit 1.121 Einsätzen (2016: 1.282).

Die für die Verlegung von Patienten eingesetzten Intensivtransporthubschrauber

„Christoph Westfalen“ in Greven und „Christoph Rheinland“ in Köln kamen auf 1.027 (2016: 915) bzw. 803 Einsätze (2016: 827). Die Zahl der Einsätze schwankt im Vergleich zu 2016 um fünf Prozent (reguläre Schwankungsbreiten).

Insgesamt sind die Hubschrauber der gemeinnützigen ADAC Luftrettung im Jahr 2017 zu rund 54.500 Notfällen gestartet. Damit blieb die Zahl der Einsätze gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert.

Im Durchschnitt hoben die ADAC Luftrettungscrews rund 150 Mal am Tag ab. Die Zahl der versorgten Patienten lag mit mehr als 49.000 ebenfalls annähernd auf Vorjahresniveau. Bei ihren oft lebensrettenden Einsätzen legten die ADAC Rettungshubschrauber rund 3,6 Millionen Kilometer zurück – oder flogen fast 90 Mal um die Erde. Die durchschnittliche Flugzeit bei einem Einsatz betrug rund 30 Minuten.

Einsatzursache Nummer eins waren bei den Rettungseinsätzen mit fast 50 Prozent erneut internistische Notfälle wie akute Herz- und Kreislauferkrankungen. In je zwölf Prozent der Fälle wurden die Lebensretter zu neurologischen Notfällen (zum Beispiel Schlaganfall) gerufen. Bei zehn Prozent war ein Verkehrsunfall die Ursache.

Eine Herausforderung für Mensch und Maschine sind auch Flüge in der Dämmerung. Geschäftsführer Frédéric Bruder hält in der Zukunft eine Ausweitung der Betriebszeiten und damit deutlich mehr Flüge in der Dämmerung für unabdingbar. „In viel zu vielen Regionen in Deutschland entscheiden nach wie vor die Uhrzeit und der Wohnort über die schnelle lebensrettende Hilfe aus der Luft“, kritisiert Bruder. Bisher werden Rettungshubschrauber in den meisten Städten und Gemeinden nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang eingesetzt. Wer davor oder danach in Lebensgefahr ist, dem kann aus der Luft nicht geholfen werden.

Technisch möglich sind Nachtflüge durch hochmoderne Rettungshubschrauber wie etwa dem neuesten Muster der ADAC Luftrettung: der H145. Dieser Helikopter ist, neben der EC135, bestens für den Nachtflug mit speziellen Nachtsichtgeräten geeignet. Die Maschine lässt sich zudem perfekt für das Konzept Intensivtransport von Klinik zu (Spezial-)Klinik nutzen: mit mehr Platz, größerer Reichweite und verbesserter Leistung. Die H145 ist die leiseste ihrer Leistungsklasse. Sie wird bereits auf den Stationen in Köln, Senftenberg und Westfalen (Rheine) eingesetzt. Seit Januar fliegt sie auch in Mainz, im Frühjahr kommt Ulm dazu. Zusätzlich mit einer Rettungswinde ist der Hubschrauber in München, Murnau, Sande und Bautzen ausgestattet.

Sein 20-jähriges Bestehen feiert „Christoph Europa 2“ in 2018. Die Luftrettungsstation besteht seit 1982 und wurde zunächst von der Bundeswehr betrieben, bis die ADAC Luftrettung die Station am 1. Februar 1998 übernahm. Erst befand sich die Station auf einer bevorzugten „Südhanglage“ mitten in der Stadt Rheine. Der ehemalige Landeplatz wurde jedoch immer enger umbaut, sodass ein neuer Standort nötig war. Auf dem Dach eines Parkhauses fanden die Crew und der Hubschrauber eine neue Heimat. Während die Stadt Rheine mit ihrer Feuerwehr für „Christoph Europa 2“ das Rettungsfachpersonal und das Mathias-Spital die Notärzte stellt, sorgt die ADAC Luftrettung für den Hubschrauber und die Piloten.

Die ADAC Luftrettung gGmbH ist mit mehr als 50 Hubschraubern an 37 Stationen eine der größten zivilen Luftrettungsorganisatio-nen in Europa. Seit 2017 gehört sie zur gemeinnützigen ADAC Stiftung.
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