Sie haben den Kampf gegen Krebs gewonnen

Der Vorstand der Frauenselbsthilfe nach Krebs: Inge Konopka, Angelika Kämer und Doris Spickenbaum (von links). Fotos: mtg
 
Maria Schleicher sagt: Es ist wichtig, positiv zu denken.
Borken (mtg). Krebs – eine Diagnose, die plötzlich über das Leben hereinbricht. So auch bei Maria Schleicher, die 2013 an Darmkrebs erkrankte: „Die Diagnose war ein Schock und hat mich umgehauen“, sagt sie. Sie wurde in Borken operiert, ging anschließend in die Reha.

Kurze Zeit später wurde ihr die Selbsthilfegruppe für Frauen nach Krebs empfohlen. Eine Gruppe, wo Frauen aufgebaut und aufgefangen werden. Schleicher ging hin: „Es war so, als wenn wir uns schon immer kannten“, sagt die heute 72-Jährige. „Ich denke, man kann besser damit umgehen, wenn man darüber redet“.

Auch wenn die Frauen der Selbsthilfegruppe die schwere Zeit der Krankheit überwunden haben; bei vielen sind die Ängste, dass der Krebs zurückkehrt, allgegenwärtig: „Man geht mit einem Angstgefühl durch die Welt. Die Diagnose steckt tief in einem fest. Bei jedem Wehwehchen denkt man: Jetzt ist der Krebs wieder da“, sagt Maria Schleicher.

Was Betroffenen helfen kann? Wichtig ist es, immer positiv zu denken: „Das haben meine Kinder mir eingebläut“, meint sie. Nach jeder Darmspiegelung ist sie erleichtert, wenn ihr die Ärzte sagen: „Diesmal war da nichts“.

Auch Susanne Stieber* (Name von der Redaktion geändert) hatte vor 14 Jahren Krebs. Heute ist sie 86 Jahre alt. Als sie die Diagnose erhielt, war sie 72. Ihr Mann war kurz zuvor an Leberkrebs gestorben. „Danach fingen bei mir die Schmerzen an. Meistens nachts. Das ging auf die Psyche“, erzählt sie. Zunächst fanden die Ärzte nichts, bis sie ihr Schwiegersohn ins Krankenhaus brachte, wo ihr Magen- und Darmkrebs diagnostiziert wurde. Sie wurde operiert, wog zwischenzeitig nur noch 44 Kilo.

Susanne Stieber hatte trotz allem viel Glück. Sie brauchte weder eine Bestrahlung, noch eine Chemo. „Das ist wie ein Sechser im Lotto. Ich hatte echt Schwein“. Noch heute geht sie regelmäßig zur Wassergymnastik, fährt mit dem Rad einkaufen, isst kleine Portionen. Was ihr geholfen hat? „Ich bin der Meinung, man soll nicht immer an die Krankheit denken.“

Dr. Sandra Grobelny, Leitende Ärztin des Brustzentrums in Ahaus sagt: „Man weiß nicht, woher Brustkrebs kommt“. Es kann an Hormonen liegen oder am Stress. Aber: „Man hat es nicht in der Hand.“ Manche machen einseitige Diäten, doch das sei fatal: „50.000 Krebspatienten sterben in Deutschland an Mangelernährung. Nicht am Krebs“, betont Dr. Sandra Grobelny. Darunter 21 Prozent, die an Brustkrebs erkrankt sind.

So spielt Ernährung bei jeder Art von Krebs eine entscheidende Rolle, ebenso wie Bewegung. „Wenn jemand nie Sport gemacht hat, ist die Frage: Was ist zu viel Bewegung und was zu wenig?“, meint Dr. Grobelny. Geeignet seien Wassergymnastik, Tanzen, Yoga und Radfahren, ebenso wie Nordic Walking. Die Selbsthilfegruppe gibt den Frauen Halt: „Wenn man einen absoluten Tiefpunkt hat, dann hilft es, zum Treffen zu gehen. Man sieht dort andere, die es auch gepackt haben – das macht Mut und Hoffnung“. Neulich trafen sich alle zum großen Sommerfest.

Einige wenige konnten nicht dabei sein. Bei ihnen ist der Krebs zurückgekehrt. Sie durchleben jetzt gerade eine Odyssee. Inge Konopka, Vorsitzende der Gruppe, teilt den Anwesenden mit, wer nicht dabei sein kann. Ein Moment der Stille. Sie sind in Gedanken bei denen, die gerade mutig kämpfen und nicht aufgeben. Ihnen allen ist eines gemeinsam: Sie wollen leben und lassen sich vom Krebs nicht unterkriegen, machen weiter und freuen sich, wenn der Krebs besiegt ist.



Wer die Gruppe für Frauenselbsthilfe nach Krebs, kurz FSH, in Borken selbst besuchen möchte: Ansprechpartner im Leitungsteam sind Gruppenleiterin Inge Konopka (02861/90 17 02) und Stellvertreterin Angelika Kämer (02861/62 43 0). Die Gruppe trifft sich alle zwei Wochen mittwochs, von 14.30 bis 17 Uhr im großen Seminarraum der Familienbildungsstätte, Am Vennehof 1, 46325 Borken.

Die Frauenselbsthilfe nach Krebs ist eine der ältesten Krebs-Selbsthilfeorganisationen in Deutschland und wurde 1976 gegründet.

Rund 15 Frauen fühlten sich mit ihren Sorgen, Ängsten und Nöten allein gelassen. Sie wussten, dass eine Therapie mit Chemo nicht ausreicht, um die Krankheit bewältigen zu können.

Ihr Anliegen war es, das Thema aus der Tabuzone zu holen: „Noch heute denken manche, Krebs sei ansteckend“, sagt Inge Konopka. „Das ist nicht so“. In der Gruppe werden Frauen nach dem Schock der Diagnose aufgefangen, über Hilfen zur Krankheitsbewältigung informiert und in einen Leben mit oder nach Krebs begleitet. Neben Gesprächskreisen gibt es auch Aktionen wie Konzertbesuche, Gymnastik, Schwimmen, Yoga und Fachvorträge.

Dr. Grobelny empfiehlt, dass sich Patientinnen mit Brustkrebs in einem zertifizierten Brustzentrum behandeln lassen, weil hier ein ganzes Netzwerk für eine gute Behandlung vorhanden ist.



Im St. Marien-Krankenhaus Ahaus bietet das Brustzentrum jeden 2. Dienstag, von 15 bis 16.30 Uhr im Raum Monét, ein Café für Patientinnen an. Die Teilnahme ist kostenlos.

In einer vertrauensvollen Runde wird Betroffenen Raum für einen Erfahrungsaustausch unter Frauen angeboten, die gerade Krebs durchleben oder durchlebt haben. Dr. Sandra Grobelny sagt, dass soziale Kontakte wichtig sind. „Viele stehen unter Starkstrom, wollen schnell operiert werden.“ Doch manche Frauen fallen dann oft in ein Loch. Damit es gar nicht erst soweit kommt, soll das neu-gegründete Café sie frühzeitig auffangen.
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