Trauer richtig verarbeiten

Barbara Schröer und Judith Kolschen helfen Trauernden. (Foto: mtg)
 
In liebevoller Erinnerung an Verstorbene kann ein Ort für sie helfen (Foto: mtg)
Borken (mtg). Der Tod eines geliebten Menschen bringt das Leben ins Stocken, raubt einem den Boden unter den Füßen und hinterlässt Wunden, die nur langsam verheilen – manchmal heilen sie nie so ganz.
Zunächst geht es bei den Hinterbliebenen nur ums Überleben: Essen, Trinken, Schlafen sind wichtige Reserven. Oft wird in der Psychotherapie von Trauerphasen gesprochen. Dabei müssen es nicht zwangsläufig Phasen sein. Der Psychologe J. William Worden geht vielmehr von vier „Entwicklungsaufgaben“ der Trauernden aus: „Zunächst geht es darum, den Verlust zu realisieren und anzuerkennen“, sagt Judith Kolschen, Koordinatorin der Trauerbrücke Borken und des ambulanten Hospizdienstes der Caritas. Sie unterstützt Menschen, die schwere Zeiten durchmachen. Manche kommen immer wieder auf sie zu und fragen: „Wann hört der Schmerz auf?“ Vielleicht hört er nie ganz auf, aber: „Es fängt an, weniger wehzutun“, antwortet Kolschen dann.
So lernen die Angehörigen mit dem Schmerz zu leben und ihn auszuhalten. „Trauer ist ein individueller Prozess und wie sie gelebt wird, ist von vielen Faktoren abhängig, aber sie ist für jedes Alter wichtig“, sagt sie. Wenn das soziale Umfeld intakt ist, gelinge es meist besser, Trauer zu verarbeiten. Schwierig werde es vor allem dann, wenn ein unerwarteter Tod eintritt oder wenn sich das Verhältnis umkehrt und das eigene Kind stirbt, wenn sogenannte Risikofaktoren für erschwerte Trauer vorliegen.
Die Hinterbliebenen müssen schließlich langsam lernen, sich an eine Welt anzupassen, in der der Verstorbene fehlt. Das heißt aber nicht, den Verstorbenen loszulassen, sondern ihm neuen Raum zu geben. Angehörige können sich die Frage stellen: „Wie kann ich Erinnerungen mit Ritualen begehen?“ Auch Gedenktage können dem Verstorbenen neuen Raum im Leben geben.
Trauernde dürfen den liebevollen Umgang mit sich selbst nicht verlieren. So geht die vierte Entwicklungsaufgabe des Psychologen Worden dahin, dass sich Hinterbliebene irgendwann selbst die Erlaubnis erteilen dürfen, auch ohne den Verstorbenen ein gutes Leben zu führen und Freude zuzulassen: „Trauer ist keine Krankheit, kann aber zur Krankheit werden, wenn der Verarbeitungsprozess verzerrt wird und nicht in Gang kommt“, erklärt Judith Kolschen weiter. Vielen falle es auch schwer, Hilfe anzunehmen. So trauern Menschen ganz unterschiedlich: Der eine mag sich zurückziehen und redet nicht gern darüber, ein anderer hat vielleicht Redebedarf oder stürzt sich in Arbeit. „Es gibt kein richtig und kein falsch. Unsere Gesellschaft verlangt zu schnell zu viel“, kritisiert die Trauerbegleiterin.
932 263 Menschen sind im Jahr 2017 laut Statistischem Bundesamt gestorben. Viele sterben in Krankenhäusern und Altenheimen – dadurch verschwindet der Tod mehr und mehr aus dem Alltag. Fast wirkt es, als habe der bewusste Umgang mit Verlust keinen Platz mehr im gesellschaftlichen Leben. Daher würde sich das Team der ehrenamtlichen Trauerbegleiter der Caritas mehr Akzeptanz wünschen. Wer selbst jemanden kennt, der trauert: Oft sei es schon hilfreich, auf die trauernde Person zuzugehen, die eigene Unsicherheit ehrlich zu benennen und zu signalisieren, da zu sein – egal ob sie weint, redet oder schweigt.


Verschiedene Angebote zur Begleitung, Unterstützung und Entlastung können Familien und Angehörigen weiterhelfen.
Trauerbegleitung: Wer einen Verlust erlitten hat, kann sich direkt an Judith Kolschen, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Trauerrednerin, Trauerbegleiterin wenden. Kontakt: 02865/999 5208; weitere Infos unter www.judithkolschen.de
Trauerbrücke: Beratungsgespräche mit einem der Koordinatoren Judith Kolschen oder Andreas Gerdes; Einzelbegleitung durch ehrenamtliche Trauerbegleiterinnen; Trauerseminare und Trauertreff. Kontakt: cpg-trauerbruecke@caritas-borken.de
Caritas Trauertreff: Offener Trauertreff in der Schönstatt Au Borken, alle sechs Wochen samstags von 15 bis 17 Uhr. Nächste Termine am Samstag, 17. November, und Samstag, 15. Dezember. Weitere Infos unter 02861-945-810
Schwere-Los-Projekt: Hier entlasten speziell ausgebildete und ehrenamtliche Schwere-Los-Paten Familien in schweren Zeiten, indem sie Kindern und Jugendlichen bei Hausaufgaben helfen oder sie zu Freizeitaktivitäten bringen. Kontakt: Ulrike Baranski, Tel. 02861/945 805
Sternenkinder: In der Familienbildungsstätte Borken wird ab Januar 2019 eine Gruppe für Eltern angeboten, deren Kinder während der Schwangerschaft oder kurz danach verstorben sind. Kontakt: Patricia Müller-El-Amir, Tel. 02861/8921-204
Tanzen für die Seele Trauerbegleiterin Bianca Jurga lädt Menschen ein, die Freude an Musik und Bewegung haben. Kontakt: 02864-6022
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