TÜV-Tipps für einen tollen Fußball-Sommer

Autofähnchen sind schön – können aber leider leicht abknicken. Fotos: TÜV Nord
 
Aufgepasst: Gerade in der WM-Zeit sind viele Nachwuchs-Kicker unterwegs.
Borken (pd/hie). Die Fußball-Weltmeisterschaft ist gestartet. Fans freuen sich darauf, beim Public Viewing und in den Biergärten bei spannenden Spielen mitzufiebern. Nationalflaggen und Autoschmuck aller Art zeigen, für welche Elf das Fußballherz schlägt, und bei kilometerlangen Autokorsos werden die Siege der Mannschaften gefeiert. Damit man trotz ausgelassener Fußball-Partys im Straßenverkehr sicher unterwegs ist, erklärt Bernhard Weingartz, Leiter der TÜV-STATION Borken, worauf man während der Turnierzeit achten sollte.


Flagge zeigen? Aber mit Sicherheit! Viele Fans drücken ihre Begeisterung aus, indem sie ihre Fahrzeuge mit Fußball-Fanartikeln und Nationalflaggen schmücken. „Solange die Sicht des Fahrers nicht eingeschränkt wird und andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden, ist das auch kein Problem“, sagt Weingartz. „Der Autofahrer haftet, wenn durch das Abbrechen oder eine falsche Befestigung andere Verkehrsteilnehmer zu Schaden kommen“, sagt Weingartz und empfiehlt, Fan-Schmuck vor einer Fahrt auf der Autobahn abzunehmen. Und noch ein Tipp: In die Seitenscheibe geklemmte Fahnen sind eine willkommene Einladung für Langfinger. Die Autoversicherer können in einem solchen Fall die Regulierung des Schadens verweigern.


Achtung: Nachwuchs-Stars auf den Straßen Ob Groß oder Klein, Jung oder Alt: das WM-Fieber ist ansteckend. Vor allem Kinder eifern jetzt ihren Vorbildern nach und üben Torschüsse und Bananenflanken auf Schulhöfen, in Parks und auch auf der Straße. Für Autofahrer bedeutet das erhöhte Vorsicht. Gerade in der WM-Zeit muss man von morgens bis abends damit rechnen, dass Kinder plötzlich die Fahrbahn betreten.


Ohne Rote Karte durch die Verkehrskontrolle Auch und gerade während der Fußball-WM werden mancherorts Verkehrskontrollen durchgeführt. Doch was passiert bei einer Verkehrskontrolle und welche Rechte und Pflichten haben Autofahrer dabei? „In der Verkehrskontrolle darf die Polizei die HU-Plakette, die Überladung des Fahrzeugs, die Tiefe des Reifenprofils, die Licht- und Bremsanlage, die Erlaubnis

für angebaute Autoteile und die Fahrtauglichkeit des Fahrers überprüfen“, so Weingartz. „Generell ist der Autofahrer dazu verpflichtet, den Zeichen und Haltegeboten des Polizisten nachzukommen.“ Ansonsten muss er mit einem Bußgeld von 70

Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen. Ignoriert ein Fahranfänger die Haltezeichen, wird seine Probezeit um zwei Jahre verlängert und er muss ein Aufbauseminar absolvieren. „Auch das Vergessen von Führerschein,

Fahrzeugschein, Verbandskasten oder Warndreieck kann zu einem Bußgeld führen“, so der TÜV-Experte. Nicht verpflichtend sind Anordnungen wie das Vorzeigen des Personalausweises oder eine Handydurchsuchung. Ein letzter Tipp: Im Falle einer Verkehrskontrolle Ruhe bewahren und den Anweisungen, sofern der Fahrer dazu verpflichtet ist, nachkommen. Dann steht der schnellen Weiterfahrt nichts im Wege.


Abpfiff für Alkohol am Steuer


Public Viewing im Biergarten und ein kühles Blondes dazu: So sieht für viele Fans der perfekte Fußballnachmittag aus. Aber Vorsicht bei der Wahl des Verkehrsmittels für den Heimweg: Denn die Auswirkungen, die bereits geringe Mengen Alkohol auf Autofahrer haben können, werden häufig unterschätzt. „Verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrations- und Sichtprobleme sind nur einige Beispiele für Gefahren, die nach Alkoholgenuss zu schweren Unfällen

führen können“, so Bernhard Weingartz. Die Promillegrenze für Fahrer, die nicht mehr in der Probezeit sind, liegt bekanntlich bei einem Wert von 0,5. Abhängig von körperlicher Verfassung, Gesundheit oder auch der „Tagesform“ kann da ein Bier oder Schnaps schon zu viel sein. „Bereits bei 0,3 Promille kann es zu Bußgeld, Punkten und Führerscheinentzug kommen, wenn die Verkehrssicherheit durch die Fahrweise auffällig beeinträchtigt wird oder es gar zum Unfall kommt“, erklärt Weingartz. „Das gilt übrigens auch für Radfahrer.“ Deshalb rät TÜV NORD, immer einen Fahrer zu bestimmen, der nüchtern bleibt, oder die Fahrt mit dem Taxi oder öffentlichen Verkehrsmitteln anzutreten. Dann gibt’s nach der Fußballparty kein böses Erwachen.


Videobeweis – auf dem Rasen und jetzt auch auf der Straße zulässig Beim Thema Videobeweis im Fußball scheiden sich die Geister. Das Äquivalent im Straßenverkehr heißt „Dashcam“. Besonders in Russland, dem Gastgeber der diesjährigen WM, sind die kleinen Kameras für das Armaturenbrett oder die Windschutzscheibe weit verbreitet. Auch in Deutschland erfreuen sie sich immer größerer Beliebtheit. Ihre Verwendung ist dabei ausschließlich für private Zwecke gestattet. Nicht erlaubt ist es, Personen und Autokennzeichen zu filmen und etwa im Internet ohne Zustimmung der Gefilmten zu veröffentlichen. „Damit verstößt man gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung“, so Weingartz.

Seit neuestem ist die Verwendbarkeit von Dashcam-Aufzeichnungen als Beweismittel bei einem Unfall gestattet. Das geht aus dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 15. Mai hervor. „Allerdings ist es aufgrund des Datenschutzgesetzes weiterhin unzulässig, mit der Dashcam ohne bestimmten Anlass permanent Aufnahmen zu machen“, so Weingartz. Eine technische Lösung kann darin liegen, die Kamera so einzustellen, dass sie die Aufzeichnungen in regelmäßigen, kurzen Abständen automatisch überschreibt und nur bei einer Kollision eine langfristige Speicherung aktiviert wird.
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