Heuerlingskotten

Aus vielen der beengten Behausungen sind individuelle Traumhäuser geworden
Münsterland (pd/dd). Noch um 1970 herum sah man sie überall im ländlichen Außenbereich nicht nur des Münsterlandes: aufgegebene Heuerlingskotten – Wind und Wetter überlassen und langsam verfallend, gelegentlich zweckentfremdet als Stall, Schuppen oder Garage genutzt. Die seinerzeit schnell und billig gebauten und beengten Behausungen der ländlichen Unterschicht galten als dörfliche „Schandflecken“. Auch im Münsterland zahlten Kreise und Kommunen sogar Abbruchprämien, um diese leer stehenden Kotten schnell verschwinden zu lassen.

So überstanden nur wenige der einstmals vielen Tausend Heuerlingshäuser diese Jahre. Wer heute durch das Münsterland fährt, wird auf der Suche nach diesen einfachsten Behausungen kaum noch fündig werden. Denn zumeist unbemerkt haben kreative Menschen mit viel Liebe zum Detail und ungezählten Arbeitsstunden einige Kotten – meist außer Sichtweite viel befahrener Straßen – für die Gegenwart bewahrt und daraus jeweils ein ganz individuelles Traumhaus – für sich oder eine Gemeinschaft – geschaffen. Die Autoren, der Emsländer Bernd Robben und der Historiker Dr. Helmut Lensing aus Greven – ihr gemeinsames Buch über das Heuerlingswesen erlebt bereits fünf Auflagen – sowie der Fotograf Martin Skibicki und der Maler Georg Strodt, betreten mit ihrem Bildband über den Wandel der Heuerlingskotten vom verachteten „Armenhaus“ zu Orten gehobenem Wohnkomforts Neuland, fanden doch die Behausung der ländlichen Unterschicht bislang kein Interesse. Sie fanden rund 90 Besitzer ehemaliger Heuerlingskotten, die ihnen den Zutritt zu Haus und Hof und die öffentlichen Vorstellung ihres stets sehr individuell gestalteten Domizils gestatten. So bieten die Fotos auch Gestaltungsideen für Haus und Hof. Mit kurzen Texten und über 800 opulenten Fotos zeigen sie, wie sich die früher einfachsten Behausungen der Heuerleute inzwischen zu traumhaft schönen Landhäusern gewandelt haben – auch Objekte aus dem Kreis Borken sind zu sehen. Das harte und primitive Leben der ersten Bewohner der Kotten steht in einem deutlichen Kontrast zum hohen Wohnkomfort der heutigen Bewohner. Dies zeigt das Buch immer wieder durch kurze Fachaufsätze renommierter Autoren aus der Region zum Thema „Heuerhäuser“ und „Leben im Heuerhaus“. Mitarbeiter waren beispielsweise Dr. Christiane Cantauw von der Volkskundlichen Kommission für Westfalen, Dr. Christof Spannhoff vom Institut für vergleichende Städtegeschichte in Münster und der westmünsterländische Historiker Dr. Timothy Sodmann, der selbst einen ehemaligen Kotten bewohnt.
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