„Wir schenken Zeit“

 
Yvonne Steinbuß ist die Koordinatorin des Dienstes und erste Ansprechpartnerin.
Haltern (hie). „Viele denken, dass wir am Bett der Kinder sitzen und darauf warten, dass sie versterben“, berichtet Yvonne Steinbuß. „Das ist aber gar nicht so. Wir lachen auch sehr viel zusammen.“ Die gelernte Krankenschwester hat als ehrenamtliche Mitarbeiterin des ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst in Recklinghausen zum Beispiel seit Jahren ein heute 12jähriges Mädchen aus Nottuln begleitet, das an Trisomie 18 leidet. „Sie kann weder sprechen noch laufen, ist aber eine kleine Lebenskünstlerin“, so Steinbuß.

Aus dem ehrenamtlichen Engagement ist für Yvonne Steinbuß inzwischen eine berufliche Aufgabe geworden: Seit März leitet sie als Koordinatorin den neu gegründeten ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst in Haltern am See. Er ist zuständig für Haltern am See und die Kreise Coesfeld und Borken. Ziel ihrer Arbeit ist es, Familien zu begleiten, deren Kind an einer lebensverkürzenden Krankheit leidet. Um ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen, können Familien jederzeit auf den Verein zukommen. „Wir sind aber kein Pflegedienst, sondern schenken den Kindern, Jugendliche und ihren Familien unsere Zeit“, so Steinbuß. Das kann Zeit mit dem erkrankten Kind sein, Hilfe beim Familieneinkauf oder auch ein Spielenachmittag mit Geschwisterkindern. Der schwer herzkranke 2-jährige Julian aus Borken zum Beispiel hat vier Geschwister, die aufgrund seiner Krankheit oft zu kurz kommen. Da springen die ehrenamtlichen Helferinnen aus Haltern auch ein, um die Mädchen zum Tanztraining zu fahren.

„Wer sich bei uns engagieren möchte, sollte absolut zuverlässig sein“, so Steinbuß. „Die Familien müssen sich auf uns verlassen können.“

Um die Ehrenamtlichen auf ihre Aufgabe vorzubereiten, wird ein 100-stündiger Befähigungskurs angeboten. Dabei geht es neben ganz praktischen Fragen auch um die Auseinandersetzung mit dem eigenen Sterben und Tod. Später hilft eine regelmäßig angebotene Supervision, das Erlebte zu verarbeiten. Übrigens: Besonders aus dem Kreis Borken werden zur Zeit noch ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht, da neben Julian aus Borken auch ein Jugendlicher aus Südlohn begleitet wird.

Eine weitere Aufgabe von Yvonne Steinbuß ist es, Spenden zu akquirieren. Der Träger des Dienstes in Haltern ist zwar der Deutsche Kinderhospizverein, der zu einem Drittel von den Krankenkassen finanziert wird, die restlichen zwei Drittel müssen aber durch Spenden zusammenkommen. „Unser Angebot ist für die Familien kostenfrei und soll es auch bleiben“, so Yvonne Steinbuß. Sie ist froh, dass Leute wie zum Beispiel Schalke-Star Benedikt Höwedes als Schirmherr oder Rainer Kauczor ihre Arbeit unterstützen. Der Rekener organisiert seit Jahren den 24 Stunden-Lauf rund um den Gevelsberg und spendet anschließend für die ambulanten Kinderhospizdienste in Recklinghausen und Gladbeck – und jetzt auch Haltern. Der nächste Spendenlauf findet am Freitag, 8. September, ab 16 Uhr statt. Mit dabei ist auch Yvonne Steinbuß: Sie informiert an einem Stand über ihre Arbeit und steht für ein erstes Kennenlernen sowohl interessierten Ehrenamtlichen als auch betroffenen Familien als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Yvonne Steinbuß ist erreichbar unter 02364/5063062, nähere Informationen gibt es auch unter www.akhd-suedliches-muensterland.de.

Ein Spendenkonto gibt es bei der Sparkasse Haltern am See, IBAN: DE15 4265 1315 0000 0907 20
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