Für alle Schäden durch Rückstau haften Grundstückseigentümer selbst. © VZ NRW /adpic
Münsterland. Steigen die Temperaturen, steigt auch die Gefahr von Starkregen: Heftige Gewitter und anhaltender Regen überfordern schnell die Kanalisation. Das Wasser staut sich und tiefliegende Hauseingänge, Keller und Souterrainräume können volllaufen. Zusätzlich kann Schmutzwasser aus dem Kanal ins Gebäude gedrückt werden und erhebliche Schäden anrichten. Elke Liening von der Beratungsstelle Gronau der Verbraucherzentrale NRW gibt hilfreiche Tipps, wie man bestmöglich vorsorgen und das Heim schützen kann.
Risiken am Wohnort
prüfen
Vor der Umsetzung von Maßnahmen sollten Informationen zum eigenen Wohnort eingeholt werden. Gut aufbereitete Daten für das lokale Risiko von Starkregen liefert das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie über die von ihm betriebene Webseite geopor-tal.de. Hier finden Hausbesitzer eine detaillierte Starkregengefahrenhinweiskarte für ihren Wohnort. Anhand des Risikoprofils für das eigene Zuhause lassen sich dann konkrete Vorsorgemaßnahmen treffen.
Schutzmaßnahmen gegen Überflutung
Wichtig ist, oberirdisch abfließendes Wasser vom Gebäude fernzuhalten. Dafür muss möglichst vermieden werden, dass Wasser über tiefliegende Hauseingänge, Kellergeschosse, Garagenzufahrten, Fenster oder Lichtschächte eindringt. Bei Neubauten soll-ten bereits bei der Planung entsprechende Vorkehrungen getroffen werden. Bei bestehenden Häusern kann nachgerüstet werden. Je nach Lage helfen Überdachungen, Boden- oder Türschwellen, ein Gefälle am Eingangsbereich, Aufkantungen oder drucksichere Kellerfenster. Zusätzlich fördern Geländemulden und entsiegelte Flächen das Versickern von Regenwasser. Versiegelte Oberflächen im Vorgarten oder bei Auffahrten können durch versickerungsfähiges Bodenmaterial ersetzt werden. Sind alle Schwachstellen vor Ort bekannt, lässt sich entscheiden, welche Maßnahmen einzeln oder auch in Kombination sinnvoll sind.
Schutz vor Rückstau
Souterrainwohnungen und Räume unterhalb des Straßenniveaus sind besonders gefährdet. Bereits bei der Bauplanung ist abzuwägen, ob dort auf bestimmte Abflüsse verzichtet werden kann. Einen sicheren Schutz bietet nur eine Hebeanlage, die Wasser über die Rückstauebene in den Kanal pumpt. Mit einer solchen Anlage sind Toiletten und Duschen auch während eines Rückstaus weiter nutzbar. Für Vermieter gilt: Sie müssen dafür sorgen, dass die Sanitäranlagen im Wohngebäude jederzeit zur Verfügung stehen. Kostengünstiger als Hebeanlagen sind Rückstauklappen. Sie schützen das Gebäude im Falle eines Rückstaus aber lediglich vor dem Eindringen von Wasser aus dem öffentlichen Kanal. Während längerer Abwesenheit sollten sämtliche Rückstauklappen verriegelt und alle Fenster im Keller fest verschlossen werden.
Fachgerechter Einbau
Um eine Immobilie rückstausicher zu machen, ist eine Beratung bei einem Sanitärfachbetrieb sinnvoll, um genau zu klären, wo die Rückstausicherung angebracht werden muss. Bei der Planung eines Neubaus sollte der Rückstauschutz vom Architekturbüro mitbedacht werden. Ingenieurbüros für Wasserwirtschaft oder Sanitärfachbetriebe, die Anlagen zur Rückstausicherung installieren, sind hier die richten Ansprechpartner.
Regelmäßige Wartung Hebeanlagen und Rückstauverschlüsse müssen regelmäßig geprüft und gewartet wer-den, sonst riskieren Eigentümer bei Schäden ihren Versicherungsschutz. Manuelle Rückstauklappen können nach einer fachkundigen Unterweisung selbst gewartet wer-den. Um im Schadensfall Ärger mit der Versicherung zu vermeiden, sollte die eigene Wartung vorsorglich dokumentiert werden. Viele Fachbetriebe bieten Wartungsverträge an. Vor einer Beauftragung lohnt sich der Vergleich mehrerer Angebote.
Versicherungsschutz prüfen Kommunen haften nicht für Rückstauschäden an privaten Häusern. Rückstau und Überschwemmung sind in Hausrat- oder Wohngebäudeversicherungen meist nicht automatisch enthalten und müssen zusätzlich abgesichert werden. Im Schadensfall können Versicherungen einen Nachweis über die regelmäßige Wartung von Rückstausicherungen verlangen.