Stadt, gepresst: Ruppe Koselleck und Susanne von Bülow bei einer Aktion im Jahr 2022.
Borken. Borken bekommt Besuch – und zwar keinen leisen. Wenn eine Planierwalze durch die Innenstadt rollt, geht es nicht um Baustellen, sondern um Kunst. Im Rahmen des Jubiläumsjahres „Borken 800“ machen Susanne von Bülow und Ruppe Koselleck mit ihrem Projekt „Grund & Borken“ Station und verwandeln den städtischen Boden in eine ungewöhnliche Ausstellungsfläche.
Was zunächst nach schwerem Gerät klingt, entpuppt sich als feinsinnige Mischung aus Performance, Druckgrafik und Stadtforschung. Die beiden Künstler nutzen eine Planierwalze und ein spezielles Druckverfahren, um die Oberflächen der Stadt sichtbar zu machen: Pflastersteine, Gullideckel oder Vermessungspunkte werden mithilfe von Pigmenten und Büttenpapier zu detailreichen Prägedrucken. Jeder Abdruck erzählt dabei seine eigene Geschichte vom Untergrund der Stadt.
Der Auftakt findet am Freitag, 26. Juni, um 18 Uhr auf dem Marktplatz vor dem FARB statt. Beim öffentlichen Andruck mit Walzentest können Neugierige hautnah erleben, wie aus Asphalt und Stein Kunst entsteht. Am Samstag, 27. Juni, zieht die „Planierwalzenpromenade“ von 10 bis 15 Uhr durch die Innenstadt – ein performativer Spaziergang der besonderen Art, der Passantinnen und Passanten zum Innehalten und Mitdenken einlädt.
Denn „Grund & Borken“ ist mehr als ein visuelles Experiment. Das Projekt wirft auch einen Blick auf die ökonomische Dimension von Raum: Der Preis der entstandenen Drucke richtet sich nach dem Bodenrichtwert des jeweiligen Stadtteils. So können Werke, die sich optisch ähneln, völlig unterschiedliche Werte haben – ein künstlerischer Kommentar zur Frage, was Grund und Boden eigentlich wert ist.
Zum Abschluss werden die entstandenen Arbeiten am Sonntag, 28. Juni, um 18 Uhr im Saal des FARB präsentiert. Die Ausstellung bringt die Spuren der Stadt ins Innere – und lädt dazu ein, Borken einmal aus einer ganz neuen Perspektive zu betrachten.