„Glaubwürdige Informationen sind unerlässlich“ sagt Christiane Göke, Chefin der BZ-Lokalredaktion.
Borken. Auch die Borkener Zeitung beteiligt sich an der bundesweiten Aktion „Demokratie braucht viele Stimmen“. Christiane Göke, Leiterin der Lokalredaktion, erklärt, warum unabhängiger Journalismus für Borken unverzichtbar ist.
Was bedeutet die Aktion für Ihre Redaktion?
Christiane Göke: Demokratie lebt davon, dass Menschen gut informiert sind und sich eine eigene Meinung bilden können. Die BZ zeigt täglich unterschiedliche Perspektiven und bildet viele Stimmen ab. Ich habe immer öfter das Gefühl, dass die Medienkompetenz früher besser war, daher müssen wir unsere Arbeit mehr erklären.
Mit der Aktion wird eine Woche lang deutlich gemacht, wie wichtig Journalismus für eine lebendige Demokratie ist. In ganz Deutschland nehmen Verlage und Sender daran teil. Es ist selten, dass Medien so offen über ihre Arbeit berichten.
Warum ist glaubwürdiger Lokaljournalismus in Borken so wichtig?
Damit Menschen sich eine eigene Meinung bilden können. Denn glaubwürdiger Lokaljournalismus bietet Orientierung: in Kommunalpolitik, Wirtschaft, Kita, Schule und Verein. Wir erklären komplexe Themen, zeigen Auswirkungen und dokumentieren, was vor Ort passiert – vom demografischen Wandel über das Vogelschießen bis zum Landesliga-Spieltag.
Wie prüfen Sie Ihre Informationen?
Gründlich. Bei komplexen Themen sprechen wir mit mehreren Beteiligten und hören immer beide Seiten. Ein Beispiel: Der Fall des falschen Arztes in Borken wurde monatelang recherchiert, bevor wir berichtetet haben. Wir mussten sicher sein, dass an dem Vorwurf etwas dran ist. Dazu gehörte auch, dem Beschuldigten Gelegenheit zu geben, sich zu äußern. Hätten sich die Vorwürfe als falsch herausgestellt, hätten wir jemanden zu Unrecht beschuldigt.
Wie gehen Sie mit dem Spannungsfeld zwischen schneller Berichterstattung und sorgfältiger Faktenprüfung um – und wie reagieren Sie auf Fehler?
Die Nachrichtenwelt ist durch Internet und Social Media sehr schnell geworden, und auch wir versuchen, wichtige Informationen zügig zu veröffentlichen. Bei einem Unfall teilen wir sofort über unsere digitalen Kanäle mit: Die Straße ist gesperrt, es gibt Verkehrsbehinderungen. Ein Reporter ist vor Ort, ein anderer kümmert sich um die Online-Meldung. Erst kommt die Warnung, dann klärt der Reporter die Details. Dabei ist Fingerspitzengefühl nötig: Bei tödlichen Unfällen warten wir, bis die Angehörigen informiert sind. Jeder kann nachfühlen, dass man so eine Nachricht nicht aus sozialen Medien erfahren möchte.
Auch beim Brand in Heiden war ich schnell vor Ort. Man bekommt viel mit, kann es aber nicht sofort einordnen. Dann priorisiert man und prüft, ob Informationen wirklich gesichert sind. Wir sind schnell, aber nur mit geprüften Fakten.
Fehler korrigieren wir grundsätzlich – online und in der gedruckten Zeitung.
Welche Falschmeldungen sind Ihnen schon begegnet, und was wünschen Sie sich von den Leserinnen und Lesern im Umgang damit?
Die große Falschmeldung hatten wir zum Glück in den letzten Jahren nicht. Immer mal kommen Leser auf uns zu, die etwas gehört haben und wissen wollen, ob es stimmt. Dem gehen wir nach. Oftmals stellen sich Gerüchte – gerade in Zeiten von Social Media – als falsch heraus. Wir berichten nur, wenn viele Menschen darüber sprechen und es notwendig ist, mit einem falschen Gerücht aufzuräumen. Bei Leserbriefen sind wir vorsichtiger geworden. 2019/2020 gab es eine fleißige Leserbriefschreiberin. Wir hatten Kontakt mit ihr, später stellte sich heraus, dass sie unter falschem Namen schrieb. Wir telefonieren mit jedem Verfasser, stellen Fragen, um die Identität zu prüfen. Viele sind erstaunt, finden es dann aber gut.