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„Er tanzt wie ein Magier“

12.10.2025

Léonide Massine auf dem Cover des Journals Comeodia Illustre als Josef in dem Stück „Josephs Legende“ aus dem Jahr 1914. Fotograf: Rudolf Dührkoop

Léonide Massine auf dem Cover des Journals Comeodia Illustre als Josef in dem Stück „Josephs Legende“ aus dem Jahr 1914. Fotograf: Rudolf Dührkoop

Burlo. Eine schwarze Lincoln-Limousine vor dem Gymnasium Mariengarden in Burlo – dieser Anblick gehörte in den 1970er-Jahren gelegentlich zum Alltag. Am Steuer saß ein älterer Herr in dunklem Mantel und breitkrempigem Hut: Léonide Massine. Seine Söhne Peter und Theo besuchten damals die Schule. Wenige ahnten, dass ihr Vater zu den bedeutendsten Choreografen des 20.Jahrhunderts gehörte.

Leonid Fjodorowitsch Mjassin, bekannt als Léonide Massine, wurde am 8. August 1895 in Moskau geboren. Er begann seine Karriere beim legendären „Ballets Russes“ unter Sergei Diaghilev und wurde dort rasch zu einem der prägenden Choreografen. Mit Werken wie La Boutique Fantasque und Die Roten Schuhe schrieb er Tanzgeschichte. Berühmt wurde Massine auch durch seine Fähigkeit, klassische Formen mit moderner Dynamik und bildender Kunst zu verbinden.

In Paris, wo er viele Jahre seines Lebens verbrachte, begegnete Massine Künstlern wie Pablo Picasso und Salvador Dalí. Mit Picasso entstand 1917 das Ballett Parade, bei dem Maler und Choreograf erstmals Tanz und kubistische Kunst in einer gemeinsamen Inszenierung vereinten. Auch die Zusammenarbeit mit Dalí brachte avantgardistische Meisterwerke hervor – so etwa das Ballett Bacchanal. Diese kreativen Partnerschaften machten Massine zu einem Pionier an der Schnittstelle von Tanz, Musik und bildender Kunst.

Nach Jahrzehnten auf den Bühnen Europas und Amerikas lernte Massine 1962 in Köln die Gemenerin Hannelore Holtwick kennen, mit der er zwei Söhne bekam. Weil ein Leben auf Reisen mit kleinen Kindern kaum möglich war, zog die Familie zunächst nach Gemen und später nach Weseke. Trotz familiärer Verpflichtungen blieb Massine international aktiv, leitete Proben in New York und London und gründete in den 1970er-Jahren Ballettstudios in Weseke und Borken. Diese bestanden zwar nur kurz – ein Mangel an Schülern, Personal und Finanzierung erschwerte den Fortbestand –, doch sie zeugen von seinem Wunsch, auch fern der Weltmetropolen tänzerische Kultur zu vermitteln.

Massine blieb seiner Kunst bis ins hohe Alter verbunden. Sein Schaffen wurde weltweit gefeiert – als Künstler, der die emotionale Ausdruckskraft des Tanzes mit intellektueller Tiefe verband. Der renommierte Ballettkritiker Horst Koegler schrieb 1962: „Er tanzt wie ein Magier, der sein Ensemble ebenso wie das Publikum unwiderstehlich in den Bann seiner Persönlichkeit zwingt.“

Leonid Massine verstarb am 15. März 1979 im Krankenhaus Borken. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof im Gemener Sternbusch. Im Jahr 2004 widmete das Stadtmuseum Borken ihm eine Sonderausstellung samt Begleitband.

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